Das Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­buch – und sei­ne Blan­kett­straf­vor­schrif­ten

Die Blan­kett­straf­vor­schrift des § 58 Absatz 3 Num­mer 2 des Lebens­mit­tel, Bedarfs­ge­gen­stän­de- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­buchs (Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­buch – LFGB) [1] ist mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, soweit die Vor­schrift über § 58 Absatz 1 Num­mer 18 auf § 13 Absatz 1 Num­mer 1 und 2 ver­weist. § 62 Absatz 1 Num­mer 1 LFGB ist mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, soweit die Vor­schrift dazu ermäch­tigt, die Tat­be­stän­de zu bezeich­nen, die als Straf­tat nach § 58 Absatz 3 Num­mer 2 in Ver­bin­dung mit § 58 Absatz 1 Num­mer 18 und § 13 Absatz 1 Num­mer 1 und 2 zu ahn­den sind.

Das Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­buch – und sei­ne Blan­kett­straf­vor­schrif­ten

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf eine Rich­ter­vor­la­ge des Land­ge­richts Sta­de [2]. Dem dor­ti­gen Ange­klag­ten wird unter ande­rem ein Ver­stoß gegen § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB zur Last gelegt. Das Land­ge­richt hat die Haupt­ver­hand­lung aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt, ob § 58 Abs. 3 Nr. 2 sowie § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB mit Art. 103 Abs. 2, Art. 104 Abs. 1 Satz 1 und Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG unver­ein­bar und daher nich­tig sind. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­nein­te dies nun: Die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­che Rege­lung – eine Blan­kett­straf­norm mit Rück­ver­wei­sungs- und Ent­spre­chungs­klau­sel – trägt der kom­pe­tenz­si­chern­den Funk­ti­on des Bestimmt­heits­ge­bo­tes noch hin­rei­chend Rech­nung und lässt noch hin­rei­chend klar erken­nen, wel­che Ver­stö­ße gegen uni­ons­recht­li­che Vor­schrif­ten straf­be­wehrt sind.

Die Ent­wick­lung der Straf­nor­men[↑]

Die vom Land­ge­richt zur Prü­fung gestell­ten Vor­schrif­ten der § 58 Abs. 3 Nr. 2 und § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB sind Gegen­stand des 10. Abschnit­tes des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­bu­ches, das die grund­le­gen­den Bestim­mun­gen des deut­schen Lebens­mit­tel­rechts beinhal­tet. § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ent­hält eine Straf­vor­schrift, § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB eine Ermäch­ti­gung zum Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen.

Auf Uni­ons­ebe­ne for­mu­liert die Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 28.01.2002 zur Fest­le­gung der all­ge­mei­nen Grund­sät­ze und Anfor­de­run­gen des Lebens­mit­tel­rechts, zur Errich­tung der Euro­päi­schen Behör­de für Lebens­mit­tel­si­cher­heit und zur Fest­le­gung von Ver­fah­ren zur Lebens­mit­tel­si­cher­heit [3] neben Begriffs­be­stim­mun­gen (Art. 2 und 3) die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze des Lebens­mit­tel­rechts (Art. 5 bis 8). Dane­ben bestimmt sie die all­ge­mei­nen Ver­pflich­tun­gen für den Lebens­mit­tel­han­del (Art. 11 ff.) sowie die all­ge­mei­nen Anfor­de­run­gen des Lebens­mit­tel­rechts (Art. 14 ff.), wozu ins­be­son­de­re die in Art. 14 fest­ge­leg­ten Anfor­de­run­gen an die Lebens­mit­tel­si­cher­heit gehö­ren.

Abs. 2 UAbs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten zur Durch­set­zung und Über­wa­chung der Ein­hal­tung des Lebens­mit­tel­rechts. Dazu müs­sen sie nicht nur ein Sys­tem amt­li­cher Kon­trol­len betrei­ben und ande­re den Umstän­den ange­mes­se­ne Maß­nah­men durch­füh­ren, son­dern gemäß UAbs. 3 Satz 1 auch Vor­schrif­ten für Maß­nah­men und Sank­tio­nen bei Ver­stö­ßen gegen das Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­recht fest­le­gen. Die­se Maß­nah­men und Sank­tio­nen müs­sen gemäß Art. 17 Abs. 2 UAbs. 3 Satz 2 wirk­sam, ver­hält­nis­mä­ßig und abschre­ckend sein.

Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 852/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 29.04.2004 über Lebens­mit­tel­hy­gie­ne [4] legt all­ge­mei­ne Hygie­ne­vor­schrif­ten für Lebens­mit­tel fest, die Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 29.04.2004 spe­zi­fi­sche Hygie­ne­vor­schrif­ten für Lebens­mit­tel tie­ri­schen Ursprungs [5]. Letz­te­re baut auf der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 und der Ver­ord­nung (EG) Nr. 852/​2004 auf, soll aber dar­über hin­aus den beson­de­ren Gefah­ren für die mensch­li­che Gesund­heit, die von Lebens­mit­teln tie­ri­schen Ursprungs aus­ge­hen, Rech­nung tra­gen [6]. In Art. 3 bis 6 sta­tu­iert sie eine Rei­he spe­zi­fi­scher Ver­pflich­tun­gen des Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mers. Anla­ge III der Ver­ord­nung ent­hält eine Viel­zahl detail­lier­ter, auch für das hie­si­ge Ver­fah­ren rele­van­ter Vor­ga­ben ins­be­son­de­re zur Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen. Die Ein­hal­tung die­ser Vor­ga­ben ist für Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer gemäß Art. 3 Abs. 1 der Ver­ord­nung ver­bind­lich.

Die Ver­ord­nung zur Durch­set­zung lebens­mit­tel­recht­li­cher Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Gemein­schaft – Lebens­mit­tel­recht­li­che Straf- und Buß­geld­ver­ord­nung (LMRStV) vom 19.09.2006 [7] beruht auf der in § 62 LFGB ent­hal­te­nen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung. Sie ent­hält eine Rei­he von Bestim­mun­gen („Schar­ni­er­nor­men“) [8], die die in euro­päi­schen Ver­ord­nun­gen ent­hal­te­nen Ver­hal­tens­ge­bo­te oder Ver­bo­te mit den Straf­vor­schrif­ten des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­bu­ches ver­knüp­fen.

Durch Art. 1 Nr. 33 des Geset­zes zur Ände­rung des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­bu­ches sowie ande­rer Vor­schrif­ten vom 29.06.2009 [9] wur­de Absatz 2 der Vor­schrift dahin­ge­hend ange­passt, dass die Wör­ter „geän­dert durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 1642/​2003 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 22.07.2003 [10]“ durch die Wör­ter „zuletzt geän­dert durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 575/​2006 der Kom­mis­si­on vom 07.04.2006 [11]“ ersetzt wur­den.

Durch Art. 1 Nr. 1 der Ers­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­bu­ches vom 03.08.2009 [12] wur­den in Absatz 2 die Wör­ter „[13], zuletzt geän­dert durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 575/​2006 der Kom­mis­si­on vom 07.04.2006 [11]“ durch die Wör­ter „[14], die zuletzt durch die Ver­ord­nung (EG) Nr.202/2008 [15] geän­dert wor­den ist“ ersetzt.

In der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 24.07.2009 [16] sind die für die Begrif­fe „Absatz“ und „Num­mer“ ver­wen­de­ten Abkür­zun­gen durch Aus­schrei­bun­gen ersetzt wor­den. § 4 Abs. 3 LFGB ent­hält eine Legal­de­fi­ni­ti­on des Begriffs Bun­des­mi­nis­te­ri­um; danach ist das (heu­ti­ge) Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft das Bun­des­mi­nis­te­ri­um in die­sem Sin­ne.

Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 ver­pflich­tet Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer unter ande­rem, sicher­zu­stel­len, dass für die Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen kei­ne Knor­pel des Kehl­kopfs, der Luft­röh­re und der extralo­bu­lä­ren Bron­chi­en ver­wen­det wer­den.

§ 1 Abs. 1 Nr. 1 LFGB bestimm­te als Zweck­set­zung des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­bu­ches die Sicher­stel­lung des Schut­zes der Ver­brau­cher durch Vor­beu­gung gegen eine oder Abwehr einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit, § 1 Abs. 2 LFGB die Umset­zung und Durch­füh­rung von Uni­ons­recht.

Die redak­tio­nell umge­stal­te­te Fol­ge­fas­sung des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB [17] nahm für die maß­geb­li­chen Zwe­cke – inso­weit unver­än­dert – auf § 1 Abs. 1 Nr. 1 LFGB Bezug sowie auf § 1 Abs. 3 LFGB, der dem frü­he­ren § 1 Abs. 2 LFGB ent­sprach.

§ 7 LMRStV ent­hielt in der Ursprungs­fas­sung eine Rege­lung, wonach sich Ver­wei­sun­gen in der Ver­ord­nung auf Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Gemein­schaft auf die in der Anla­ge der Ver­ord­nung ange­ge­be­ne Fas­sung bezie­hen. Durch Art. 1 Nr. 4 der Ers­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung der Lebens­mit­tel­recht­li­chen Straf- und Buß­geld­ver­ord­nung vom 09.01.2008 [18] wur­de die bis dato in § 7 LMRStV ent­hal­te­ne Rege­lung mit Wir­kung vom 22.01.2008 bis zum 25.06.2010 in § 8 LMRStV über­führt.

Im Zeit­raum vom 31.05.2008 bis zum 27.02.2009 [19] ver­wies die Anla­ge zu § 8 LMRStV unter Nr. 3 auf die Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 29.04.2004 mit spe­zi­fi­schen Hygie­ne­vor­schrif­ten für Lebens­mit­tel tie­ri­schen Ursprungs [5], zuletzt geän­dert durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 1243/​2007 der Kom­mis­si­on vom 24.10.2007 [20]. Im Zeit­raum vom 28.02.2009 bis zum 25.06.2010 [21] ver­wies die Anla­ge unter Nr. 3 auf die­se Ver­ord­nung in der zuletzt durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 1020/​2008 der Kom­mis­si­on vom 17.10.2008 [22] geän­der­ten Fas­sung.

Das Aus­gangs­ver­fah­ren vor dem LG Sta­de[↑]

Dem Ange­klag­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens wird unter ande­rem ein Ver­stoß gegen § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB zur Last gelegt. Auf­grund der am 19.12 2016 sowie am 9. und 16.01.2017 durch­ge­führ­ten Haupt­ver­hand­lung gelang­te das Land­ge­richt zu fol­gen­den Fest­stel­lun­gen und Wür­di­gun­gen:

Der Ange­klag­te war allei­ni­ger Geschäfts­füh­rer der V. GmbH. Die­se besaß für ihre Betriebs­stät­te in C. eine Zulas­sung als Zer­le­ge- und Ver­ar­bei­tungs­be­trieb nach dem Fleisch­hy­gie­ne­ge­setz und der Fleisch­hy­gie­ne-Ver­ord­nung. Im Zeit­raum zwi­schen dem 23.12 2008 und dem 2.02.2010 lie­fer­te die V. GmbH eine aus Schwei­ne­fleisch bestehen­de Fleisch­mas­se an die P. GmbH. Bei den Lie­fe­run­gen im Jahr 2008 war die Fleisch­mas­se als „Baa­der­fleisch“, bei den spä­te­ren Lie­fe­run­gen als „Ver­ar­bei­tungs­fleisch gewolft“ bezeich­net. Das für die Fleisch­mas­se ver­wen­de­te Fleisch stamm­te jeweils von Schwei­nekehl­köp­fen. Das den Schwei­nekehl­köp­fen anhaf­ten­de Fleisch wur­de bei der V. GmbH mit einem Hoch­druck­se­pa­ra­tor maschi­nell abge­trennt. Bei die­sem Vor­gang ent­stand zwar eine Fleisch­mas­se, die in ihrem äuße­ren Erschei­nungs­bild einer sol­chen glich, die zuläs­si­ger­wei­se für die Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen Ver­wen­dung fin­det. Sie ent­hielt jedoch Knor­pel­par­ti­kel vom Kehl­kopf und der Luft­röh­re. Eine knor­pel­freie Fleisch­mas­se konn­te mit der gewähl­ten Druck­ein­stel­lung nicht her­ge­stellt wer­den. Das Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren für die Fleisch­mas­se lief wäh­rend des gesam­ten Tat­zeit­raums stets gleich­för­mig ab.

Der Ange­klag­te wuss­te auf­grund sei­ner Ein­bin­dung in die Test­läu­fe für das Fer­ti­gungs­ver­fah­ren der Fleisch­mas­se und anhand der ihm ver­füg­ba­ren Infor­ma­tio­nen über das Zustan­de­kom­men des inter­nen Regel­wer­kes, dass mit dem vor­ge­se­he­nen Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren ein knor­pel, drü­sen- und schleim­haut­frei­es Pro­dukt nicht zu erzie­len war. Gleich­wohl ließ er die Pro­duk­ti­on auf­neh­men und nahm dabei bil­li­gend in Kauf, dass der Tat­be­stand des Nicht­si­cher­stel­lens des Nicht­ver­wen­dens von Knor­pel des Kehl­kop­fes und der Luft­röh­re ein­trat. In der Zeit zwi­schen dem 19.12 2008 und dem 3.02.2010 kam es im Ein­zel­nen sodann zu min­des­tens 266 Lie­fe­run­gen des von den Kehl­köp­fen abge­trenn­ten Flei­sches unter der Bezeich­nung „S. Baa­der­fleisch“ bezie­hungs­wei­se „Ver­ar­bei­tungs­fleisch gewolft“ durch die V. GmbH an die P. GmbH.

Der Ange­klag­te sei als Geschäfts­füh­rer der V. GmbH Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer im Sin­ne der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004. Dies erge­be sich aus dem in Art. 2 Nr. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 ent­hal­te­nen Ver­weis auf die Begriffs­be­stim­mun­gen des Art. 3 Nr. 3 und 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 und der dort in Art. 2 ent­hal­te­nen Defi­ni­ti­on des Begriffs der Lebens­mit­tel. Die Fleisch­mas­se sei als Ver­ar­bei­tungs­pro­dukt aus dem Roh­ma­te­ri­al Schwei­ne­fleisch dazu bestimmt gewe­sen, in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie zu von Men­schen zu ver­zeh­ren­den Spei­sen wei­ter­ver­ar­bei­tet zu wer­den. Dies erge­be sich aus der Bezeich­nung „Ver­ar­bei­tungs­fleisch“ bezie­hungs­wei­se „Baderfleisch“. Da die Fleisch­mas­se im Geschäfts­be­trieb der V. GmbH ver­ar­bei­tet und unter ihrer Fir­ma ver­kauft wor­den sei, sei die­se ver­ant­wort­li­ches Lebens­mit­tel­un­ter­neh­men. Da die V. GmbH als juris­ti­sche Per­son nach § 13 GmbHG für die Ein­hal­tung der lebens­mit­tel­recht­li­chen Bestim­mun­gen ver­ant­wort­lich gewe­sen sei, sei sie Lebens­mit­tel­un­ter­neh­me­rin. Die­ses beson­de­re per­sön­li­che Merk­mal sei dem Ange­klag­ten als allei­ni­gem Geschäfts­füh­rer und damit als nach § 35 Abs. 1 Satz 1 GmbHG ver­tre­tungs­be­rech­tig­tem Organ gemäß § 14 Abs. 1 Nr. 1 StGB zuzu­rech­nen. Der Ange­klag­te habe ent­ge­gen § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB in Ver­bin­dung mit Anhang III Abschnitt VI Nr. 1 Buch­sta­be c der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 sowie § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV nicht sicher­ge­stellt, dass Knor­pel des Kehl­kop­fes und der Luft­röh­re bei der Her­stel­lung der Fleisch­mas­se nicht ver­wen­det wur­den, obwohl dies in sei­nen Ver­ant­wor­tungs­be­reich gefal­len sei.

Mit im Fort­set­zungs­ter­min vom 16.01.2017 ver­kün­de­tem und als Anla­ge zu Pro­to­koll genom­me­nem Beschluss hat das Land­ge­richt in der Beset­zung mit drei Berufs­rich­tern und zwei Schöf­fen die Haupt­ver­hand­lung aus­ge­setzt und beschlos­sen, dass dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt wer­de, ob § 58 Abs. 3 Nr. 2 sowie § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB mit Art. 103 Abs. 2, Art. 104 Abs. 1 Satz 1 und Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG unver­ein­bar und daher nich­tig sind.

