Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und die Siche­rungs­ver­wah­rung

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bleibt bei sei­ner Linie und ver­wei­gert bei Ver­fas­sungs­be­schwer­den, die die Fort­dau­er der Siche­rungs­ver­wah­rung betref­fen, die Frei­las­sung durch eine einst­wei­li­ge Anord­nung. Die auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­gen sol­len viel­mehr aus­schließ­lich im Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu klä­ren sein:

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und die Siche­rungs­ver­wah­rung

Die gebo­te­ne Fol­genab­wä­gung führt zur Ableh­nung des Antrags auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung. Ergin­ge die einst­wei­li­ge Anord­nung nicht, hät­te aber die Ver­fas­sungs­be­schwer­de spä­ter Erfolg, so ent­stün­de dem Beschwer­de­füh­rer in der Zwi­schen­zeit durch den Voll­zug der Siche­rungs­ver­wah­rung ein schwe­rer, nicht wie­der gut­zu­ma­chen­der Ver­lust an per­sön­li­cher Frei­heit. Wenn die einst­wei­li­ge Anord­nung ergin­ge und der Ver­fas­sungs­be­schwer­de spä­ter der Erfolg zu ver­sa­gen wäre, ent­stün­den eben­falls schwer­wie­gen­de Nach­tei­le. Das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg hat auf der Grund­la­ge eines psych­ia­tri­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass der Beschwer­de­füh­rer einen Hang zu schwe­ren Sexu­al­straf­ta­ten (sexu­el­ler Miss­brauch von Kin­dern, Ver­ge­wal­ti­gung) habe und des­halb im Fal­le sei­ner Frei­las­sung mit hoher Wahr­schein­lich­keit ent­spre­chen­de Delik­te ver­üben wer­de, durch wel­che die Opfer see­lisch oder kör­per­lich schwe­ren Scha­den neh­men wür­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­se Bewer­tung zugrun­de­zu­le­gen, weil der Beschwer­de­füh­rer es ver­säumt hat, die in den Ent­schei­dun­gen ange­führ­ten, von ihm im Ergeb­nis für unzu­tref­fend erach­te­ten Gut­ach­ten vor­zu­le­gen oder ihrem wesent­li­chen Inhalt nach wie­der­zu­ge­ben. Ange­sichts der beson­de­ren Schwe­re der dro­hen­den Straf­ta­ten über­wiegt das Sicher­heits­in­ter­es­se der All­ge­mein­heit das Inter­es­se des Beschwer­de­füh­rers an der Wie­der­erlan­gung sei­ner per­sön­li­chen Frei­heit.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 5. August 2010 -2 BvR 1646/​10