Rechts­feind­li­ches Leug­nen der Tat im Pro­zess – und die Falsch­aus­sa­ge der Zeu­gin

Das blo­ße Dul­den der fal­schen Aus­sa­ge eines Zeu­gen in der Haupt­ver­hand­lung darf nur dann straf­schär­fend zulas­ten des Ange­klag­ten ver­wer­tet wer­den, wenn es nicht allein auf Furcht vor Bestra­fung beruh­te, son­dern Aus­druck von Rechts­feind­lich­keit und Unein­sich­tig­keit wäre 1.

Rechts­feind­li­ches Leug­nen der Tat im Pro­zess – und die Falsch­aus­sa­ge der Zeu­gin

Dies käme ins­be­son­de­re dann in Betracht, wenn der Ange­klag­te die Zeu­gin zu der Falsch­aus­sa­ge zu sei­nen Guns­ten ver­an­lasst oder sie in Kennt­nis ihrer Bereit­schaft hier­zu als Zeu­gin benannt hät­te.

Nach­dem das Leug­nen der Tat ein zuläs­si­ges Ver­tei­di­gungs­ver­hal­ten des Ange­klag­ten dar­stellt 2, des­sen Gren­zen auch dann nicht über­schrit­ten sein dürf­ten, wenn dadurch der Tat­ver­dacht gegen einen ande­ren wesent­lich ver­stärkt wird 3, kann auch die­ses Ver­hal­ten für sich genom­men nicht zur Begrün­dung einer ent­spre­chen­den Gesin­nung her­an­ge­zo­gen wer­den sein.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Juli 2015 – 1 StR 323/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 13.01.1993 – 3 StR 491/​92, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Nacht­at­ver­hal­ten 20; BGH, Beschluss vom 04.12 2003 – 4 StR 439/​03, Straf­Fo 2004, 104[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 06.07.2010 – 3 StR 219/​10, NStZ 2010, 692[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 09.10.2012 – 5 StR 453/​12[]