Die Kam­mer sei davon über­zeugt, dass der Ange­klag­te als Geschäfts­füh­rer der V. GmbH dafür ver­ant­wort­lich sei, dass im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum eine aus Schwei­nekehl­köp­fen gewon­ne­ne Fleisch­mas­se unter der Bezeich­nung „Baa­der­fleisch“ bezie­hungs­wei­se „Ver­ar­bei­tungs­fleisch gewolft“ an die P. GmbH ver­kauft und gelie­fert wor­den sei, obwohl die Fleisch­mas­se Luft­röh­ren­knor­pel sowie Drü­sen und Schleim­haut ent­hal­ten habe. Dies habe der Ange­klag­te für mög­lich gehal­ten und dabei bil­li­gend in Kauf genom­men, dass mit dem Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren eine knor­pel­freie Fleisch­mas­se nicht habe her­ge­stellt wer­den kön­nen. Daher habe sich der Ange­klag­te gemäß § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB in Ver­bin­dung mit Abschnitt VI Nr. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 sowie § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV straf­bar gemacht. Zur Über­zeu­gung der Kam­mer stün­den § 58 Abs. 3 Nr. 2 sowie § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB aller­dings mit dem Grund­ge­setz nicht im Ein­klang und sei­en daher nich­tig. Die Kam­mer wer­de ihre recht­li­che Bewer­tung im Ein­zel­nen in einem wei­te­ren Beschluss dar­le­gen.

Mit Beschluss vom 15.03.2017 hat das Land­ge­richt außer­halb der Haupt­ver­hand­lung in der Beset­zung mit drei Berufs­rich­tern ent­schie­den, dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­zu­le­gen, ob § 58 Abs. 3 Nr. 2 sowie § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB mit Art. 103 Abs. 2, Art. 104 Abs. 1 Satz 1 und Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG unver­ein­bar und daher nich­tig sind.

Zur Begrün­dung führt es aus, die Fra­ge, ob § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ver­fas­sungs­wid­rig und damit nich­tig sei, sei ent­schei­dungs­er­heb­lich. Nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen müs­se das Land­ge­richt im Fal­le der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der zur Prü­fung gestell­ten Norm den Ange­klag­ten des Nicht­si­cher­stel­lens des Nicht­ver­wen­dens von Knor­pel des Kehl­kop­fes und der Luft­röh­re bei der Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen nach § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB in Ver­bin­dung mit Abschnitt VI Nr. 1 Buch­sta­be c der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 sowie § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV schul­dig spre­chen und die Tat ent­spre­chend § 260 Abs. 4 Satz 1 StPO in der Urteils­for­mel bezeich­nen. Im Fal­le der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit kom­me ein auf § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB gestütz­ter Schuld­spruch hin­ge­gen nicht in Betracht, so dass die Urteils­for­mel – unge­ach­tet der Fra­ge, ob der Ange­klag­te noch wei­te­re Straf­tat­be­stän­de ver­wirk­licht habe – einen ande­ren Inhalt auf­wie­se.

§ 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB genü­ge den Vor­ga­ben des Art. 103 Abs. 2 GG nicht. Straf­be­grün­den­des Merk­mal nach § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB sei allein die Zuwi­der­hand­lung gegen eine unmit­tel­bar gel­ten­de Vor­schrift in Rechts­ak­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaft bezie­hungs­wei­se Uni­on, wor­aus sich der Cha­rak­ter als Blan­kett­straf­ge­setz erge­be. Näher ein­ge­grenzt wer­de dies aus­schließ­lich dahin­ge­hend, dass die Vor­schrift, gegen wel­che zuwi­der­ge­han­delt wer­de, inhalt­lich einer Rege­lung ent­spre­chen müs­se, zu der die in Absatz 1 Num­mer 18 genann­ten Vor­schrif­ten ermäch­tig­ten, soweit die Zuwi­der­hand­lung durch eine Rechts­ver­ord­nung nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB für straf­bar erklärt wer­de. Die Kon­kre­ti­sie­rung durch die Ent­spre­chungs­klau­sel genü­ge nicht, um den Normadres­sa­ten in die Lage zu ver­set­zen, anhand des Geset­zes selbst zu erse­hen, wel­che Zuwi­der­hand­lun­gen im Ein­zel­nen straf­be­wehrt sei­en. Die Ent­spre­chungs­klau­sel blei­be unklar, da das Gesetz kei­ner­lei Anhalts­punkt benen­ne, anhand wel­cher Kri­te­ri­en zu beur­tei­len sei, ob die frag­li­che Vor­schrift inhalt­lich einer Rege­lung glei­che, zu der die in Absatz 1 Num­mer 18 genann­ten Vor­schrif­ten ermäch­tig­ten. Der wesent­li­che Akt der Bewer­tung blei­be allein dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­las­sen. Dabei fal­le noch beson­ders ins Gewicht, dass sich die Ent­spre­chung nicht auf ein förm­li­ches Gesetz, son­dern auf Nor­men bezie­he, die im Wege der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung zustan­de gekom­men sei­en, womit sich die inhalt­li­che Vor­ga­be der Straf­dro­hung noch wei­ter von der eige­nen gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung ent­fer­ne. § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB über­las­se es damit allein der Exe­ku­ti­ve, soweit dies zur Durch­set­zung der Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Gemein­schaft erfor­der­lich sei, durch Rechts­ver­ord­nung nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB die­je­ni­gen Tat­be­stän­de zu bezeich­nen, die als Straf­tat nach § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB zu ahn­den sei­en. Die­se Rege­lung glei­che trotz der Ent­spre­chungs­klau­sel im Ergeb­nis der­je­ni­gen in § 10 Abs. 1 und 3 RiF­lE­ti­kettG, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Beschluss vom 21.09.2016 – 2 BvL 1/​15 – als unzu­läs­si­ge Blan­ko­er­mäch­ti­gung zur Umset­zung von Art. 22 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1760/​2000 durch eine natio­na­le Rechts­ver­ord­nung ange­se­hen habe. Auch im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ent­schei­de letzt­lich allein der natio­na­le Ver­ord­nungs­ge­ber über die Straf­bar­keit. Ein aus­rei­chend inhalt­lich bestimm­ter Straf­tat­be­stand lie­ge im Fal­le des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB im Ergeb­nis nicht vor.

§ 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB genü­ge den Anfor­de­run­gen des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG an eine hin­rei­chen­de gesetz­li­che Bestimmt­heit von Inhalt, Zweck und Aus­maß der Ermäch­ti­gung zum Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen nicht. § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB rege­le, dass im Wege der Rechts­ver­ord­nung die Tat­be­stän­de bezeich­net wer­den könn­ten, die als Straf­tat nach § 58 Abs. 3 Nr. 2 oder § 59 Abs. 3 Nr. 1 oder 2 Buch­sta­be a LFGB zu ahn­den sei­en. Näher ein­ge­grenzt wer­de dies ledig­lich dahin­ge­hend, dass die­se Bezeich­nung zur Durch­set­zung der Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Gemein­schaft oder der Euro­päi­schen Uni­on erfor­der­lich sein müs­se. Eine nähe­re Umgren­zung, um wel­che Rechts­ak­te es sich hier­bei han­deln sol­le oder wel­chem Norm­be­stand die­se ent­nom­men wer­den könn­ten, fin­de sich nicht. Auch aus der Zusam­men­schau mit § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB erge­be sich nicht, wel­che Tat­be­stän­de letzt­lich unter Stra­fe gestellt wer­den sol­len. § 58 Abs. 3 LFGB ent­hal­te allein Art und Aus­maß einer Stra­fe, indem der von § 58 Abs. 1 LFGB benann­te Straf­rah­men – Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe – auf die von § 58 Abs. 3 LFGB erfass­ten Tat­be­stän­de erstreckt wer­de, soweit in einer Ver­ord­nung mit Ver­weis auf die­se Vor­schrift die Ver­let­zung eines bestimm­ten Tat­be­stan­des unter Stra­fe gestellt sei. Eine eige­ne gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung dazu, wel­che Tat­be­stän­de straf­be­wehrt sein soll­ten, las­se § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB damit nicht erken­nen. Es han­de­le sich letzt­lich – wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dies mit Beschluss vom 21.09.2016 im Ver­fah­ren 2 BvL 1/​15 im Fal­le von § 10 Abs. 1 und 3 RiF­lE­ti­kettG ent­schie­den habe – um eine unzu­läs­si­ge pau­scha­le Blan­ko­er­mäch­ti­gung zur Schaf­fung von Straf­tat­be­stän­den bei Ver­stö­ßen gegen gemein­schafts­recht­li­che Rege­lun­gen im Bereich der Hygie­ne bei Lebens­mit­teln tie­ri­schen Ursprungs durch den Ver­ord­nungs­ge­ber. Auch anhand des Gesamt­zu­sam­men­han­ges der gesetz­li­chen Rege­lung des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­bu­ches las­se sich nicht erse­hen, auf wel­che lebens­mit­tel­recht­li­chen Rege­lun­gen sich die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung für die Straf­bar­keits­er­klä­rung bezie­hen sol­le. Der in § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ent­hal­te­nen Ent­spre­chungs­klau­sel kom­me eine ein­gren­zen­de Wir­kung aus den vor­ste­hend genann­ten Grün­den nicht zu. Allei­ni­ge Bedin­gung für die Straf­bar­keit blei­be letzt­lich die Ent­schei­dung des Ver­ord­nungs­ge­bers über die Straf­bar­keits­be­stim­mung. Die­sem blei­be es gänz­lich frei­ge­stellt, wel­che Ver­stö­ße gegen das in Bezug genom­me­ne Gemein­schafts­recht er als straf­wür­dig anse­he. Dem Normadres­sa­ten sei es nicht mög­lich, anhand der genann­ten Bestim­mun­gen zu erse­hen, wel­che Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Uni­on straf­be­wehrt sei­en. Den Anfor­de­run­gen des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG an eine nach Inhalt, Zweck und Aus­maß hin­rei­chend bestimm­te Ermäch­ti­gung des Ver­ord­nungs­ge­bers wer­de daher nicht genügt.

Stel­lung­nah­men zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit[↑]

Von der gemäß § 82 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 77 Nr. 1 BVerfGG gewähr­ten Mög­lich­keit zur Stel­lung­nah­me hat namens der Bun­des­re­gie­rung das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft Gebrauch gemacht. Die Vor­la­ge habe kei­ne Aus­sicht auf Erfolg. Sie sei unzu­läs­sig, jeden­falls aber unbe­grün­det.

Es sei frag­lich, ob das vor­le­gen­de Gericht sich hin­rei­chend mit den zur Prü­fung gestell­ten Nor­men und ins­be­son­de­re mit Inhalt, Funk­ti­on und den Aus­wir­kun­gen der Ent­spre­chungs­klau­sel befasst habe. Ins­ge­samt erken­ne und erör­te­re das Land­ge­richt die kei­nes­wegs uner­heb­li­chen inhalt­li­chen Unter­schie­de zwi­schen der Bestim­mung des § 10 Abs. 1 und 3 RiF­lE­ti­kettG und der der § 58 Abs. 3 Nr. 2, § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB nicht.

Die vor­ge­leg­ten Rege­lun­gen sei­en mit der Ver­fas­sung, ins­be­son­de­re mit Art. 103 Abs. 2, Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG sowie mit Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG ver­ein­bar. Mit der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu § 10 Abs. 1 und 3 RiF­lE­ti­kettG sei ledig­lich klar­ge­stellt, dass eine Rück­ver­wei­sungs­klau­sel als allei­ni­ger Bestimmt­heits­fak­tor unzu­rei­chend sei und Unzu­läng­lich­kei­ten hin­sicht­lich der Bestimmt­heit der gesetz­li­chen Rege­lun­gen nicht kom­pen­sie­ren kön­ne. Wegen der in § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ent­hal­te­nen Ent­spre­chungs­klau­sel sei die­se Vor­schrift anders als § 10 Abs. 1 und 3 RiF­lE­ti­kettG hin­rei­chend bestimmt. Die Ent­spre­chungs­klau­sel die­ne als Instru­ment für den Ver­ord­nungs­ge­ber, um die ein­schlä­gi­gen Uni­ons­vor­schrif­ten zu fin­den. Der vom Land­ge­richt pro­ble­ma­ti­sier­te, dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­las­se­ne wesent­li­che Akt der Bewer­tung erschöp­fe sich dar­in, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber schlicht nur die­je­ni­gen Uni­ons­vor­schrif­ten als Straf­tat­be­stand auf­neh­men dür­fe, die nach den in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB genann­ten Ermäch­ti­gun­gen im natio­na­len Recht hät­ten erlas­sen wer­den dür­fen. Nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a in Ver­bin­dung mit § 1 Abs. 1 Nr. 1 LFGB sei das Bun­des­mi­nis­te­ri­um ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung zu ver­bie­ten, dass bei der Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen bestimm­te Stof­fe ver­wen­det wer­den, soweit dies zum Schutz vor einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit erfor­der­lich sei. In § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a LFGB wer­de das zu sank­tio­nie­ren­de Ver­hal­ten beschrie­ben, in § 1 Abs. 1 Nr. 1 LFGB der mit der Sank­tio­nie­rung zu ver­fol­gen­de Zweck. An der hin­rei­chen­den Bestimmt­heit der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge des § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a LFGB und somit der Ver­ein­bar­keit die­ser Norm mit Art. 103 Abs. 2 GG bestün­den kei­ne Zwei­fel. § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV sei recht­mä­ßig auf­grund von § 62 Abs. 1 Nr. 1 in Ver­bin­dung mit § 58 Abs. 3 Nr. 2, Abs. 1 Nr. 18 in Ver­bin­dung mit § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a LFGB erlas­sen wor­den. Art. 3 Abs. 1 Nr. 2 in Ver­bin­dung mit Anhang III Abschnitt VI Nr. 1 Buch­sta­be c der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 hät­te nach der deut­schen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung in § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a LFGB erlas­sen wer­den dür­fen. Die Normadres­sa­ten sei­en auf­grund ihres Fach­wis­sens eben­falls in der Lage zu erken­nen, wel­che Uni­ons­rechts­ak­te von der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung erfasst sei­en.

§ 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB sei mit Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG ver­ein­bar. Ähn­lich wie im Fal­le von § 10 Abs. 3 RiF­lE­ti­kettG sei­en die ein­schlä­gi­gen Nor­men grund­sätz­lich Rechts­ak­ten des Uni­ons­rechts zu ent­neh­men. Anders als in § 10 Abs. 3 RiF­lE­ti­kettG sei­en jedoch die Gren­zen der Ermäch­ti­gung genau bestimmt. Denn in Zusam­men­schau mit der Ent­spre­chungs­klau­sel in § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB und der in Bezug genom­me­nen Ermäch­ti­gun­gen aus § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB ergä­ben sich Inhalt, Zweck und Aus­maß der Ermäch­ti­gung unmit­tel­bar aus dem Gesetz.

Die Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts­ho­fes hat gemäß § 82 Abs. 4 Satz 1 BVerfGG eben­falls Gele­gen­heit zur Äuße­rung gehabt und Stel­lung­nah­men der Vor­sit­zen­den des 2. und 3. Straf­se­nats über­sandt. Der Vor­sit­zen­de des 2. Straf­se­nats hat zur Fra­ge der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Vor­la­ge­fra­ge auf den Beschluss des 3. Straf­se­nats vom 30.06.2015 – 3 StR 9/​15, zur Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von Blan­kett­straf­ge­set­zen auf die Urtei­le des 2. Straf­se­nats vom 18.09.2013 – 2 StR 365/​12 – sowie vom 23.12 2015 – 2 StR 525/​13 – ver­wie­sen. Der Vor­sit­zen­de des 3. Straf­se­nats hat eben­falls auf den Beschluss des 3. Straf­se­nats vom 30.06.2015 – 3 StR 9/​15 – ver­wie­sen.

Von der gemäß § 27a BVerfGG gewähr­ten Mög­lich­keit zur Stel­lung­nah­me haben der Gene­ral­bun­des­an­walt, die Bun­des­rechts­an­walts­kam­mer sowie der Deut­sche Anwalt­ver­ein Gebrauch gemacht.

Der Gene­ral­bun­des­an­walt hält die Vor­la­ge bereits für unzu­läs­sig, jeden­falls aber für unbe­grün­det.

Das Land­ge­richt habe sich für die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit nicht mit der Fra­ge aus­ein­an­der­ge­setzt, ob die Vor­schrift des § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV ihrer­seits wirk­sam erlas­sen wor­den sei. Es sei nicht klar, dass das Ver­bot der Ver­wen­dung von Knor­pel einen Bezug zum in § 1 Abs. 1 Nr. 1 LFGB als Zweck­vor­ga­be ent­hal­te­nen Gesund­heits­schutz habe. Auch habe das Land­ge­richt Wort­laut und Struk­tur des kon­kre­ten Tat­be­stan­des des § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV und erfor­der­li­chen­falls die Mög­lich­keit einer gel­tungs­er­hal­ten­den Reduk­ti­on nicht hin­rei­chend in den Blick genom­men.

