Das Fuß­ball­foul als gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung

Kommt es wäh­rend eines Fuß­ball­spiels zu einem "Frust­foul" mit Ver­let­zung, kann eine gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung vor­lie­gen, wenn der Täter auf­grund der Här­te des „Ein­stei­gens“ damit rech­nen muss­te, den Gegen­spie­ler poten­zi­ell schwer zu ver­let­zen.

Das Fuß­ball­foul als gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in dem hier vor­lie­gen­den Fall die gegen die Ver­ur­tei­lung des Land­ge­richts Han­no­ver gerich­te­te Revi­si­on des Ange­klag­ten ver­wor­fen. Dort war ein Fuß­ball­spie­ler wegen eines grob regel­wid­ri­gen Foul­spiels zu einer Geld­stra­fe von 120 Tages­sät­zen zu je 40,00 € ver­ur­teilt wor­den.

Der Ange­klag­te setz­te in der 80. Spiel­mi­nu­te des Fuß­ball­spiels der Kreis­klas­se zu einem „Frust­foul“ an, weil sei­ne Mann­schaft mit 1:5 zurück­lag und sich durch den Schieds­rich­ter benach­tei­ligt fühl­te. Er ver­folg­te sei­nen Gegen­spie­ler, der sich auf Höhe der Mit­tel­li­nie den Ball weit vor­ge­legt hat­te und traf ihn mit aus­ge­streck­tem Bein und offe­ner Soh­le unter­halb des Unter­schen­kels. Den Ball spiel­te der Ange­klag­te nicht. Der Gegen­spie­ler erlitt einen Durch­bruch des lin­ken Waden- und Schien­beins, muss­te vier Tage lang im Kran­ken­haus sta­tio­när ver­sorgt wer­den und war acht Wochen arbeits­un­fä­hig.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le aus­ge­führt, dass nach die­sem Sach­ver­halt die Ein­las­sung des Ange­klag­ten wider­legt wor­den sei, der zufol­ge er nur den Ball habe spie­len wol­len. Es sei davon aus­zu­ge­hen, dass er jeden­falls in Kauf neh­men muss­te, sei­nen Gegen­spie­ler zu tref­fen. Auf­grund der Här­te des „Ein­stei­gens“ muss­te er zudem damit rech­nen, die­sen poten­zi­ell schwer zu ver­let­zen.

Aus­drück­lich hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es sich um eine Ein­zel­fall­ent­schei­dung han­delt. Anders als der Ver­tei­di­ger des Ange­klag­ten erklär­te, sei damit kei­nes­falls eine all­ge­mei­ne Kri­mi­na­li­sie­rung des Brei­ten­sports oder des kör­per­be­ton­ten Spiels in der Kreis­klas­se ver­bun­den.

Die Ver­ur­tei­lung des Ange­klag­ten zu einer Geld­stra­fe von 120 Tages­sät­zen zu je 40,00 € ist mit der ver­wor­fe­nen Revi­si­on rechts­kräf­tig gewor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 18. Juni 2020 – 36 Ns 97/​19