Das betrü­ge­risch erlang­te Dar­le­hen – und kein Ver­mö­gens­scha­den

Ein Ver­mö­gens­scha­den im Sin­ne des § 263 Abs. 1 StGB tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt (Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung) 1.

Das betrü­ge­risch erlang­te Dar­le­hen – und kein Ver­mö­gens­scha­den

Maß­geb­lich ist der Zeit­punkt der Ver­mö­gens­ver­fü­gung, also der Ver­gleich des Ver­mö­gens­werts unmit­tel­bar vor und nach der Ver­fü­gung 2.

Ob die Hin­ga­be eines Dar­le­hens einen Ver­mö­gens­scha­den bewirkt, ist daher durch einen für den Zeit­punkt der Dar­le­hens­hin­ga­be anzu­stel­len­den Wert­ver­gleich mit dem Rück­zah­lungs­an­spruch des Dar­le­hens­gläu­bi­gers zu ermit­teln.

Die Wert­hal­tig­keit des Rück­zah­lungs­an­spruchs wird dabei durch die Boni­tät des Schuld­ners und den Wert der bestell­ten Sicher­hei­ten bestimmt. Ein Scha­den ent­steht daher nur, wenn die vor­ge­spie­gel­te Rück­zah­lungs­mög­lich­keit nicht besteht und auch gege­be­ne Sicher­hei­ten wert­los oder min­der­wer­tig sind 3.

Auch bei einer ein­ge­schränk­ten oder feh­len­den finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit des Schuld­ners ent­steht dem­nach kein Scha­den, wenn und soweit der getäusch­te Gläu­bi­ger über wert­hal­ti­ge Sicher­hei­ten ver­fügt, die sein Aus­fall­ri­si­ko abde­cken und – ohne dass der Schuld­ner dies ver­ei­teln kann – mit uner­heb­li­chem zeit­li­chen und finan­zi­el­len Auf­wand rea­li­sier­bar sind 4. Ein Min­der­wert des Rück­zah­lungs­an­spruchs, etwa infol­ge einer Täu­schung über die Boni­tät, kann mit­hin durch den Wert hin­rei­chend wert­hal­ti­ger und liqui­der Sicher­hei­ten kom­pen­siert wer­den 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Febru­ar 2016 – 1 StR 437/​15

  1. st. Rspr.; sie­he BGH, Urteil vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13, Rn. 31, BGHSt 60, 1 ff.; BGH, Beschlüs­se vom 16.06.2014 – 4 StR 21/​14 Rn. 24; vom 19.02.2014 – 5 StR 510/​13, NStZ 2014, 318, 319; vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​12, NStZ 2013, 711; vom 25.01.2012 – 1 StR 45/​11 Rn. 75, BGHSt 57, 95, 113; und vom 18.02.2009 – 1 StR 731/​08, BGHSt 53, 199, 201, jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.04.2011 – 2 StR 616/​10, NStZ 2011, 638, 639[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​12, NStZ 2013, 711 mwN; Dan­ne­cker in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, § 263 StGB Rn. 235 f.; Raum in Wabnitz/​Janovsky, Hand­buch des Wirt­schafts- und Steu­er­straf­rechts, 4. Aufl., Kapi­tel 4 Rn. 87[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 21.10.2008 – 3 StR 420/​08, NStZ 2009, 150[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​12, wis­tra 2013, 268 mwN[]