Die Vor­schrif­ten der § 58 Abs. 3 Nr. 2 und § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB sei­en mit den Vor­ga­ben der Art. 103 Abs. 2 und Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG ver­ein­bar. Die hier zur Prü­fung gestell­ten Nor­men unter­schie­den sich von den für ver­fas­sungs­wid­rig erklär­ten Bestim­mun­gen des Rind­flei­sche­ti­ket­tie­rungs­ge­set­zes in einem wesent­li­chen Punkt, näm­lich der Ent­spre­chungs­klau­sel. Zwar ver­mö­ge die Bezug­nah­me auf den Rege­lungs­be­reich der in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB ent­hal­te­nen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen die von der Straf­dro­hung erfass­ten Ver­hal­tens­wei­sen nicht ent­schei­dend ein­zu­gren­zen, weil sich die dem Ver­ord­nungs­ge­ber ein­ge­räum­te Rege­lungs­er­mäch­ti­gung auf eine unüber­seh­ba­re Viel­falt mög­li­chen Ver­hal­tens im Umgang mit den vom Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­buch erfass­ten Erzeug­nis­sen erstre­cke. Jedoch las­se sich die erfor­der­li­che Ent­schei­dung dar­über, wel­ches Ver­hal­ten als Straf­tat geahn­det wer­den sol­le, dem Rück­be­zug auf den Zweck der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung ent­neh­men; die­ser sei gerich­tet auf die Sicher­stel­lung des Schut­zes der Ver­brau­cher durch Vor­beu­gung gegen eine oder Abwehr einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit. Dem Ver­ord­nungs­ge­ber wer­de ledig­lich eine Fil­ter­funk­ti­on dahin­ge­hend über­tra­gen, die vom Schutz­zweck­zu­sam­men­hang erfass­ten Pflich­ten des euro­päi­schen Sekun­där­rechts zu iden­ti­fi­zie­ren und sich des­sen eher tech­nisch aus­ge­rich­te­te Rege­lun­gen zur Aus­fül­lung des grund­sätz­li­chen Norm­ver­bo­tes – näm­lich bei der Her­stel­lung, der Behand­lung und dem Inver­kehr­brin­gen von Erzeug­nis­sen die Gesund­heit der Ver­brau­cher nicht zu gefähr­den – zu eigen zu machen. Die Auf­ga­be des Ver­ord­nungs­ge­bers beschrän­ke sich auf eine Spe­zi­fi­zie­rung des­sen, was im Gesetz im Wesent­li­chen ent­schie­den sei. Für den Normadres­sa­ten erge­be sich eine Prä­zi­sie­rung, weil aus der unüber­seh­ba­ren Men­ge an mög­li­cher­wei­se gesund­heits­re­le­van­ten Rege­lun­gen die­je­ni­gen, die nicht in einer ent­spre­chen­den Rechts­ver­ord­nung bezeich­net sei­en, als Anknüp­fungs­punkt für eine Straf­bar­keit von vorn­her­ein aus­schie­den. Die Wer­tung, der Exe­ku­ti­ve wer­de ein der­art gro­ßer Gestal­tungs­spiel­raum ein­ge­räumt, dass es ihr vor­be­hal­ten blei­be, eigen­mäch­tig zu beur­tei­len, wel­che uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten einem natio­na­len Ge- oder Ver­bot ent­spre­chen, und somit über das Ob der Straf­bar­keit zu ent­schei­den, kön­ne weder im Aus­gangs­punkt noch im Ergeb­nis über­zeu­gen. Auch im Übri­gen bestün­den kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Für die in Betracht kom­men­den Adres­sa­ten der Norm, näm­lich Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer, sei die Straf­bar­keit in hin­rei­chen­der Wei­se erkenn­bar. Von einem Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer kön­ne erwar­tet wer­den, dass ihm nicht nur die rele­van­ten Lebens­mit­tel­hy­gie­ne­vor­schrif­ten bekannt sei­en, son­dern auch der Umstand, dass die­se über­wie­gend im euro­päi­schen Sekun­där­recht gere­gelt sei­en. Von ihm kön­ne wei­ter erwar­tet wer­den, den in § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ent­hal­te­nen Ver­wei­sungs­ket­ten – erfor­der­li­chen­falls nach Bera­tung – zu fol­gen und deren Sinn­ge­halt zu erfas­sen.

Auch die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB sehe sich kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken aus­ge­setzt, da durch die über die Ver­wei­sung sicher­ge­stell­te Anbin­dung an die Erfor­der­lich­keit zum Schutz der Ver­brau­cher vor Gesund­heits­ge­fah­ren die gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung zu Inhalt und Pro­gramm der Ermäch­ti­gun­gen zum Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen aus­rei­chend erkenn­bar sei und daher den Vor­ga­ben des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG genü­ge.

Die Bun­des­rechts­an­walts­kam­mer hält die zur Prü­fung gestell­ten Vor­schrif­ten für ver­fas­sungs­wid­rig. Die in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB ent­hal­te­nen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen hät­ten höchst unter­schied­li­che Rege­lungs­zwe­cke und Schutz­zie­le und beträ­fen teil­wei­se völ­lig unter­schied­li­che Rege­lungs­ma­te­ri­en. Teil­wei­se spie­gel­ten die genann­ten Vor­schrif­ten „in sich eigen­stän­dig“ das Erfor­der­nis einer wei­te­ren Ent­spre­chung. Dies füh­re zu einer nicht über­schau­ba­ren Zahl sich angeb­lich ent­spre­chen­der Sach­ver­hal­te, die jedoch nicht iden­ti­fi­zier­bar sei­en. Im Hin­blick auf Vor­schrif­ten, die ihrer­seits eine Ent­spre­chung vor­aus­setz­ten, sei der Tat­be­stand des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB kon­tur- und inhalts­los. Auch im Übri­gen sei der Inhalt des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB nicht klar. § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB gewähr­leis­te auch nicht die abs­trak­te Erkenn­bar­keit der Straf­bar­keit, weil die Ent­spre­chungs­for­meln nicht nur nicht geeig­net sei­en, das Bestimmt­heits­ge­bot zu beach­ten, son­dern die­sem sogar ent­ge­gen­stün­den.

Der Anwen­dungs­zu­sam­men­hang des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB poten­zie­re die ver­fas­sungs­recht­li­chen Pro­ble­me. Die Vor­schrif­ten ver­stie­ßen auch gegen Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG. Die Anwend­bar­keit des Geset­zes hän­ge davon ab, ob der Ver­ord­nungs­ge­ber von sei­ner Ermäch­ti­gung Gebrauch gemacht habe. Auch im Hin­blick auf Inhalt, Zweck und Aus­maß der Ermäch­ti­gung genüg­ten die Vor­schrif­ten den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht.

Der Deut­sche Anwalt­ver­ein hält § 58 Abs. 3 Nr. 2 und § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB eben­falls für mit Art. 103 Abs. 2, Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG und Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG unver­ein­bar und nich­tig. Weder dem Lai­en noch dem Rechts­an­wen­der sei es auf­grund der kas­ka­den­ar­ti­gen Aus­ge­stal­tung der Norm und ihrer Ver­wei­se mög­lich, die nor­ma­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen der Straf­bar­keit hin­rei­chend klar und ver­ständ­lich zu erfas­sen. Die mög­li­chen Fäl­le der Straf­bar­keit lie­ßen sich nicht schon auf­grund des Par­la­ments­ge­set­zes, son­dern erst auf­grund eines Ver­gleichs zwi­schen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 und den in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB genann­ten Ermäch­ti­gungs­grund­la­gen sowie auf­grund der lebens­mit­tel­recht­li­chen Straf- und Buß­geld­ver­ord­nung erken­nen. Es feh­le an einem gesetz­lich gere­gel­ten Straf­tat­be­stand. Die Ent­spre­chungs­klau­sel möge zwar eine gewis­se Rich­tung, viel­leicht auch Ori­en­tie­rung und Bin­dung sowie eine gewis­se inhalt­li­che Umgren­zung vor­ge­ben, las­se aber nicht hin­rei­chend klar erken­nen, wel­che Ver­stö­ße gegen uni­ons­recht­li­che Vor­ga­ben sank­tio­niert wer­den soll­ten. § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB lege ledig­lich die Straf­dro­hung nach Art und Maß der Stra­fe fest, nicht aber das straf­be­wehr­te Ver­hal­ten. Auch die Ent­spre­chungs­klau­sel ände­re – trotz eines etwai­gen prak­ti­schen Bedürf­nis­ses an einer zügi­gen Beweh­rung des Uni­ons­rechts – nichts dar­an, dass es aber­mals zu einer klan­des­ti­nen Ver­la­ge­rung von Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis­sen kom­me. Auf­grund der Rege­lungs­tech­nik ver­fü­ge der Ver­ord­nungs­ge­ber über eine Viel­zahl von Ent­schei­dungs­mög­lich­kei­ten, er kön­ne frei wäh­len, ob er ein Ver­hal­ten straf­be­weh­re oder nicht. Auch Normadres­sa­ten mit beson­de­rem Fach­wis­sen sei­en nicht in der Lage, den Rege­lungs­ge­halt hier ein­schlä­gi­ger unbe­stimm­ter Rechts­be­grif­fe und der zahl­rei­chen Ver­wei­sun­gen des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB zu ver­ste­hen und die­sen kon­kre­te Hand­lungs­an­for­de­run­gen zu ent­neh­men.

§ 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB genü­ge den Anfor­de­run­gen des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG nicht. Nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB über­tra­ge der Gesetz­ge­ber die Ent­schei­dung, wel­che Rechts­ver­let­zung über § 58 Abs. 3 LFGB straf­be­wehrt wer­den sol­le, an die Exe­ku­ti­ve. Ein­zi­ge inhalt­li­che Vor­ga­be sei inso­weit, dass die Sank­ti­on durch Stra­fe zur Durch­set­zung der Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Uni­on erfor­der­lich sein sol­le. Weder wer­de bezeich­net, für wel­che Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts dies gel­ten sol­le, noch, wel­cher Maß­stab für die „Erfor­der­lich­keit zur Durch­set­zung“ anzu­wen­den sei. Mate­ri­ell blei­be die Ermäch­ti­gung – auch in der Zusam­men­schau mit § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB und dem Gesamt­zu­sam­men­hang des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­bu­ches – kon­tu­ren­los, da sich für die Exe­ku­ti­ve nicht erken­nen las­se, wel­che Tat­be­stän­de unter Stra­fe gestellt wer­den sol­len.

Zuläs­sig­keit der Rich­ter­vor­la­ge[↑]

Die Vor­la­ge ist zuläs­sig. Die Vor­la­ge­fra­ge bedarf nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aller­dings der Prä­zi­sie­rung:

Da das Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren nach Art. 100 Abs. 1 GG einen – wenn auch dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Ent­schei­dung zuge­wie­se­nen – Teil des ein­heit­li­chen Aus­gangs­streits dar­stellt, kön­nen grund­sätz­lich nur sol­che Rechts­vor­schrif­ten zur ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Prü­fung und Ent­schei­dung gestellt wer­den, denen im Aus­gangs­ver­fah­ren recht­li­che Bedeu­tung zukommt [23]. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kann daher eine (zu) weit gefass­te Rechts­fra­ge auf ihren ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Teil begren­zen [24].

Die ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung ist danach dar­auf zu beschrän­ken, ob § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist, soweit die Ent­spre­chungs­klau­sel von den in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB ent­hal­te­nen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen die­je­ni­ge nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB in Bezug nimmt. Das Land­ge­richt ist der Auf­fas­sung, dass der Ange­klag­te des Nicht­si­cher­stel­lens des Nicht­ver­wen­dens von Knor­pel des Kehl­kop­fes und der Luft­röh­re bei der Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen nach § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB in Ver­bin­dung mit Anhang III Abschnitt VI Nr. 1 Buch­sta­be c der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 sowie § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV schul­dig zu spre­chen wäre. Damit stellt es auf eine Zuwi­der­hand­lung gegen beson­de­re Ge- oder Ver­bo­te bei dem Her­stel­len, Behan­deln oder Inver­kehr­brin­gen von Lebens­mit­teln ab. Von den in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB ent­hal­te­nen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen, auf die sich die Ent­spre­chungs­klau­sel des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB bezieht, hat ledig­lich die­je­ni­ge des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB die­sen spe­zi­el­len Umgang mit Lebens­mit­teln zum Gegen­stand.

Soweit das Land­ge­richt fragt, ob § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar sei, ist eben­falls eine Beschrän­kung der Vor­la­ge­fra­ge vor­zu­neh­men. Denn die Vor­schrift ermäch­tigt zur Bezeich­nung sowohl der Tat­be­stän­de, die nach § 58 Abs. 3 LFGB, als auch der Tat­be­stän­de, die nach § 59 Abs. 3 Nr. 1 und 2 LFGB zu ahn­den sind. Davon zur Prü­fung gestellt hat das Land­ge­richt indes nur die Vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB, soweit die Ent­spre­chungs­klau­sel von den in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB ent­hal­te­nen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen die­je­ni­ge nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB in Bezug nimmt. Auf die Fra­ge, ob die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung auch inso­weit ver­fas­sungs­mä­ßig ist, als sie den Ver­ord­nungs­ge­ber zur Aus­fül­lung der übri­gen Vor­schrif­ten ermäch­tigt, kommt es somit nicht an.

Jeden­falls zusam­men genom­men genü­gen der Beschluss des Land­ge­richts vom 16.01.2017 und sein nach­fol­gen­der Beschluss vom 15.03.2017 den Vor­ga­ben des Art. 100 Abs. 1 GG und des § 80 Abs. 1 BVerfGG, soweit es um die rich­ti­ge Beset­zung des vor­le­gen­den Gerichts geht.

Das vor­la­ge­be­fug­te Gericht ist der Spruch­kör­per, der für die Ent­schei­dung zustän­dig ist, bei der es auf die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Geset­zes ankommt [25]. Der Vor­la­ge­be­schluss ist in der Beset­zung zu fas­sen, die für die­se Ent­schei­dung vor­ge­schrie­ben ist [26]. Gehö­ren dem Spruch­kör­per Lai­en­rich­ter an, müs­sen sie die Vor­la­ge mit beschlie­ßen [27]. Gemäß § 76 Abs. 1 Satz 1 GVG sind die (gro­ßen) Straf­kam­mern der Land­ge­rich­te mit drei Rich­tern ein­schließ­lich des Vor­sit­zen­den und zwei Schöf­fen besetzt. In die­ser Beset­zung ent­schei­det die Kam­mer – vor­be­halt­lich einer etwai­gen Beset­zungs­re­duk­ti­on nach § 76 Abs. 2 Satz 4 StPO – in der Haupt­ver­hand­lung [28]. Zu den Ent­schei­dun­gen in oder auf­grund der Haupt­ver­hand­lung gehört ins­be­son­de­re das Urteil und damit auch der Schuld­spruch [28]. Ent­schei­dun­gen außer­halb der Haupt­ver­hand­lung trifft die (gro­ße) Straf­kam­mer gemäß § 76 Abs. 1 Satz 2 GVG hin­ge­gen ohne Mit­wir­kung der Schöf­fen.

Der Beschluss vom 16.01.2017 ist durch die Kam­mer des Land­ge­richts in der Beset­zung mit drei Berufs­rich­tern und zwei Schöf­fen nach Bera­tung ver­kün­det und damit in der für den urteils­ge­gen­ständ­li­chen Schuld­spruch erfor­der­li­chen Beset­zung gefasst wor­den, wenn er auch für sich betrach­tet den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen hin­sicht­lich der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit und Über­zeu­gung des Gerichts von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit nicht genügt. Der unter dem 15.03.2017 außer­halb der Haupt­ver­hand­lung ergan­ge­ne, aus­führ­lich begrün­de­te Beschluss ist dem­ge­gen­über ledig­lich von den Berufs­rich­tern unter­zeich­net und aus­weis­lich des Über­lei­tungs­sat­zes vom Rubrum zum Tenor nur von die­sen gefasst. Die­sen Beschluss hat das Land­ge­richt somit in der für Ent­schei­dun­gen außer­halb der Haupt­ver­hand­lung gemäß § 76 Abs. 1 Satz 2 GVG aus­rei­chen­den, nicht aber in der für die Ver­ur­tei­lung im Sin­ne eines Schuld­spru­ches erfor­der­li­chen Beset­zung gefasst.

