Das nicht gewähr­te letz­te Wort

Bei einem gestän­di­gen Ange­klag­ten kann bei Nicht­ge­wäh­rung des letz­ten Wor­tes zwar der Rechts­fol­gen­aus­spruch, regel­mä­ßig aber nicht der Schuld­spruch auf einem sol­chen Ver­fah­rens­feh­ler beru­hen.

Das nicht gewähr­te letz­te Wort

Auf dem dar­ge­leg­ten und im Rah­men einer zuläs­si­gen Ver­fah­rens­rüge aus­ge­führ­ten Ver­fah­rens­feh­ler der Nicht­ge­wäh­rung des letz­ten Wor­tes an den Ange­klag­ten gem. § 258 Abs. 2 StPO kann der Schuld­spruch nicht beru­hen. Bei einem gestän­di­gen Ange­klag­ten kann zwar der Rechts­fol­gen­aus­spruch, regel­mä­ßig aber nicht der Schuld­spruch auf einem sol­chen Ver­fah­rens­feh­ler beru­hen 1. Das Ober­lan­des­ge­richt kann ange­sichts des voll­um­fäng­li­chen Geständ­nis­ses des Ange­klag­ten durch Ver­tei­di­gerer­klä­rung in der Haupt­ver­hand­lung und der ansons­ten gege­be­nen kla­ren Beweis­la­ge aus­schlie­ßen, dass der Ange­klag­te in einem letz­ten Wort etwas inso­fern Erheb­li­ches hät­te bekun­den kön­nen.

Inso­weit ver­wirft das Ober­lan­des­ge­richt die Revi­si­on des Ange­klag­ten auf Antrag der Staats­an­walt­schaft gem. § 349 Abs. 2 StPO.

Dage­gen kann der Aus­spruch über die Stra­fe auf dem Ver­fah­rens­feh­ler beru­hen.

Es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass der Ange­klag­te, wäre ihm das letz­te Wort erteilt wor­den, Aus­füh­run­gen gemacht hät­te, wel­che die Straf­zu­mes­sung zu sei­nen Guns­ten beein­flusst hät­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 9. Febru­ar 2015 – 32 Ss 167/​14

  1. vgl. BGH, NStZ 2012, 587, Beschluss vom 17.07.2012, Az.: 5 StR 253/​12; BGH, NStZ-RR 2010, 152, Beschluss vom 04.02.2010, Az.: 1 StR 3/​10[]