Das Besor­gen der Schuss­waf­fe für einen Über­fall

Schon allein das Beschaf­fen einer gela­de­nen Schuss­waf­fe für einen Über­fall auf ein bekann­ter­ma­ßen wehr­haf­tes Opfer kann aber die Vor­her­seh­bar­keit eines töd­li­chen Gesche­hens­ver­lau­fes und damit eine Straf­bar­keit wegen fahr­läs­si­ger Tötung­be­grün­den [1].

Das Besor­gen der Schuss­waf­fe für einen Über­fall

Der Beschaf­fer der Waf­fe hat durch sei­nen maß­geb­li­chen Tat­bei­trag eine (straf­rechts­wid­ri­ge) ursäch­li­che Bedin­gung für den Tod des Raub­op­fers gesetzt. Auch liegt es jeden­falls nicht fern, dass die­se Fol­ge sei­ner Hand­lun­gen für ihn vor­her­seh­bar war [2].

Dies gilt auch dann, wenn das Gericht bei dem die Schuss­waf­fe benut­zen­den, den töd­li­chen Schuss abge­ben­den Räu­ber kei­ne Nei­gung zu Gewalt­ex­zes­sen fest­stel­len konn­te.

Eine Ver­ur­tei­lung wegen Mor­des (§ 211 StGB) schei­det aller­dings aus, wenn dem Waf­fen­be­schaf­fer die Tötung des Raub­op­fers nicht nach § 25 Abs. 2 StGB zuge­rech­net wer­den kann.

Jeder Mit­tä­ter haf­tet für das Han­deln der ande­ren nur im Rah­men sei­nes – zumin­dest beding­ten – Vor­sat­zes. Er ist für den Tat­er­folg mit­hin nur inso­weit ver­ant­wort­lich, als sein Wil­le reicht, so dass ihm ein Exzess der ande­ren nicht zur Last fällt [3].

Gemes­sen dar­an begeg­ne­te im hier ent­schie­de­nen Fall die unter­blie­be­ne Ver­ur­tei­lung wegen Mor­des kei­nen recht­li­chen Beden­ken des Bun­des­ge­richts­hofs: Dem Tat­plan zufol­ge soll­te der gela­de­ne Revol­ver bei dem Raub aus­schließ­lich zur Dro­hung gegen den Juwe­lier ein­ge­setzt wer­den. Davon wich M. nach den Fest­stel­lun­gen des Schwur­ge­richts ent­we­der aus Angst vor D. oder mit dem Ziel ab, die Täter­schaft durch die Tötung des ein­zi­gen Tat­zeu­gen zu ver­de­cken. Jeden­falls im zwei­ten – nach dem Zwei­fels­satz anzu­neh­men­den – Fall hat das Land­ge­richt die Tötung des Opfers für den Ange­klag­ten zu Recht als Mit­tä­ter­ex­zess des geson­dert ver­folg­ten M. gewer­tet.

Den Umstand, dass D. mit einer gela­de­nen Schuss­waf­fe bedroht wer­den soll­te, hat das Schwur­ge­richt bei der Prü­fung des Tötungs­vor­sat­zes bedacht. Dass es in die­sem Zusam­men­hang nicht noch­mals aus­drück­lich die dem Ange­klag­ten bekann­te, an meh­re­ren Stel­len des Urteils ange­spro­che­ne Wehr­haf­tig­keit des Opfers erör­tert hat, begeg­ne­te ange­sichts der von ihm auf­ge­führ­ten wei­te­ren Indi­zi­en (Abwe­sen­heit des mit dem Opfer bekann­ten Ange­klag­ten wäh­rend der unmit­tel­ba­ren Tat­aus­füh­rung, geplan­ter Ein­satz von Kle­be­band als Fes­se­lungs­werk­zeug, kei­ne Hin­wei­se auf eine Gewalt­be­reit­schaft des Ange­klag­ten aus sei­nem Vor­le­ben sowie auf eine Nei­gung des M. zu Gewalt­ex­zes­sen) kei­nen durch­grei­fen­den Beden­ken. Der somit zumin­dest mög­li­che Schluss des Land­ge­richts ist vom Bun­des­ge­richts­hof hin­zu­neh­men.

Dies gilt auch, soweit das Land­ge­richt den Ange­klag­ten nicht wegen Rau­bes mit Todes­fol­ge (§ 251 StGB) ver­ur­teilt hat.

Hat einer von meh­re­ren Tat­be­tei­lig­ten den qua­li­fi­zie­ren­den Erfolg ver­ur­sacht, so setzt eine Straf­bar­keit der übri­gen nach § 251 StGB vor­aus, dass sich ihr zumin­dest beding­ter Vor­satz auf das Nöti­gungs­mit­tel erstreckt, durch wel­che der qua­li­fi­zie­ren­de Erfolg her­bei­ge­führt wor­den ist. Ein Betei­lig­ter haf­tet mit­hin gemäß § 251 StGB als Mit­tä­ter des Rau­bes nur für die Fol­gen der­je­ni­gen Hand­lun­gen des den Tod des Opfers unmit­tel­bar her­bei­füh­ren­den Täters, die er in sei­ne Vor­stel­lun­gen von dem Tat­ge­sche­hen ein­be­zo­gen hat­te oder ihm zumin­dest gleich­gül­tig waren [4].

Dar­an gemes­sen kann dem Ange­klag­ten der Tod des Juwe­liers in sub­jek­ti­ver Hin­sicht nicht zuge­rech­net wer­den, da die­ser wie bereits erör­tertdie Fol­ge eines Mit­tä­ter­ex­zes­ses des geson­dert ver­folg­ten M. war.

Soweit inso­weit zutref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass zu den sich auf­drän­gen­den deliktsty­pi­schen Risi­ken zählt, dass das Opfer eines unter Ver­wen­dung einer Waf­fe began­ge­nen Rau­bes um Hil­fe ruft oder sich zur Wehr setzt, und der (Mit)Täter das Tat­werk­zeug dar­auf­hin in töd­li­cher Wei­se ein­setzt, um eine Ent­de­ckung der Tat zu ver­hin­dern [5], ist dies vor­lie­gend ohne Belang. Denn das Land­ge­richt hat im hier ent­schie­de­nen Fall weder einen der­ar­ti­gen Gesche­hens­ab­lauf noch ein ent­spre­chen­des Vor­stel­lungs­bild des Ange­klag­ten fest­ge­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. März 2020 – 5 StR 623/​19

  1. vgl. auch BGH, Beschluss vom 22.03.2012 – 1 StR 359/​11, StV 2013, 1[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 11.07.1957 – 4 StR 160/​57, BGHSt 10, 369, 371; SSW/​StGBMomsen, 4. Aufl., § 222 Rn. 6[]
  3. st. Rspr., vgl. BGH, Urtei­le vom 25.07.1989 – 1 StR 479/​88, BGHSt 36, 231, 234; vom 15.09.2004 – 2 StR 242/​04, BGHR StGB § 25 Abs. 2 Mit­tä­ter 32; Beschluss vom 03.03.2011 – 4 StR 52/​11[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 16.09.2009 – 2 StR 259/​09, BGHR StGB § 251 Todes­fol­ge 5[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 20.06.2017 – 2 StR 130/​17, NStZ 2017, 638, 639[]