Die bei­den Beschlüs­se sind jedoch in ihrer Gesamt­heit zu betrach­ten [29]. Der unter dem 16.01.2017 ergan­ge­ne Beschluss ist als für die Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­ent­schei­dung kon­sti­tu­tiv anzu­se­hen; der nach­fol­gen­de Beschluss vom 15.03.2017 hat allein die Bedeu­tung einer – nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zuläs­si­gen [30] – Nach­ho­lung oder Ergän­zung der Begrün­dung. Er lässt sich als aus­führ­li­che Dar­stel­lung der – auch mit den Schöf­fen – bera­te­nen und bereits im Beschluss vom 16.01.2017 bekun­de­ten Auf­fas­sung ver­ste­hen, dass die vor­ge­leg­ten Nor­men ver­fas­sungs­wid­rig sei­en.

Das Land­ge­richt hat in einer den Anfor­de­run­gen des Art. 100 Abs. 1 GG und des § 80 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG noch genü­gen­den Wei­se dar­ge­legt, dass die Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von § 58 Abs. 3 Nr. 2 und § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB ent­schei­dungs­er­heb­lich ist.

Gemäß § 80 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG muss das vor­le­gen­de Gericht dar­le­gen, inwie­fern sei­ne Ent­schei­dung von der Gül­tig­keit der Rechts­vor­schrift abhängt und mit wel­cher über­ge­ord­ne­ten Rechts­norm die Vor­schrift unver­ein­bar ist. Die Begrün­dung, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­las­ten soll [31], muss daher mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit erken­nen las­sen, dass und wes­halb das vor­le­gen­de Gericht im Fal­le der Gül­tig­keit der für ver­fas­sungs­wid­rig gehal­te­nen Rechts­vor­schrift zu einem ande­ren Ergeb­nis käme als im Fal­le ihrer Ungül­tig­keit [32].

Das Land­ge­richt hat im Beschluss vom 15.03.2017 aus­ge­führt, dass es im Fal­le der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der zur Prü­fung gestell­ten Vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB den Ange­klag­ten auf­grund der getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Nicht­si­cher­stel­lens des Nicht­ver­wen­dens von Knor­pel des Kehl­kop­fes und der Luft­röh­re bei der Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen schul­dig zu spre­chen hät­te. Zur Begrün­dung hat es unter aus­führ­li­cher Dar­stel­lung des Sach­ver­halts die Vor­schrif­ten des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB, des § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV sowie die Ver­hal­tens­nor­men des Abschnitts VI Nr. 1 Buch­sta­be c des Anhangs III der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 und die Begriffs­be­stim­mun­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 her­an­ge­zo­gen und in ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se [33] ange­wandt. Für den Fall der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der in der Vor­la­ge bezeich­ne­ten Vor­schrif­ten hat das Land­ge­richt dem­ge­gen­über dar­ge­legt, dass ein Schuld­spruch im Hin­blick auf § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB nicht in Betracht kom­me. Damit ist klar­ge­stellt, dass und wes­halb die Ent­schei­dung von der Fra­ge der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB abhän­gig ist.

Aus­drück­li­che Aus­füh­run­gen zur Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Vor­schrift des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB ent­hält der Beschluss des Land­ge­richts vom 15.03.2017 zwar eben­so wenig wie der Beschluss vom 16.01.2017. Die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit ergibt sich aller­dings zumin­dest mit­tel­bar aus dem Beschluss vom 15.03.2017. Das Land­ge­richt begrün­det die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit dar­in maß­geb­lich mit einem im Fal­le der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB abwei­chen­den Schuld­spruch, der sich erst aus einer mög­lichst genau­en, anschau­li­chen und ver­ständ­li­chen Umschrei­bung des Inhalts der Tat [34], die ihrer­seits aus dem bei einer Blan­kett­vor­schrift not­wen­di­gen Zusam­men­füh­ren von Blan­kett (hier: § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB) und den blan­kett­aus­fül­len­den Nor­men (hier: § 58 Abs. 3 Nr. 2, Abs. 1 Nr. 18, § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB i.V.m. Anhang III Abschnitt VI Nr. 1 Buch­sta­be c der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 sowie § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV) folgt. Dabei fun­giert die Vor­schrift des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB als für die „Schar­ni­er­norm“ des § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV not­wen­di­ge Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge. Ent­fällt sie, ist ein Rück­griff auf die den Schuld­spruch (hier: Nicht­si­cher­stel­len des Nicht­ver­wen­dens von Knor­pel des Kehl­kop­fes und der Luft­röh­re bei der Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen) kon­sti­tu­ie­ren­den Nor­men des Uni­ons­rechts nicht mög­lich. Damit ergibt sich die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit zwar nicht aus­drück­lich, aber noch hin­rei­chend deut­lich aus den land­ge­richt­li­chen Aus­füh­run­gen.

Eine ver­tief­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der Fra­ge, ob ins­be­son­de­re die Vor­schrift des § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV als Teil­ele­ment der nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB erlas­se­nen Rechts­ver­ord­nung den Vor­ga­ben der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge ent­spricht, war nicht erfor­der­lich. Die Rechts­auf­fas­sung des Land­ge­richts hier­zu lässt sich dem Vor­la­ge­be­schluss eben­falls noch mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit ent­neh­men. Ob § 3 Abs. 1 Nr. 2 LMRStV wirk­sam erlas­sen wur­de, ist eine inner­halb der Prü­fungs­kom­pe­tenz des Land­ge­richts lie­gen­de Fra­ge, die es in ver­tret­ba­rer Wei­se [33] kon­klu­dent bejaht hat. Ins­be­son­de­re lässt sich das Ver­bot der Ver­wen­dung von Knor­pel des Kehl­kop­fes, der Luft­röh­re und der extralo­bu­lä­ren Bron­chi­en auf den in § 1 Abs. 1 Nr. 1 LFGB nor­mier­ten Zweck des Schut­zes der Ver­brau­cher durch Vor­beu­gung oder Abwehr einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit zurück­füh­ren.

Das Land­ge­richt hat fer­ner sei­ne Über­zeu­gung von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der § 58 Abs. 3 Nr. 2 und § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB in einer den Anfor­de­run­gen des Art. 100 Abs. 1 GG und des § 80 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG genü­gen­den Wei­se dar­ge­legt.

Das vor­le­gen­de Gericht muss die für sei­ne Über­zeu­gung von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der vor­ge­leg­ten Norm maß­geb­li­chen Erwä­gun­gen nach­voll­zieh­bar dar­le­gen [35]. Der Vor­la­ge­be­schluss muss hier­zu den ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fungs­maß­stab ange­ben und sich mit der Rechts­la­ge, ins­be­son­de­re der maß­geb­li­chen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, aus­ein­an­der­set­zen [36].

Das Land­ge­richt stellt in Bezug auf § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB den ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fungs­maß­stab anhand der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dar. Aus­ge­hend von die­sen Maß­stä­ben begrün­det es sei­ne Über­zeu­gung von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit. Dabei stützt es sich auf die Par­al­le­len der Rege­lung des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB zu der Bestim­mung des § 10 Abs. 1 RiF­lE­ti­kettG a.F. Dass sich die Vor­schrif­ten im Hin­blick auf die in § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ent­hal­te­ne Ent­spre­chungs­klau­sel unter­schei­den, hat das Land­ge­richt the­ma­ti­siert, sich aber maß­geb­lich auf den Gedan­ken gestützt, auch die Ent­spre­chungs­klau­sel ände­re nichts dar­an, dass der wesent­li­che Bewer­tungs­akt letzt­lich dem Ver­ord­nungs­ge­ber oblie­ge. Zudem bezie­he sich die Ent­spre­chungs­klau­sel auf Ver­ord­nungs­recht, so dass ins­ge­samt eine Ent­fer­nung von einer in einem Gesetz im for­mel­len Sin­ne zum Aus­druck kom­men­den gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung zur Vor­ga­be der Straf­bar­keit zu kon­sta­tie­ren sei. Mit die­sen Aus­füh­run­gen hat das Land­ge­richt zwar nicht alle Ein­zel­hei­ten der auch in der Lite­ra­tur geführ­ten Dis­kus­si­on zur Zuläs­sig­keit der Ver­wen­dung von Blan­kett­straf­nor­men mit Rück­ver­wei­sungs- und Ent­spre­chungs­klau­seln [37] argu­men­ta­tiv auf­ge­grif­fen. Es hat jedoch eine maß­stabs­be­zo­ge­ne Sub­sum­ti­on mit den nach sei­ner Auf­fas­sung tra­gen­den Gesichts­punk­ten vor­ge­nom­men.

Das Land­ge­richt stellt auch in Bezug auf § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB den ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fungs­maß­stab anhand der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dar und begrün­det aus­ge­hend von die­sen Maß­stä­ben sei­ne Über­zeu­gung von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit. Dabei stellt es die Par­al­le­li­tät der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB zu der­je­ni­gen des § 10 Abs. 3 RiF­lE­ti­kettG a.F. in den Vor­der­grund, unter­nimmt aber auch den Ver­such, anhand des Geset­zes­zu­sam­men­hangs und der – in § 10 Abs. 1 RiF­lE­ti­kettG a.F. nicht ent­hal­te­nen – Ent­spre­chungs­klau­sel die­je­ni­gen lebens­mit­tel­recht­li­chen Vor­schrif­ten ein­zu­gren­zen, auf deren Straf­bar­keits­er­klä­rung sich der Ver­ord­nungs­ge­ber bezie­hen dür­fe. Es kommt zu dem Ergeb­nis, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber in ver­fas­sungs­recht­lich nicht hin­nehm­ba­rer Wei­se freie Hand habe.

Kei­ne Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Blan­kett­straf­nor­men[↑]

Die Vor­la­ge ist unbe­grün­det, ent­schied nun das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt: Die vor­ge­leg­ten Nor­men sind voll­um­fäng­lich am Maß­stab des Grund­ge­set­zes zu prü­fen. Die Straf­vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ist ? soweit zur Prü­fung gestellt ? mit Art. 103 Abs. 2, Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG ver­ein­bar; die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB ist ? soweit zur Prü­fung gestellt ? mit Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG ver­ein­bar.

Prü­fungs­maß­stab bei uni­ons­recht­li­cher Deter­mi­nie­rung[↑]

Die Prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am Maß­stab des Grund­ge­set­zes ist nicht des­halb von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen oder ein­ge­schränkt, weil die zur Prü­fung gestell­ten Vor­schrif­ten uni­ons­recht­lich deter­mi­niert sind.

Bei Bestehen eines Gestal­tungs­spiel­raums sind die zur Aus­fül­lung von Uni­ons­recht erlas­se­nen natio­na­len Rechts­ak­te einer ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Kon­trol­le am Maß­stab des Grund­ge­set­zes zugäng­lich [38]. Glei­ches gilt, wenn eine inner­staat­li­che Rechts­vor­schrift nicht der Umset­zung, son­dern der Ergän­zung und Durch­füh­rung zwin­gen­den Uni­ons­rechts dient [39].

Danach sind die vor­ge­leg­ten Vor­schrif­ten voll­um­fäng­lich – und aus­schließ­lich – am Maß­stab des Grund­ge­set­zes über­prüf­bar.

Zwar ist die in § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ent­hal­te­ne Straf­vor­schrift inso­weit uni­ons­recht­lich deter­mi­niert, als Art. 17 Abs. 2 UAbs. 3 Satz 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tet, Vor­schrif­ten für Maß­nah­men und Sank­tio­nen bei Ver­stö­ßen gegen das Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­recht fest­zu­le­gen. Die­se Maß­nah­men und Sank­tio­nen müs­sen gemäß Art. 17 Abs. 2 UAbs. 3 Satz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 178/​2002 wirk­sam, ver­hält­nis­mä­ßig und abschre­ckend sein. Damit ist aber weder vor­ge­ge­ben, wel­cher Art die fest­zu­le­gen­de Sank­ti­on sein soll, noch, dass jeder Ver­stoß mit einer Sank­ti­on zu ahn­den ist. Auch die Vor­ga­be, dass die­se wirk­sam, ver­hält­nis­mä­ßig und abschre­ckend sein müs­sen, kon­kre­ti­siert nicht die Art der fest­zu­le­gen­den Sank­ti­on. Viel­mehr ver­bleibt dem natio­na­len Gesetz­ge­ber die Wahl der Sank­ti­on und ihrer nähe­ren Aus­ge­stal­tung. Inso­weit hat er die Mög­lich­keit, die Vor­ga­be unter Ein­pas­sung in das natio­na­le Sank­ti­ons­sys­tem umzu­set­zen und kann sich dabei des Haf­tungs­rechts eben­so bedie­nen wie der Lebens­mit­tel­über­wa­chung, des Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­rechts oder auch des Straf­rechts. Den dabei ver­blei­ben­den Gestal­tungs­spiel­raum muss er in grund­rechts­scho­nen­der Wei­se aus­fül­len.

Dies gilt umso mehr für die Vor­schrift des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB. Denn wel­cher Rege­lungs­tech­nik – etwa einer in einer Rechts­ver­ord­nung ent­hal­te­nen Rück­ver­wei­sung – sich der Gesetz­ge­ber zu bedie­nen hat, gibt das Uni­ons­recht nicht vor. Das Erfor­der­nis einer Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung – wie hier in Form der Vor­schrift des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB – ist viel­mehr die Fol­ge der vom natio­na­len Gesetz­ge­ber im Rah­men sei­ner insti­tu­tio­nel­len und ver­fah­rens­mä­ßi­gen Auto­no­mie gewähl­ten Rege­lungs­tech­nik. Will der Gesetz­ge­ber Teil­ele­men­te sei­ner Rechts­set­zungs­be­fug­nis­se dele­gie­ren, muss er nach Art. 80 Abs. 1 Satz 1 GG eine gesetz­li­che Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung schaf­fen [40]. Die nähe­re gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung die­ser Ermäch­ti­gung bestimmt der Gesetz­ge­ber auto­nom.

Blan­kett­straf­norm und Bestimmt­heits­ge­bot[↑]

§ 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ist – soweit Prü­fungs­ge­gen­stand – mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen des Bestimmt­heits­ge­bo­tes aus Art. 103 Abs. 2, Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG (noch) ver­ein­bar.

Art. 103 Abs. 2 GG gewähr­leis­tet, dass eine Tat nur bestraft wer­den kann, wenn die Straf­bar­keit gesetz­lich bestimmt war, bevor die Tat began­gen wur­de. Als Gesetz im Sin­ne des Art. 103 Abs. 2 GG sind nicht nur Geset­ze im for­mel­len Sinn zu ver­ste­hen, son­dern auch Rechts­ver­ord­nun­gen, die im Rah­men von Ermäch­ti­gun­gen ergan­gen sind, die den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 80 Abs. 1 GG genü­gen [41].

Die Bedeu­tung des Art. 103 Abs. 2 GG erschöpft sich nicht im Ver­bot der gewohn­heits­recht­li­chen oder rück­wir­ken­den Straf­be­grün­dung. Art. 103 Abs. 2 GG ent­hält für die Gesetz­ge­bung ein strik­tes Bestimmt­heits­ge­bot sowie ein damit kor­re­spon­die­ren­des, an die Recht­spre­chung gerich­te­tes Ver­bot straf­be­grün­den­der Ana­lo­gie [42].

Durch die­se Garan­tien soll zum einen sicher­ge­stellt wer­den, dass der Gesetz­ge­ber selbst abs­trakt-gene­rell über die Straf­bar­keit ent­schei­det. Inso­weit ent­hält Art. 103 Abs. 2 GG einen stren­gen Geset­zes­vor­be­halt, der es der voll­zie­hen­den und recht­spre­chen­den Gewalt ver­wehrt, die nor­ma­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen einer Bestra­fung fest­zu­le­gen [43]. Der demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Gesetz­ge­ber über­nimmt mit der Ent­schei­dung über straf­wür­di­ges Ver­hal­ten die Ver­ant­wor­tung für eine Form hoheit­li­chen Han­delns, die zu den inten­sivs­ten Ein­grif­fen in die indi­vi­du­el­le Frei­heit zählt; es ist eine ihm vor­be­hal­te­ne grund­le­gen­de Ent­schei­dung, in wel­chem Umfang und in wel­chen Berei­chen der Staat gera­de das Mit­tel des Straf­rechts als Instru­ment sozia­ler Kon­trol­le ein­setzt [44].

Zum ande­ren hat Art. 103 Abs. 2 GG auch eine frei­heits­ge­währ­leis­ten­de Funk­ti­on [45], weil jeder Teil­neh­mer am Rechts­ver­kehr vor­her­se­hen kön­nen soll, wel­ches Ver­hal­ten ver­bo­ten und mit Stra­fe bedroht ist [46].

In sei­ner Funk­ti­on als Bestimmt­heits­ge­bot ent­hält Art. 103 Abs. 2 GG dem­entspre­chend die Ver­pflich­tung, wesent­li­che Fra­gen der Straf­wür­dig­keit oder Straf­frei­heit im demo­kra­tisch-par­la­men­ta­ri­schen Wil­lens­bil­dungs­pro­zess zu klä­ren und die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­bar­keit so kon­kret zu umschrei­ben, dass Trag­wei­te und Anwen­dungs­be­reich der Straf­tat­be­stän­de zu erken­nen sind und sich durch Aus­le­gung ermit­teln las­sen [47]. Die all­ge­mei­nen rechts­staat­li­chen Grund­sät­ze, dass der Gesetz­ge­ber im Bereich der Grund­rechts­aus­übung alle wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen selbst tref­fen [48] und Rechts­vor­schrif­ten so genau fas­sen muss, wie dies nach der Eigen­art der zu ord­nen­den Lebens­sach­ver­hal­te mit Rück­sicht auf den Norm­zweck mög­lich ist [49], gel­ten danach für den grund­rechts­sen­si­blen Bereich des mate­ri­el­len Straf­rechts beson­ders strikt [50]. Das Bestimmt­heits­ge­bot des Art. 103 Abs. 2 GG ver­langt daher, den Wort­laut von Straf­nor­men so zu fas­sen, dass der Normadres­sat im Regel­fall bereits anhand des Wort­lauts der gesetz­li­chen Vor­schrift vor­aus­se­hen kann, ob ein Ver­hal­ten straf­bar ist oder nicht [51].

Eine Stra­fe kann nach Art. 103 Abs. 2 GG nur auf der Grund­la­ge eines förm­li­chen Geset­zes ver­hängt wer­den. Ist der Straf­tat­be­stand in einer Ver­ord­nung ent­hal­ten, müs­sen somit die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­bar­keit und die Art der Stra­fe für den Bür­ger schon auf­grund des Geset­zes, nicht erst auf­grund der hier­auf gestütz­ten Ver­ord­nung erkenn­bar sein (Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG) [52]. Der Gesetz­ge­ber hat die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­bar­keit selbst zu bestim­men und darf die­se Ent­schei­dung nicht den Orga­nen der voll­zie­hen­den Gewalt über­las­sen [53]. Erlässt er eine Straf­vor­schrift, die Frei­heits­stra­fe androht, muss er ? auch in Anbe­tracht von Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG ? mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit selbst bestim­men, was straf­bar sein soll, und Art und Maß der Frei­heits­stra­fe im förm­li­chen Gesetz fest­le­gen [54], und zwar umso prä­zi­ser, je schwe­rer die ange­droh­te Stra­fe ist [55].

Aller­dings muss der Gesetz­ge­ber auch im Straf­recht in der Lage blei­ben, der Viel­ge­stal­tig­keit des Lebens Herr zu wer­den [56]. Müss­te er jeden Straf­tat­be­stand stets bis ins Letz­te aus­füh­ren, anstatt sich auf die wesent­li­chen Bestim­mun­gen über Vor­aus­set­zun­gen, Art und Maß der Stra­fe zu beschrän­ken, bestün­de die Gefahr, dass die Geset­ze zu starr und kasu­is­tisch wür­den und dem Wan­del der Ver­hält­nis­se oder der Beson­der­heit des Ein­zel­falls nicht mehr gerecht wer­den könn­ten [57].

Daher schließt das Bestimmt­heits­ge­bot die Ver­wen­dung unbe­stimm­ter, kon­kre­ti­sie­rungs­be­dürf­ti­ger Begrif­fe bis hin zu Gene­ral­klau­seln nicht aus [58]. Gegen ihre Ver­wen­dung bestehen jeden­falls dann kei­ne Beden­ken, wenn sich mit Hil­fe der übli­chen Aus­le­gungs­me­tho­den, ins­be­son­de­re durch Her­an­zie­hung ande­rer Vor­schrif­ten des­sel­ben Geset­zes, durch Berück­sich­ti­gung des Norm­zu­sam­men­hangs oder auf­grund einer gefes­tig­ten Recht­spre­chung eine zuver­läs­si­ge Grund­la­ge für eine Aus­le­gung und Anwen­dung der Norm gewin­nen lässt [59]. Dabei kann der Grad der für eine Norm jeweils erfor­der­li­chen Bestimmt­heit nicht abs­trakt fest­ge­legt wer­den, son­dern hängt von den Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Tat­be­stan­des ein­schließ­lich der Umstän­de ab, die zur gesetz­li­chen Rege­lung geführt haben [60], wobei der Gesetz­ge­ber die Straf­bar­keits­vor­aus­set­zun­gen umso genau­er fest­le­gen und prä­zi­ser bestim­men muss, je schwe­rer die von ihm ange­droh­te Stra­fe ist [61]. Auch der Kreis der Normadres­sa­ten ist von Bedeu­tung [62].

Der Gesetz­ge­ber muss den Tat­be­stand nicht stets voll­stän­dig im förm­li­chen Gesetz umschrei­ben, son­dern darf auf ande­re Vor­schrif­ten ver­wei­sen. Sol­che Ver­wei­sun­gen sind als viel­fach übli­che und not­wen­di­ge geset­zes­tech­ni­sche Metho­de aner­kannt, sofern die Ver­wei­sungs­norm hin­rei­chend klar erken­nen lässt, wel­che Vor­schrif­ten im Ein­zel­nen gel­ten sol­len, und wenn die­se Vor­schrif­ten dem Normadres­sa­ten durch eine frü­he­re ord­nungs­ge­mä­ße Ver­öf­fent­li­chung zugäng­lich sind [63]. Dabei kann der Gesetz­ge­ber auch auf Vor­schrif­ten eines ande­ren Norm­ge­bers ver­wei­sen, denn eine sol­che Ver­wei­sung bedeu­tet recht­lich nur den Ver­zicht, den Text der in Bezug genom­me­nen Vor­schrif­ten in vol­lem Wort­laut in die Ver­wei­sungs­norm auf­zu­neh­men [64]. Das gilt auch für Ver­wei­sun­gen auf Nor­men und Begrif­fe des Rechts der Euro­päi­schen Uni­on. Uni­ons­recht und natio­na­les Recht sind zwar zwei ver­schie­de­ne Teil­rechts­ord­nun­gen. Bei­de ste­hen jedoch nicht unver­bun­den neben­ein­an­der, son­dern grei­fen auf man­nig­fa­che Wei­se inein­an­der. Die­se viel­fäl­ti­ge Ver­schrän­kung von Uni­ons­recht und natio­na­lem Recht ver­bie­tet es, Ver­wei­sun­gen auf Uni­ons­recht anders zu beur­tei­len als Ver­wei­sun­gen auf natio­na­les Recht [65].

Die mit einer Ver­wei­sung in aller Regel ver­bun­de­ne geset­zes­tech­ni­sche Ver­ein­fa­chung ist ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich, wenn der ver­wei­sen­de Gesetz­ge­ber sich den Inhalt von Rechts­vor­schrif­ten des ande­ren Norm­ge­bers in der Fas­sung zu eigen macht, wie sie bei Erlass sei­nes Geset­zes­be­schlus­ses galt (sta­ti­sche Ver­wei­sung) [66]. Ver­weist ein Gesetz­ge­ber hin­ge­gen auf ande­re Vor­schrif­ten in ihrer jeweils gel­ten­den Fas­sung (dyna­mi­sche Ver­wei­sung), kann dies dazu füh­ren, dass er den Inhalt sei­ner Vor­schrif­ten nicht mehr in eige­ner Ver­ant­wor­tung bestimmt und damit der Ent­schei­dung Drit­ter über­lässt. Aller­dings sind dyna­mi­sche Ver­wei­sun­gen nicht schlecht­hin aus­ge­schlos­sen, son­dern nur soweit Rechts­staat­lich­keit, Demo­kra­tie­ge­bot und Bun­des­staat­lich­keit dies erfor­dern; grund­recht­li­che Geset­zes­vor­be­hal­te kön­nen die­sen Rah­men zusätz­lich ein­engen [67].

Bei einem Blan­kett­straf­ge­setz ersetzt der Gesetz­ge­ber die Beschrei­bung des Straf­tat­be­stan­des durch die Ver­wei­sung auf eine Ergän­zung in dem­sel­ben Gesetz oder in ande­ren ? auch künf­ti­gen ? Geset­zen oder Rechts­ver­ord­nun­gen, die nicht not­wen­dig von der­sel­ben recht­set­zen­den Instanz erlas­sen wer­den müs­sen [68]. Die Ver­wen­dung die­ser Gesetz­ge­bungs­tech­nik ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, sofern das Blan­kett­straf­ge­setz hin­rei­chend klar erken­nen lässt, wor­auf sich die Ver­wei­sung bezieht [69]. Dazu gehört, dass die Blan­kett­straf­norm die Rege­lun­gen, die zu ihrer Aus­fül­lung in Betracht kom­men und die dann durch sie bewehrt wer­den, sowie deren mög­li­chen Inhalt und Gegen­stand genü­gend deut­lich bezeich­net und abgrenzt [70].

Das gilt auch für Blan­kett­straf­ge­set­ze, die Zuwi­der­hand­lun­gen gegen bestimm­te Ver- oder Gebo­te eines unmit­tel­bar anwend­ba­ren Rechts­akts der Euro­päi­schen Uni­on beweh­ren und zu die­sem Zweck auf das Uni­ons­recht ver­wei­sen. An Ver­wei­sun­gen auf das Uni­ons­recht sind aus den dar­ge­leg­ten Grün­den kei­ne stren­ge­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen zu stel­len als an sol­che auf das inner­staat­li­che Recht [71]. Inwie­weit es dem natio­na­len Gesetz­ge­ber auch ver­wehrt ist, unmit­tel­bar anwend­ba­res Uni­ons­recht im natio­na­len Recht durch gleich­lau­ten­de Straf­nor­men zu wie­der­ho­len, weil die Normadres­sa­ten nach einer älte­ren, zum Bin­nen­markt ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on über den Uni­ons­cha­rak­ter einer Rechts­norm nicht im Unkla­ren gelas­sen wer­den dür­fen [72], bedarf kei­ner Ent­schei­dung.

Dem in Art. 103 Abs. 2 GG ver­an­ker­ten Bestimmt­heits­ge­bot genü­gen Blan­kett­straf­ge­set­ze jedoch nur dann, wenn sich die mög­li­chen Fäl­le der Straf­bar­keit schon auf­grund des Geset­zes vor­aus­se­hen las­sen, die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­bar­keit und die Art der Stra­fe also bereits ent­we­der im Blan­kett­straf­ge­setz selbst oder in einem in Bezug genom­me­nen Gesetz hin­rei­chend deut­lich um-schrie­ben sind [73]. Zudem müs­sen neben der Blan­kett­straf­norm auch die sie aus­fül­len­den Vor­schrif­ten die sich aus Art. 103 Abs. 2 GG erge­ben­den Anfor­de­run­gen erfül­len [74].

Legt die Blan­kett­straf­norm nicht voll­stän­dig selbst oder durch Ver­weis auf ein ande­res Gesetz fest, wel­ches Ver­hal­ten durch sie bewehrt wer­den soll, son­dern erfolgt dies erst durch eine natio­na­le Rechts­ver­ord­nung, auf die ver­wie­sen wird, müs­sen daher nach Art. 103 Abs. 2 GG und ? soweit Frei­heits­stra­fe ange­droht wird ? in Ver­bin­dung mit Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­bar­keit und die Art der Stra­fe für den Bür­ger schon auf­grund des Geset­zes und nicht erst auf­grund der hier­auf gestütz­ten Rechts­ver­ord­nung vor­her­seh­bar sein [75]. Um den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung zu wah­ren, darf dem Ver­ord­nungs­ge­ber ledig­lich die Kon­kre­ti­sie­rung des Straf­tat­be­stan­des ein­ge­räumt wer­den, nicht aber die Ent­schei­dung dar­über, wel­ches Ver­hal­ten als Straf­tat geahn­det wer­den soll [76]. Es macht dabei im Grund­satz kei­nen Unter­schied, ob der Ver­ord­nungs­ge­ber den Straf­tat­be­stand selbst kon­kre­ti­siert oder aber ob er sich auf eine von einem ande­ren Norm­ge­ber erlas­se­ne Vor­schrift bezieht, die er dar­auf­hin über­prüft hat, ob er die­se Norm als Kon­kre­ti­sie­rung selbst hät­te erlas­sen dür­fen [77]. Die­se Anfor­de­run­gen betref­fen auch den Fall, dass Blan­kett­straf­ge­set­ze auf das Uni­ons­recht ver­wei­sen [78].

Die Vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ist eine Blan­kett­straf­norm, die sich mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen des Bestimmt­heits­ge­bo­tes sowohl hin­sicht­lich des­sen kom­pe­tenz­si­chern­der als auch des­sen frei­heits­ge­wäh­ren­der Funk­ti­on im Ergeb­nis (noch) ver­ein­ba­ren lässt.

Nach § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB wird mit Geld­stra­fe oder Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren bestraft, wer einer ande­ren als in Absatz 2 genann­ten unmit­tel­bar gel­ten­den Vor­schrift in Rechts­ak­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaft zuwi­der­han­delt, die inhalt­lich einer Rege­lung ent­spricht, zu der die in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB genann­ten Vor­schrif­ten ermäch­ti­gen, soweit eine Rechts­ver­ord­nung nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB für einen bestimm­ten Straf­tat­be­stand auf die­se Straf­vor­schrift ver­weist. Die Straf­vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ist damit eine Blan­kett­straf­norm, die die Straf­an­dro­hung nach Art und Maß der Stra­fe regelt und das ver­bo­te­ne Ver­hal­ten in sei­nem Kern als Zuwi­der­hand­lung gegen unmit­tel­bar gel­ten­de Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts beschreibt. Anders als im Fal­le des § 10 Abs. 1 RiF­lE­ti­kettG a.F. [79] wer­den die straf­be­wehr­ten Ver­bots­vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts aber nicht ledig­lich abs­trakt skiz­ziert. Viel­mehr wer­den sie auf­grund der Ent­spre­chungs­klau­sel über § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB und die in die­ser Vor­schrift genann­ten Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen in der nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB zu erlas­sen­den Rechts­ver­ord­nung als sol­che zu bezeich­nen­de Ver­hal­tens­vor­schrif­ten kon­kre­ti­siert, die der Ver­ord­nungs­ge­ber in den in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB genann­ten Fäl­len selbst regeln dürf­te.

Die­se Rege­lungs­tech­nik trägt der kom­pe­tenz­si­chern­den Funk­ti­on des Bestimmt­heits­ge­bo­tes, soweit die Vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 über § 58 Abs. 1 Nr. 18 auf § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB ver­weist, noch hin­rei­chend Rech­nung.

Die Blan­kett­straf­vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB und die sie aus­fül­len­den for­mell-gesetz­li­chen Vor­schrif­ten der § 58 Abs. 1 Nr. 18 und § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB bestim­men in ihrer Gesamt­schau: Eine Zuwi­der­hand­lung gegen eine unmit­tel­bar gel­ten­de Vor­schrift des Uni­ons­rechts, die zur Sicher­stel­lung des Ver­brau­cher­schut­zes bei Lebens­mit­teln durch Vor­beu­gung gegen eine oder Abwehr einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit die Ver­wen­dung bestimm­ter Stof­fe, Gegen­stän­de oder Ver­fah­ren beim Her­stel­len oder Behan­deln von Lebens­mit­teln ver­bie­tet oder beschränkt oder die Anwen­dung bestimm­ter Ver­fah­ren vor­schreibt oder für bestimm­te Lebens­mit­tel Anfor­de­run­gen an das Her­stel­len, das Behan­deln oder das Inver­kehr­brin­gen stellt, steht unter Stra­fe, soweit eine Rechts­ver­ord­nung nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB für einen bestimm­ten Straf­tat­be­stand einen ent­spre­chen­den Rück­ver­weis ent­hält. Nicht gesetz­lich gere­gelt und auf­grund der Vor­schrift des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB der – hypo­the­ti­schen – Rege­lungs­kom­pe­tenz des natio­na­len Ver­ord­nungs­ge­bers über­las­sen ist die nähe­re Bestim­mung der kon­kret ver­bo­te­nen Stof­fe, Gegen­stän­de oder Ver­fah­ren oder der kon­kret ver­pflich­ten­den Ver­fah­ren beim Her­stel­len oder Behan­deln von Lebens­mit­teln, fer­ner die Kon­kre­ti­sie­rung der auf die Her­stel­lung, Behand­lung sowie auf das Inver­kehr­brin­gen bezo­ge­nen Anfor­de­run­gen bei näher zu bestim­men­den Lebens­mit­teln.

Die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­bar­keit sind damit auf gesetz­li­cher Ebe­ne noch hin­rei­chend deut­lich beschrie­ben. Der Gesetz­ge­ber hat mit § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB eine Straf­norm kon­zi­piert, die auf Ebe­ne eines for­mel­len Geset­zes – wenn auch im Wege des Ver­wei­ses auf § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB – das geschütz­te Rechts­gut (die mensch­li­che Gesund­heit) und die Tat­hand­lung (die unzu­läs­si­ge oder beschrän­kungs­wid­ri­ge Ver­wen­dung bestimm­ter Stof­fe, Gegen­stän­de oder Ver­fah­ren oder das Unter­las­sen der Anwen­dung bestimm­ter Ver­fah­ren beim Her­stel­len oder Behan­deln von Lebens­mit­teln sowie das anfor­de­rungs­wid­ri­ge Her­stel­len, Behan­deln oder Inver­kehr­brin­gen von Lebens­mit­teln) umschreibt.

Die Ver­la­ge­rung der Kon­kre­ti­sie­rungs­kom­pe­tenz in dem von § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB bestimm­ten Aus­maß ist nicht zu bean­stan­den. Die Dele­ga­ti­on spe­zi­fi­zie­ren­der Rege­lungs­set­zung auf den Ver­ord­nungs­ge­ber trägt der Funk­ti­on einer Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung Rech­nung, die Fle­xi­bi­li­tät des par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bers zu wah­ren, ihn von Detail­ar­beit zu ent­las­ten und ihm dadurch die Mög­lich­keit zu eröff­nen, sich auf die grund­le­gen­den Vor­ha­ben zu kon­zen­trie­ren [80] und ledig­lich die wesent­li­chen Fra­gen selbst zu regeln; es soll ohne zeit­auf­wen­di­ges Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren eine beschleu­nig­te, kurz­fris­ti­ge Anpas­sung des Rechts an sich ändern­de Ver­hält­nis­se erfol­gen kön­nen [81].

Die Rege­lung wesent­li­cher Fra­gen durch den Gesetz­ge­ber wird auch im vor­lie­gen­den Fall nicht in Fra­ge gestellt. Der nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB ermäch­tig­te Ver­ord­nungs­ge­ber darf nur zur Sicher­stel­lung des Ver­brau­cher­schut­zes bei Lebens­mit­teln durch Vor­beu­gung gegen eine oder Abwehr einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit tätig wer­den. Bei der indus­tri­el­len Her­stel­lung oder Behand­lung von Lebens­mit­teln han­delt es sich in der Regel um einen hoch­tech­ni­sier­ten Pro­zess. Die auf die Vor­beu­gung gegen eine oder Abwehr einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit zie­len­de Detail­re­ge­lung eines der­ar­ti­gen Pro­zes­ses erfor­dert spe­zi­fisch-tech­ni­schen Sach­ver­stand und die – zeit­na­he – Berück­sich­ti­gung des wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­fort­schritts. Die­sen Erfor­der­nis­sen wird dadurch Rech­nung getra­gen, dass es dem Ver­ord­nungs­ge­ber obliegt, die ver­bots- oder beschrän­kungs­ge­gen­ständ­li­chen Stof­fe, Gegen­stän­de oder Ver­fah­ren näher zu kon­kre­ti­sie­ren, die vor­ge­schrie­be­nen Ver­fah­ren zu bestim­men oder die Anfor­de­run­gen zu benen­nen, die an das Her­stel­len, das Behan­deln oder das Inver­kehr­brin­gen von ihm zu bestim­men­der Lebens­mit­tel gestellt wer­den. Damit hat der Ver­ord­nungs­ge­ber zwar eine weit­rei­chen­de Rege­lungs­kom­pe­tenz mit Blick auf ein­zel­ne Tat­be­stands­merk­ma­le. Inhalt­lich geht es dabei jedoch um eine von tech­ni­schem Sach­ver­stand gepräg­te, kurz­fris­ti­ge Umset­zung der für die Bewer­tung von Gefah­ren­po­ten­tia­len beim Her­stel­len, Behan­deln und Inver­kehr­brin­gen von Lebens­mit­teln gewon­ne­nen Erkennt­nis­se in kon­kre­te Hand­lungs­an­wei­sun­gen. Dem Ver­ord­nungs­ge­ber des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB obliegt danach ledig­lich – wenn auch in erheb­li­chem Umfang – die Kon­kre­ti­sie­rung tech­ni­scher Details [82].

Ein vor­be­halts­lo­ses Bezeich­nungs­recht steht dem Ver­ord­nungs­ge­ber – anders als im Fal­le des § 10 Abs. 1 RiF­lE­ti­kettG a.F. [83] – nicht zu. Dem Ver­ord­nungs­ge­ber ver­bleibt bei der Aus­übung der ihm nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB ein­ge­räum­ten Befug­nis­se, das heißt bei der Kom­plet­tie­rung des in § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ent­hal­te­nen, um § 58 Abs. 1 Nr. 18 und § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB zu ergän­zen­den Straf­blan­ketts, auch kein sub­stan­ti­el­ler Aus­ge­stal­tungs­spiel­raum. Nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB wird er ermäch­tigt, soweit dies zur Durch­set­zung der Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Gemein­schaft erfor­der­lich ist, durch Rechts­ver­ord­nung die Tat­be­stän­de zu bezeich­nen, die als Straf­tat nach § 58 Abs. 3 LFGB zu ahn­den sind. Vor dem Hin­ter­grund der viel­fäl­ti­gen Über­la­ge­rung des natio­na­len mate­ri­el­len Lebens­mit­tel­rechts durch das Lebens­mit­tel­recht der Euro­päi­schen Uni­on kann das inso­weit nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB ergan­ge­ne natio­na­le Ver­ord­nungs­recht in sei­nem Anwen­dungs­be­reich zurück­ge­drängt wer­den. Der Kon­zep­ti­on der Ent­spre­chungs­klau­sel zufol­ge wan­delt sich damit die Auf­ga­be des nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB ermäch­tig­ten Ver­ord­nungs­ge­bers. Er ist nicht mehr beru­fen, die nähe­re Kon­kre­ti­sie­rung der Ver­hal­tens­ge­bo­te und Ver­bo­te im Hin­blick auf ein­zel­ne Tat­be­stands­merk­ma­le des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB, nament­lich die Bestim­mung der ver­bo­te­nen Gegen­stän­de, Stof­fe oder Ver­fah­ren, die Bestim­mung der gebo­te­nen Ver­fah­ren oder die Bestim­mung der kon­kre­ten Anfor­de­run­gen an das Her­stel­len, das Behan­deln oder das Inver­kehr­brin­gen von zu bestim­men­den Lebens­mit­teln, selbst vor­zu­neh­men, son­dern allein dazu, im Sin­ne einer (hypo­the­ti­schen) Kon­kre­ti­sie­rung durch eine ent­spre­chen­de Bezeich­nung zu bestim­men, wel­che Rege­lun­gen er selbst hät­te erlas­sen kön­nen, gäbe es die ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen des Uni­ons­rechts nicht [84].

Das dem Ver­ord­nungs­ge­ber oblie­gen­de Prü­fungs­pro­gramm ändert sich dabei jedoch nicht wesent­lich. Erlässt der Ver­ord­nungs­ge­ber selbst eine Bestim­mung des mate­ri­el­len Lebens­mit­tel­rechts, muss er jeweils prü­fen, ob die Vor­schrift den Vor­ga­ben der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge genügt. Eine sol­che Prü­fung muss der nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB ermäch­tig­te Ver­ord­nungs­ge­ber nach Maß­ga­be der Ent­spre­chungs­klau­sel gleich­falls vor­neh­men, aller­dings nicht auf eine eige­ne Norm bezo­gen, son­dern auf die eines ande­ren Norm­ge­bers. Im Fal­le des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB gehö­ren dazu die Ver­hal­tens­nor­men in Anhang III Abschnitt VI Nr. 1 Buch­sta­be c der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004, also das Ver­bot der Ver­wen­dung von Knor­pel des Kehl­kopfs, der Luft­röh­re und der extralo­bu­lä­ren Bron­chi­en bei der Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen. Der Inhalt der gesetz­li­chen Maß­stabs­norm ist für den natio­na­len Ver­ord­nungs­ge­ber damit jeweils gleich­lau­fend. Kon­kre­ti­siert der Ver­ord­nungs­ge­ber im Fal­le des § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB auf natio­na­ler Ebe­ne die for­mal-gesetz­li­chen Vor­ga­ben der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung, fin­det sich die Maß­stabs­norm unmit­tel­bar in § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB. Prüft er im Fal­le des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB, ob er eine Norm des Uni­ons­rechts als (natio­na­le) Rechts­ver­ord­nung hät­te erlas­sen dür­fen, fin­det sich die Maß­stabs­norm in der Ent­spre­chungs­klau­sel, die über den Ver­weis auf die Auf­zäh­lung in § 58 Abs. 1 Nr. 18 LFGB inhalt­lich eben­falls auf die gesetz­li­che Bestim­mung des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB Bezug nimmt. Die gesetz­li­che Zweck­vor­ga­be, die auf die Schaf­fung von Vor­schrif­ten abzielt, die zur Sicher­stel­lung des Ver­brau­cher­schut­zes bei Lebens­mit­teln durch Vor­beu­gung gegen eine oder Abwehr einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit erfor­der­lich sind, ändert sich dadurch nicht. In die­ser Prü­fung und in die­sem Abgleich erschöpft sich der Aus­ge­stal­tungs­spiel­raum des Ver­ord­nungs­ge­bers. Mit­hin schafft das Ent­spre­chungs­kri­te­ri­um kei­ne zusätz­li­chen Defi­zi­te bei der Bestimmt­heit des Tat­be­stands [85], weil es allein dazu dient, das im Wesent­li­chen unver­än­der­te Prü­fungs­pro­gramm des Ver­ord­nungs­ge­bers von dem einen auf den ande­ren Prü­fungs­ge­gen­stand zu ver­la­gern. Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat dabei kei­ne freie Aus­wahl der Ver­hal­tens­vor­schrif­ten, son­dern ihm obliegt letzt­lich nicht mehr als die Doku­men­ta­ti­on sei­nes durch die Ent­spre­chungs­klau­sel vor­ge­zeich­ne­ten Prü­fungs­er­geb­nis­ses.

Die Grund­ent­schei­dung über die Fra­ge der Straf­bar­keit trifft unver­än­dert der Gesetz­ge­ber. Er legt durch die über § 58 Abs. 1 Nr. 18 auf § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB ver­wei­sen­de Ent­spre­chungs­klau­sel hin­rei­chend fest, dass Ver­stö­ße gegen uni­ons­recht­li­che Ver­hal­tens­ge­bo­te und Ver­bo­te im Zusam­men­hang mit der Ver­wen­dung bestimm­ter Stof­fe, Gegen­stän­de oder Ver­fah­ren bei der Her­stel­lung oder Behand­lung von Lebens­mit­teln oder den Anfor­de­run­gen an das Her­stel­len, das Behan­deln oder das Inver­kehr­brin­gen bestimm­ter Lebens­mit­tel zu sank­tio­nie­ren sind.

Auch das einer Dele­ga­ti­on von Recht­set­zungs­be­fug­nis­sen imma­nen­te Risi­ko eines spä­ter – etwa aus poli­ti­schen Grün­den [86] – nicht tätig wer­den­den Ver­ord­nungs­ge­bers besteht nicht. Die Ent­spre­chungs­klau­sel eröff­net einen zwin­gend aus­zu­fül­len­den Rah­men. Zwar hängt die Beweh­rung eines bestimm­ten, im Norm­be­stand des Uni­ons­rechts ent­hal­te­nen Ver­hal­tens­ge­bots oder Ver­bots nach­fol­gend davon ab, dass der nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB ermäch­tig­te Ver­ord­nungs­ge­ber sei­nem Bezeich­nungs­auf­trag tat­säch­lich nach­kommt. Dazu ist er jedoch uni­ons­recht­lich ver­pflich­tet, wenn der Gesetz­ge­ber mit der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung die Ent­schei­dung getrof­fen hat, für die Umset­zung der uni­ons­recht­li­chen Rege­lun­gen gera­de den Weg der Straf­be­weh­rung von Ver­stö­ßen zu wäh­len. Uni­ons­recht­lich ist das nicht zu bean­stan­den. Aus der Sicht des Uni­ons­rechts ist allein die mate­ri­ell ord­nungs­ge­mä­ße Umset­zung des uni­ons­recht­li­chen Rege­lungs­ziels maß­geb­lich [87]. Ent­hält ein natio­na­les Umset­zungs­ge­setz nur eine Rah­men­re­ge­lung und wird das Nähe­re dem natio­na­len Ver­ord­nungs­ge­ber zur Rege­lung über­las­sen, so ist die­ser auf­grund Art. 4 Abs. 3 EUV ver­pflich­tet, von sei­ner Ermäch­ti­gung Gebrauch zu machen und die für eine wirk­sa­me Umset­zung erfor­der­li­chen Aus­füh­rungs­re­ge­lun­gen recht­zei­tig zu erlas­sen [88]. Die­se Loya­li­täts­pflicht ist nicht auf die Richt­li­ni­en­um­set­zung beschränkt; sie gilt auch dann, wenn die Beweh­rung und Sank­tio­nie­rung von Ver­stö­ßen gegen das Uni­ons­recht den Mit­glied­staa­ten über­las­sen ist [89]. Bedient sich der natio­na­le Gesetz­ge­ber bei der Imple­men­tie­rung eines Sank­ti­ons­sys­tems einer den Ver­ord­nungs­ge­ber ein­be­zie­hen­den Rege­lungs­tech­nik, erstarkt das Loya­li­täts­ge­bot damit auch für den Ver­ord­nungs­ge­ber zu einer Pflicht zum recht­set­zen­den Tätig­wer­den. Mit die­ser Pflicht kor­re­spon­diert der Wort­laut der Vor­schrift des § 62 Abs. 1 LFGB, die aus­drück­lich eine Norm­set­zung durch den Ver­ord­nungs­ge­ber zum Aus­gangs­punkt nimmt, die zur Durch­set­zung der Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Gemein­schaft „erfor­der­lich“ ist.

Jeden­falls soweit die Vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 über § 58 Abs. 1 Nr. 18 auf § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB ver­weist, genügt sie auch den Anfor­de­run­gen der frei­heits­si­chern­den Kom­po­nen­te des Bestimmt­heits­ge­bo­tes.

Der gesetz­li­che Rege­lungs­ge­halt erschließt sich dem Normadres­sa­ten durch das Zusam­men­le­sen der Ein­zel­nor­men aus der Ket­te der § 58 Abs. 3 Nr. 2, § 58 Abs. 1 Nr. 18 und § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB. Damit ist der Normadres­sat zunächst gefor­dert, den in der Straf­vor­schrift des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB ent­hal­te­nen Ver­wei­sun­gen über § 58 Abs. 1 Nr. 18 auf § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB zu fol­gen. Dies gelingt anhand des Geset­zes­tex­tes, der inso­weit kei­ne Begrif­fe ent­hält, deren Bedeu­tungs­ge­halt sich erst durch auf­wen­di­ge Aus­le­gungs­ar­beit erschlie­ßen lie­ße. Zie­le und Inhal­te der Ver­wei­sun­gen wer­den jeweils mit einer kon­kre­ten Fund­stel­le im Gesetz ver­knüpft. Dar­über hin­aus muss der Normadres­sat in einem wei­te­ren Schritt die Ein­zel­nor­men der § 58 Abs. 3 Nr. 2, § 58 Abs. 1 Nr. 18 und § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB gedank­lich zu einer Gesamt­norm zusam­men­set­zen. Der Auf­wand bei der Norm­lek­tü­re und der gedank­li­chen Umset­zung der – vom Wort­laut her kla­ren – Ver­wei­sun­gen ist damit zwar deut­lich erhöht, führt vor­lie­gend aber noch nicht dazu, dass der gesetz­li­che Rege­lungs­ge­halt nicht mehr erkenn­bar wäre.

Bei der Fra­ge, wel­che Anfor­de­run­gen an die Erkenn­bar­keit des straf­ba­ren Ver­hal­tens anhand des for­mal-gesetz­li­chen Rege­lungs­ge­hal­tes zu stel­len sind, ist hier das nor­ma­ti­ve Leit­bild eines sach- und fach­kun­di­gen Normadres­sa­ten zugrun­de zu legen. Die Vor­schrift des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB erfasst den Tätig­keits­be­reich des Her­stel­lens, Behan­delns oder Inver­kehr­brin­gens von Lebens­mit­teln. Die straf­be­wehr­te Ver­bots­norm des § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB adres­siert im Fal­le des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB damit – für das Neben­straf­recht nicht unüb­lich – Per­so­nen, die im Bereich der Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on und des Lebens­mit­tel­han­dels tätig sind. Im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Aus­gangs­fall kommt hin­zu, dass sich das ver­wal­tungs­recht­li­che Pflich­ten­pro­gramm, also das Ver­bot der Ver­wen­dung von Knor­pel des Kehl­kopfs, der Luft­röh­re und der extralo­bu­lä­ren Bron­chi­en in Anhang III Abschnitt VI Nr. 1 Buch­sta­be c der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004, gemäß Art. 3 Abs. 1 der Ver­ord­nung aus­drück­lich an Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer rich­tet. Von die­sen Normadres­sa­ten sind typi­scher­wei­se beson­de­re Sach- und Fach­kennt­nis­se zu erwar­ten. Dies betrifft zunächst die Kennt­nis­se des ver­wal­tungs­recht­li­chen Pflich­ten­pro­gramms. Wer im Bereich der Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on und des Lebens­mit­tel­han­dels eine Tätig­keit auf­nimmt, ist gehal­ten, sich – unter Umstän­den durch fach­kun­di­ge Bera­tung – dar­über Kennt­nis zu ver­schaf­fen, wel­chen lebens­mit­tel­ver­wal­tungs­recht­li­chen Pflich­ten er unter­liegt. Dar­über hin­aus ist auf­grund sei­ner zu unter­stel­len­den Kennt­nis­se davon aus­zu­ge­hen, dass er die von bestimm­ten Stof­fen, Gegen­stän­den oder Ver­fah­ren aus­ge­hen­de Gefähr­lich­keit für die mensch­li­che Gesund­heit sach- und fach­kun­dig ein­schät­zen und bewer­ten sowie sein Ver­hal­ten in einer auf die Ver­rin­ge­rung der Gefähr­lich­keit abzie­len­den Wei­se ein­rich­ten kann.

Inhalt­lich zeigt der Rege­lungs­ge­halt der § 58 Abs. 3 Nr. 2, § 58 Abs. 1 Nr. 18 und § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB dem in die­ser Wei­se spe­zia­li­sier­ten Normadres­sa­ten die wesent­li­chen Vor­aus­set­zun­gen straf­ba­ren Ver­hal­tens auf. Die in das Straf­blan­kett hin­ein­zu­le­sen­de Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB lässt erken­nen, dass bei dem Her­stel­len oder Behan­deln von Lebens­mit­teln die Ver­wen­dung bestimm­ter Stof­fe, Gegen­stän­de oder Ver­fah­ren, das Unter­las­sen der Anwen­dung bestimm­ter Ver­fah­ren oder das anfor­de­rungs­wid­ri­ge Her­stel­len, Behan­deln oder Inver­kehr­brin­gen zur Straf­bar­keit füh­ren kann. Da der Inhalt des ver­wal­tungs­recht­li­chen Pflich­ten­pro­gramms sowie das Wis­sen um die spe­zi­fi­schen Gesund­heits­ge­fah­ren im Bereich der Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on bei einem fach­kun­di­gen Adres­sa­ten als bekannt vor­aus­zu­set­zen sind, lässt der gesetz­li­che Rege­lungs­ge­halt für die­sen hin­rei­chend deut­lich wer­den, wel­che kon­kre­ten Ver­hal­tens­pflich­ten sank­ti­ons­be­wehrt sind. Der Normadres­sat kann erken­nen, dass die ver­bind­li­che Ent­spre­chungs­prü­fung durch den Ver­ord­nungs­ge­ber vor­zu­neh­men ist. Die Vor­schrif­ten der Lebens­mit­tel­recht­li­chen Straf- und Buß­geld­ver­ord­nung ent­hal­ten eine abschlie­ßen­de Auf­zäh­lung der rele­van­ten Vor­schrif­ten. Unter dem Blick­win­kel der näher kon­kre­ti­sier­ten Ver­hal­tens­ge­bo­te oder Ver­bo­te kommt die­ser Rechts­ver­ord­nung eine bestimmt­heits­si­chern­de Wir­kung zu.

Blan­kett­straf­norm und Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung[↑]

Die Vor­schrift des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB ist – soweit Prü­fungs­ge­gen­stand –mit den aus Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG fol­gen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben ver­ein­bar.

Nach Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG müs­sen Geset­ze, die zum Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen ermäch­ti­gen, Inhalt, Zweck und Aus­maß der erteil­ten Ermäch­ti­gung bestim­men. Danach soll sich das Par­la­ment sei­ner Ver­ant­wor­tung als gesetz­ge­ben­de Kör­per­schaft nicht dadurch ent­äu­ßern kön­nen, dass es einen Teil der Gesetz­ge­bungs­macht der Exe­ku­ti­ve über­trägt, ohne die Gren­zen die­ser Kom­pe­ten­zen bedacht und die­se nach Ten­denz und Pro­gramm so genau umris­sen zu haben, dass der Bür­ger schon aus der gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung erken­nen und vor­her­se­hen kann, was ihm gegen­über zuläs­sig sein soll und wel­chen mög­li­chen Inhalt die auf­grund der Ermäch­ti­gung erlas­se­nen Ver­ord­nun­gen haben kön­nen [90].

Die Ermäch­ti­gungs­norm muss in ihrem Wort­laut nicht so genau wie irgend mög­lich gefasst sein; sie hat von Ver­fas­sungs wegen nur hin­rei­chend bestimmt zu sein. Dazu genügt es, dass sich die gesetz­li­chen Vor­ga­ben mit Hil­fe all­ge­mei­ner Aus­le­gungs­re­geln erschlie­ßen las­sen, ins­be­son­de­re aus dem Zweck, dem Sinn­zu­sam­men­hang und der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm [91].

Wel­che Anfor­de­run­gen an das Maß der erfor­der­li­chen Bestimmt­heit im Ein­zel­nen zu stel­len sind, lässt sich somit nicht all­ge­mein fest­le­gen. Zum einen kommt es auf die Inten­si­tät der Aus­wir­kun­gen der Rege­lung für die Betrof­fe­nen an. So muss die Bestimmt­heit der Ermäch­ti­gungs­norm der Grund­rechts­re­le­vanz der Rege­lung ent­spre­chen, zu der ermäch­tigt wird. Greift die Rege­lung erheb­lich in die Rechts­stel­lung des Betrof­fe­nen ein, sind höhe­re Anfor­de­run­gen an den Grad der Bestimmt­heit der Ermäch­ti­gung zu stel­len, als wenn es sich um einen Rege­lungs­be­reich han­delt, der die Grund­rechts­aus­übung weni­ger tan­giert [92].

Zum ande­ren hän­gen die Anfor­de­run­gen an Inhalt, Zweck und Aus­maß der gesetz­li­chen Deter­mi­nie­rung von der Eigen­art des zu regeln­den Sach­ver­halts ab, ins­be­son­de­re davon, in wel­chem Umfang die­ser einer genaue­ren begriff­li­chen Umschrei­bung über­haupt zugäng­lich ist [93]. Dies kann es auch nahe­le­gen, von einer detail­lier­ten gesetz­li­chen Rege­lung abzu­se­hen und die nähe­re Aus­ge­stal­tung des zu regeln­den Sach­be­reichs dem Ver­ord­nungs­ge­ber zu über­las­sen, der die Rege­lun­gen rascher und ein­fa­cher auf dem neu­es­ten Stand zu hal­ten ver­mag als der Gesetz­ge­ber [94]. Ein Bedürf­nis, staat­li­che Rege­lun­gen rasch und all­ge­mein­ver­bind­lich und damit gera­de durch Rechts­ver­ord­nung zu erlas­sen, kann auch aus der Pflicht zur Umset­zung, Durch­füh­rung und Ergän­zung inter- oder supra­na­tio­na­ler Vor­ga­ben resul­tie­ren [95].

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist geklärt, dass zur nähe­ren Bestim­mung von Inhalt, Zweck und Aus­maß der erteil­ten Ermäch­ti­gung auch Rechts­ak­te außer­halb der eigent­li­chen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung, ins­be­son­de­re auch Rechts­ak­te ande­rer Norm­ge­ber, her­an­ge­zo­gen wer­den dür­fen [96]. So kann der Gesetz­ge­ber in einer Ermäch­ti­gung zum Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen auch auf Nor­men und Begrif­fe des Rechts der Euro­päi­schen Uni­on ver­wei­sen [97].

Gren­zen der Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers erge­ben sich aus den all­ge­mei­nen rechts­staat­li­chen Anfor­de­run­gen an den Ein­satz von Ver­wei­sun­gen. Die­se sind als viel­fach übli­che und not­wen­di­ge geset­zes­tech­ni­sche Metho­de aner­kannt, sofern die Ver­wei­sungs­norm hin­rei­chend klar erken­nen lässt, wel­che Vor­schrif­ten im Ein­zel­nen gel­ten sol­len, und die in Bezug genom­me­nen Vor­schrif­ten dem Normadres­sa­ten durch eine frü­he­re ord­nungs­ge­mä­ße Ver­öf­fent­li­chung zugäng­lich sind [98]. Auch dyna­mi­sche Ver­wei­sun­gen sind nicht schlecht­hin aus­ge­schlos­sen, wenn­gleich – wie dar­ge­legt – inso­weit ein beson­ders stren­ger Prü­fungs­maß­stab anzu­le­gen ist, weil sie zu einer ver­steck­ten Ver­la­ge­rung von Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis­sen füh­ren kön­nen.

Nach die­sen Maß­stä­ben ist die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB mit den Vor­ga­ben des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG ver­ein­bar.

Im Hin­blick auf das Maß der Bestimmt­heit ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Grund­rechts­re­le­vanz des dem Ver­ord­nungs­ge­ber zukom­men­den Bezeich­nungs­auf­tra­ges hoch ist. Denn durch die Bezeich­nung kon­kre­ti­siert er ein­zel­ne Tat­be­stands­merk­ma­le einer straf­recht­li­chen Ver­bots­norm. Ande­rer­seits zeich­net sich der durch die Rege­lung in § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB adres­sier­te Bereich der Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on durch hoch­tech­ni­sier­te Pro­zes­se aus, deren sach­ge­rech­te Rege­lung spe­zi­fi­schen Sach­ver­stand und die zeit­na­he Berück­sich­ti­gung des wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­fort­schritts erfor­dert.

Nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB wird das (heu­ti­ge) Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft (§ 4 Abs. 3 LFGB) unter ande­rem ermäch­tigt, soweit dies zur Durch­set­zung der Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Gemein­schaft erfor­der­lich ist, durch Rechts­ver­ord­nung ohne Zustim­mung des Bun­des­ra­tes die Tat­be­stän­de zu bezeich­nen, die als Straf­tat nach § 58 Abs. 3 LFGB zu ahn­den sind. Wegen des durch den Ver­weis auf § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB begrün­de­ten Sinn­zu­sam­men­han­ges sind die Vor­ga­ben die­ser Norm eben­falls für die gesetz­li­che Bestim­mung von Inhalt, Zweck und Aus­maß her­an­zu­zie­hen. § 58 Abs. 3 Nr. 2 LFGB gibt den aus­zu­fül­len­den Rah­men der­art vor, dass eine Zuwi­der­hand­lung gegen eine ande­re als in Absatz 2 genann­te unmit­tel­bar gel­ten­de Vor­schrift in Rechts­ak­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaft, die inhalt­lich einer Rege­lung ent­spricht, zu der die in Absatz 1 Num­mer 18 genann­ten Vor­schrif­ten ermäch­ti­gen, zu bezeich­nen ist. Die in Absatz 1 Num­mer 18 in Bezug genom­me­ne Vor­schrift des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB ermäch­tigt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um im Ein­ver­neh­men mit dem (dama­li­gen) Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie, durch Rechts­ver­ord­nung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes, soweit es zur Erfül­lung der in § 1 Abs. 1 Nr. 1, auch in Ver­bin­dung mit Abs. 2 bezie­hungs­wei­se Abs. 3 LFGB genann­ten Zwe­cke, mit­hin zum Schutz der Ver­brau­cher durch Vor­beu­gung gegen eine oder Abwehr einer Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit, erfor­der­lich ist, bei dem Her­stel­len oder Behan­deln von Lebens­mit­teln die Ver­wen­dung bestimm­ter Stof­fe, Gegen­stän­de oder Ver­fah­ren zu ver­bie­ten oder zu beschrän­ken, die Anwen­dung bestimm­ter Ver­fah­ren vor­zu­schrei­ben oder für bestimm­te Lebens­mit­tel Anfor­de­run­gen an das Her­stel­len, das Behan­deln oder das Inver­kehr­brin­gen zu stel­len.

Damit ist der Inhalt der Ermäch­ti­gung des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB aus­rei­chend detail­liert vor­ge­ge­ben und hin­rei­chend bestimmt. Wegen der in § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB ent­hal­te­nen Bezug­nah­me auf die in § 1 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 bezie­hungs­wei­se Abs. 3 LFGB vor­ge­ge­be­ne Zweck­set­zung ist auch fest­ge­legt, dass die Bezeich­nung der Tat­be­stän­de – anders als im Fal­le des § 10 Abs. 3 RiF­lE­ti­kettG a.F. [99] – nicht bloß der erfor­der­li­chen Durch­set­zung (irgend­wel­cher) Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Uni­on dient, son­dern nur sol­cher in unio­na­len Rechts­ak­ten ent­hal­te­ner Tat­be­stän­de, die ein abs­trakt oder kon­kret für die mensch­li­che Gesund­heit gefähr­li­ches Ver­hal­ten zum Gegen­stand haben. Das Aus­maß der Ermäch­ti­gung ist dabei auf­grund der Ent­spre­chungs­klau­sel dar­auf beschränkt, sol­che Bestim­mun­gen des Uni­ons­rechts zu bezeich­nen, die der Ver­ord­nungs­ge­ber auf Grund­la­ge von § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB selbst hät­te erlas­sen kön­nen. Die in der Ent­spre­chungs­klau­sel in Bezug genom­me­ne Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB stellt danach die gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung zu Inhalt und Pro­gramm der Ermäch­ti­gung des § 62 Abs. 1 Nr. 1 LFGB dar. Damit ist – wie­der­um anders als bei § 10 Abs. 3 RiF­lE­ti­kettG a.F. [100] – erkenn­bar, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber von sei­ner Ermäch­ti­gung in den Fäl­len Gebrauch machen muss, in denen bei dem Her­stel­len, Behan­deln oder Inver­kehr­brin­gen von Lebens­mit­teln Gefah­ren für die mensch­li­che Gesund­heit dro­hen. Erkenn­bar ist auch, dass die ent­spre­chen­de Bezeich­nung von Tat­be­stän­den ein Ver­bot oder eine Beschrän­kung der Ver­wen­dung bestimm­ter Stof­fe, Gegen­stän­de oder Ver­fah­ren oder das Gebot der Anwen­dung bestimm­ter Ver­fah­ren sowie Anfor­de­run­gen an das Her­stel­len, das Behan­deln oder das Inver­kehr­brin­gen zu bestim­men­der Lebens­mit­tel zum Gegen­stand haben kann. Zwar fehlt es inso­weit an einer gesetz­ge­be­ri­schen nament­li­chen Bezeich­nung der Rechts­ak­te, deren Ver­hal­tens­ge- oder ‑ver­bo­te zu beweh­ren sind. Die­ses Defi­zit hat der Gesetz­ge­ber aber durch die inhalt­li­chen Vor­ga­ben des § 13 Abs. 1 Nr. 1 und 2 LFGB kom­pen­siert. Wegen die­ser inhalt­li­chen Vor­ga­ben, an denen es im Fal­le des § 10 Abs. 3 RiF­lE­ti­kettG a.F. fehl­te [101], steht es auch nicht im Belie­ben des Ver­ord­nungs­ge­bers, wel­che Ge- oder Ver­bo­te mit Stra­fe zu beweh­ren sind. Es sind daher auch Zweck und Aus­maß der Ermäch­ti­gung hin­rei­chend bestimmt.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. März 2020 – 2 BvL 5/​17

  1. in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 26.04.2006, BGBl. I Sei­te 945, sowie vom 24.07.2009, BGBl. I Sei­te 2205[]
  2. LG Sta­de, Beschluss vom 15.03.2017 – 600 KLs 1100 Js 7647/​10 (1/​15) []
  3. ABl.EG Nr. L 31 S. 1[]
  4. ABl.EU Nr. L 139 S. 1, ber. ABl.EU Nr. L 226 S. 3 und ABl.EU 2008 Nr. L 46 S. 51, ber. ABl.EU 2009 Nr. L 58 S. 3[]
  5. ABl.EU Nr. L 139 S. 55, ber. ABl.EU Nr. L 226 S. 22, ABl.EU 2008 Nr. L 46 S. 50[][]
  6. vgl. etwa die Erwä­gungs­grün­de 1, 2, 7, 12, 13, 15, 16 Ver­ord­nung, EG Nr. 853/​2004[]
  7. BGBl I S. 2136[]
  8. vgl. Wal­lau, in: Zipfel/​Rathke, Lebens­mit­tel­recht, VBem § 1 LMRStraf­VO Rn. 1, August 2017[]
  9. BGBl I S. 1659[]
  10. ABl. EU Nr. L 245 S. 4[]
  11. ABl. EU Nr. L 100 S. 3[][]
  12. BGBl I S. 2630[]
  13. ABl. EG Nr. L 31 S. 1[]
  14. ABl. L 31 vom 01.02.2002, S. 1[]
  15. ABl. L 60 vom 05.03.2008, S. 17[]
  16. BGBl I S. 2205[]
  17. Fas­sung der Neu­be­kannt­ma­chung vom 24.07.2009, BGBl I S. 2205[]
  18. BGBl I S. 22[]
  19. vgl. die durch Art. 1 Nr. 3 der Zwei­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung der Lebens­mit­tel­recht­li­chen Straf- und Buß­geld­ver­ord­nung vom 20.05.2008, BGBl I S. 907, bewirk­te Ände­rung der Anla­ge[]
  20. ABl.EU Nr. L 281 S. 8[]
  21. vgl. die durch Art. 1 Nr. 2 der Drit­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung der Lebens­mit­tel­recht­li­chen Straf- und Buß­geld­ver­ord­nung vom 17.02.2009, BGBl I S. 394, bewirk­ten Ände­run­gen der Anla­ge[]
  22. ABl.EU 2008 Nr. L 277 S. 8[]
  23. vgl. BVerfGE 8, 274, 291 ff.; 117, 272, 291; stRspr[]
  24. vgl. BVerfGE 132, 302, 316 Rn. 37[]
  25. vgl. BVerfGE 1, 80, 81; 16, 305, 305; 19, 71, 72; 21, 148, 149; 29, 178, 179; 34, 52, 57; 114, 303, 315; stRspr[]
  26. vgl. BVerfGE 1, 80, 81; 16, 305, 305; 19, 71, 72; 21, 148, 149; 29, 178, 179; 34, 52, 57; 54, 159, 164; 114, 303, 315; stRspr[]
  27. vgl. BVerfGE 1, 80, 81 f.; 16, 305, 305; 19, 71, 72; 29, 178, 179; 34, 52, 57; 114, 303, 315 f.[]
  28. vgl. Git­ter­mann, in: Löwe-Rosen­berg, StPO, 26. Aufl.2014, § 76 GVG Rn. 4[][]
  29. vgl. BVerfGE 9, 20, 27[]
  30. vgl. BVerfGE 75, 329, 339; 120, 1, 24; 132, 302, 310; 136, 127, 142 f.[]
  31. vgl. BVerfGE 37, 328, 333 f.; 65, 265, 277[]
  32. vgl. BVerfGE 7, 171, 173 f.; 79, 240, 243; 105, 61, 67; 121, 108, 117; 133, 1, 11 Rn. 35; 135, 1, 10 f. Rn. 28; 136, 127, 142 Rn. 44; 138, 1, 13 Rn. 37[]
  33. vgl. BVerfGE 141, 1, 11 Rn. 22[][]
  34. vgl. Mai­er, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zur StPO, 1. Aufl.2016, § 260 Rn. 248[]
  35. vgl. BVerfGE 78, 165, 171 f.; 86, 71, 77 f.; 88, 70, 74; 88, 198, 201; 93, 121, 132; 138, 1, 13 f. Rn. 37[]
  36. vgl. BVerfGE 136, 127, 142 Rn. 45; 145 ff. Rn. 53 ff.; 138, 1, 15 f. Rn. 42; 141, 1, 11 Rn. 23[]
  37. vgl. exem­pla­risch Bül­te, BB 2016, S. 3075, 3078 f.; Dan­ne­cker, in: Kert/​Lehner, Fest­schrift für Frank Höp­fel zum 65. Geburts­tag, 2018, S. 577, 599 f.; Dannecker/​Bülte, in: Dannecker/​Gorny, Kom­men­tar zum Lebens­mit­tel­recht, § 58 LFGB Rn. 272, 277, Dezem­ber 2016; Dannecker/​Bülte, in: Achenbach/​Ransiek/​Rönnau, Hand­buch Wirt­schafts­straf­recht, 5. Aufl.2019, 5. Ver­stö­ße gegen Ge- und Ver­bots­nor­men des Gemein­schafts-/Uni­ons­rechts, die natio­na­len Ge- und Ver­bots­nor­men ent­spre­chen, § 58 Abs. 3 LFGB, Rn. 252; Dorneck, in: Stam/​Werkmeister, Der All­ge­mei­ne Teil des Straf­rechts in der aktu­el­len Recht­spre­chung, 2019, S. 9, 29 f.; Hecker, Euro­päi­sches Straf­recht, 5. Aufl.2015, Kap. 7 Rn. 100 f.; Hon­stet­ter, NZWiSt 2017, S. 325, 327 f.; Pau­ly, StoffR 2017, S. 265, 267 f.; Rohnfelder/​Freytag, in: Erbs/​Kohlhaas, Straf­recht­li­che Neben­ge­set­ze, § 58 LFGB Rn. 10a, Janu­ar 2018; Pfohl, in: Mül­ler-Gugen­ber­ger, Wirt­schafts­straf­recht, 6. Aufl.2015, § 72 Rn. 55 f.; Satz­ger, Inter­na­tio­na­les und Euro­päi­sches Straf­recht, 8. Aufl.2018, § 9 Rn. 72 f.; Schmitz, wis­tra 2017, S. 455 f.; Wal­lau, LMuR 2016, S. 229, 231 f. einer­seits sowie Boch, ZLR 2017, S. 317, 321 ff.; Bosch, in: Meyer/​Streinz, LFGB, 2. Aufl.2012, § 58 Rn. 1, 6 f.; Brand/​Kratzer, JR 2018, S. 422, 431 f.; Knie­rim, in: Esser/​Rübenstahl/​Saliger/​Tsambikakis, Wirt­schafts­straf­recht, 2017, Vor §§ 5861 LFGB Rn. 7; Sack­reu­ther, in: Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, 2. Aufl.2017, Vor §§ 5861 LFGB Rn. 26, § 58 LFGB Rn. 41 ff.; Schüt­zen­dü­bel, Die Bezug­nah­me auf EU-Ver­ord­nun­gen in Blan­kett­straf­ge­set­zen, 2012, S. 334 ff. ande­rer­seits[]
  38. vgl. BVerfGE 122, 1, 20 f.; 129, 78, 90 f.; 140, 317, 335 f. Rn. 39; fer­ner BVerfG, Beschluss vom 06.11.2019 – 1 BvR 16/​13, Rn. 42[]
  39. vgl. BVerfGE 143, 38, 51 ff. Rn. 31 ff.[]
  40. vgl. BVerfGE 150, 1, 115 Rn. 239[]
  41. vgl. BVerfGE 14, 174, 185; 14, 245, 251; 22, 21, 25; 32, 346, 362; 38, 348, 371; 143, 38, 52 Rn. 34; stRspr[]
  42. vgl. BVerfGE 14, 174, 185; 73, 206, 234; 75, 329, 340; 126, 170, 194; 130, 1, 43; 143, 38, 52 f. Rn. 35; stRspr[]
  43. vgl. BVerfGE 47, 109, 120; 57, 250, 262; 73, 206, 234 f.; 75, 329, 341; 78, 374, 382; 92, 1, 12; 126, 170, 194 f.; 130, 1, 43; 143, 38, 53 Rn. 36; stRspr[]
  44. vgl. BVerfGE 123, 267, 408; 126, 170, 194; 143, 38, 53 Rn. 36[]
  45. vgl. BVerfGE 75, 329, 341 m.w.N.; 126, 170, 194 f.[]
  46. vgl. BVerfGE 143, 38, 53 Rn. 37[]
  47. stRspr seit BVerfGE 25, 269, 285[]
  48. vgl. BVerfGE 101, 1, 34; 108, 282, 312; 150, 1, 96 ff. Rn.190 ff.[]
  49. vgl. BVerfGE 93, 213, 238[]
  50. vgl. BVerfGE 143, 38, 53 f. Rn. 38[]
  51. vgl. BVerfGE 126, 170, 195 m.w.N.[]
  52. vgl. BVerfGE 14, 174, 185 f.; 75, 329, 342; 78, 374, 382; 143, 38, 54 Rn. 39; stRspr[]
  53. vgl. BVerfGE 47, 109, 120; 78, 374, 382; 143, 38, 54 Rn. 39[]
  54. vgl. BVerfGE 14, 245, 251; 78, 374, 383; 143, 38, 54 Rn. 39[]
  55. vgl. BVerfGE 14, 245, 251; 75, 329, 342; 143, 38, 54 Rn. 39[]
  56. vgl. BVerfGE 28, 175, 183; 47, 109, 120 f.; 126, 170, 195; 131, 268, 307; 143, 38, 54 Rn. 40[]
  57. vgl. BVerfGE 14, 245, 251; 143, 38, 54 f. Rn. 40[]
  58. vgl. BVerfGE 11, 234, 237; 28, 175, 183; 48, 48, 56; 92, 1, 12; 126, 170, 196; 131, 268, 306 f.; 143, 38, 55 Rn. 41[]
  59. vgl. BVerfGE 45, 363, 371 f.; 86, 288, 311; 131, 268, 307; 143, 38, 55 Rn. 41[]
  60. vgl. BVerfGE 28, 175, 183; 86, 288, 311; 126, 170, 196; 131, 268, 307; 134, 33, 81 f. Rn. 112; 143, 38, 55 Rn. 41[]
  61. vgl. BVerfGE 75, 329, 342; 126, 170, 196[]
  62. vgl. BVerfGE 48, 48, 57; 126, 170, 196[]
  63. vgl. BVerfGE 5, 25, 31; 22, 330, 346; 26, 338, 365 f.; 47, 285, 311; 143, 38, 55 Rn. 42[]
  64. vgl. BVerfGE 47, 285, 311 f.; 143, 38, 55 Rn. 42[]
  65. vgl. BVerfGE 29, 198, 210; 143, 38, 55 f. Rn. 42[]
  66. vgl. BVerfGE 26, 338, 366; 47, 285, 312; 60, 135, 155; 67, 348, 362 f.; 78, 32, 35 f.; 143, 38, 56 Rn. 43[]
  67. vgl. BVerfGE 47, 285, 312 ff.; 78, 32, 36; 141, 143, 176 f. Rn. 75; 143, 38, 56 Rn. 43[]
  68. vgl. BVerfGE 14, 245, 252; 87, 399, 407; 143, 38, 56 Rn. 44[]
  69. vgl. BVerfGE 14, 245, 252 f.; 48, 48, 55; 51, 60, 74; 75, 329, 342; 143, 38, 56 Rn. 44[]
  70. vgl. BVerfGE 23, 265, 269; 143, 38, 56 Rn. 44[]
  71. vgl. BVerfGE 29, 198, 210; 143, 38, 57 Rn. 45[]
  72. vgl. EuGH, Urteil vom 10.10.1973, Vario­la, – C-34/​73, Slg. 1973, S. 981, 990; Urteil vom 02.02.1977, Ams­ter­dam Bulb, – C-50/​76, Slg. 1977, S. 137, 146 f.; Urteil vom 28.03.1985, Kommission/​Italienische Repu­blik, – C-272/​83, Slg. 1985, S. 1057, 1074; BVerfGE 143, 38, 57 Rn. 45[]
  73. vgl. BVerfGE 14, 174, 185 f.; 23, 265, 269; 37, 201, 208 f.; 75, 329, 342; 78, 374, 382 f.; 143, 38, 57 Rn. 46[]
  74. vgl. BVerfGE 23, 265, 270; 37, 201, 209; 75, 329, 342, 344 ff.; 87, 399, 407; 143, 38, 57 Rn. 46[]
  75. vgl. BVerfGE 14, 174, 185 f.; 14, 245, 251; 75, 329, 342; 78, 374, 382 f.; 143, 38, 57 f. Rn. 47; stRspr[]
  76. vgl. BVerfGE 14, 174, 187; 14, 245, 251; 22, 21, 25; 23, 265, 269 f.; 75, 329, 342; 78, 374, 383; 143, 38, 58 Rn. 47[]
  77. vgl. Schüt­zen­dü­bel, Die Bezug­nah­me auf EU-Ver­ord­nun­gen in Blan­kett­straf­ge­set­zen, 2012, S. 336 ff.[]
  78. vgl. BVerfGE 143, 38, 58 Rn. 47[]
  79. vgl. BVerfGE 143, 38, 58 f. Rn. 50[]
  80. vgl. Bau­er, in: Drei­er, GG, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 80 Rn. 12[]
  81. vgl. BVerfGE 7, 267, 274; 8, 274, 311, 321; 42, 191, 203; 101, 1, 35; Bau­er, in: Drei­er, GG, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 80 Rn. 12[]
  82. vgl. Hecker, Euro­päi­sches Straf­recht, 5. Aufl.2015, Kap. 7 Rn. 101[]
  83. vgl. BVerfGE 143, 38, 59 Rn. 51[]
  84. vgl. Boch, ZLR 2017, S. 317, 323; Schüt­zen­dü­bel, Die Bezug­nah­me auf EU-Ver­ord­nun­gen in Blan­kett­straf­ge­set­zen, 2012, S. 336 ff.[]
  85. so aber Satz­ger, Inter­na­tio­na­les und Euro­päi­sches Straf­recht, 8. Aufl.2018, § 9 Rn. 73[]
  86. vgl. BVerfGE 78, 249, 272[]
  87. vgl. Calliess/​Kahl/​Puttler, in: Calliess/​Ruffert, EUV/​AEUV, 5. Aufl.2016, Art. 4 EUV Rn. 60; Mar­au­hn, in: Schulze/?Zuleeg/Kadelbach, Euro­pa­recht, 3. Aufl.2015, § 7 Rn. 36[]
  88. vgl. Calliess/​Kahl/​Puttler, in: Calliess/​Ruffert, EUV/​AEUV, 5. Aufl.2016, Art. 4 EUV Rn. 60 mit Ver­weis auf EuGH, Urteil vom 18.12 1997 – C‑263/​96, Rn. 26, 33?ff.; fer­ner Streinz, in: ders., EUV/​AEUV, Art. 4 EUV Rn. 47 für die aus einer Richt­li­nie fol­gen­de Umset­zungs­pflicht[]
  89. vgl. Calliess/​Kahl/​Puttler, in: Calliess/​Ruffert, EUV/​AEUV, 5. Aufl.2016, Art. 4 EUV Rn. 59[]
  90. vgl. BVerfGE 29, 198, 210; 58, 257, 277; 80, 1, 20; 113, 167, 268 f.; 143, 38, 60 Rn. 54; 150, 1, 99 ff. Rn.198 ff.[]
  91. vgl. BVerfGE 8, 274, 307; 80, 1, 20 f.; 106, 1, 19; 113, 167, 269; 143, 38, 60 Rn. 55; 150, 1, 102 Rn.205; stRspr[]
  92. vgl. BVerfGE 58, 257, 277 f.; 80, 1, 20 f.; 113, 167, 269; 143, 38, 60 f. Rn. 56; 150, 1, 98 Rn.196[]
  93. vgl. BVerfGE 56, 1, 13; 150, 1, 102 Rn.204[]
  94. vgl. BVerfGE 101, 1, 35[]
  95. vgl. BVerfGE 19, 17, 28 ff.[]
  96. vgl. BVerfGE 19, 17, 31; 143, 38, 61 Rn. 58[]
  97. vgl. BVerfGE 143, 38, 61 f. Rn. 58[]
  98. vgl. BVerfGE 47, 285, 311; 143, 38, 62 Rn. 59[]
  99. vgl. BVerfGE 143, 38, 63 Rn. 62[]
  100. vgl. BVerfGE 143, 38, 63 f. Rn. 64[]
  101. vgl. BVerfGE 143, 38, 64 Rn. 65 f.[]