Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten in den Urteils­grün­den

Das Tat­ge­richt hat in Fäl­len, in denen es dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen folgt, grund­sätz­lich des­sen wesent­li­che Anknüp­fungs­tat­sa­chen und Schluss­fol­ge­run­gen so dar­zu­le­gen, dass das Rechts­mit­tel­ge­richt prü­fen kann, ob die Beweis­wür­di­gung auf einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht und die Ergeb­nis­se nach den Geset­zen der Logik, den Erfah­rungs­sät­zen des täg­li­chen Lebens und den Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft mög­lich sind [1].

Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten in den Urteils­grün­den

Nur wenn dem Gut­ach­ten ein all­ge­mein aner­kann­tes und weit­hin stan­dar­di­sier­tes Ver­fah­ren zugrun­de­liegt, wie dies etwa bei dak­ty­lo­sko­pi­schen Gut­ach­ten, der Blut­al­ko­hol­ana­ly­se oder der Bestim­mung des Wirk­stoff­ge­halts von Betäu­bungs­mit­teln der Fall ist, genügt das Mit­tei­len des erziel­ten Ergeb­nis­ses [2].

Die­sen Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen wur­de im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Beweis­wür­di­gung des erst­in­stanz­lich täti­gen Land­ge­richts nicht gerecht. Es hat ledig­lich das Ergeb­nis des rechts­me­di­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens mit­ge­teilt, wonach der Ange­klag­te bei Bege­hung der Taten „wahr­schein­lich über 25, 03 Jah­re gewe­sen sei“. Weder die Anknüp­fungs­tat­sa­chen hier­für noch die ange­wand­te wis­sen­schaft­li­che Metho­de (denk­bar etwa eine kör­per­li­che Unter­su­chung, Rönt­gen­auf­nah­me des Gebis­ses oder der lin­ken Hand sowie Unter­su­chung der Schlüs­sel­bei­ne) wer­den dar­ge­stellt. Viel­mehr wird eine zusätz­li­che Unklar­heit dadurch geschaf­fen, dass „sta­tis­tisch“ zum Unter­su­chungs­zeit­punkt am 15.04.2019 „ein Alter von 21, 6 Jah­ren“ nicht aus­zu­schlie­ßen sei. Ist aber der Her­an­wach­sen­den­sta­tus eines Ange­klag­ten zum Zeit­punkt der Tat nicht sicher aus­zu­schlie­ßen, so ist nach dem Grund­satz in dubio pro reo davon aus­zu­ge­hen, dass er bei Bege­hung der Tat noch Her­an­wach­sen­der war [3].

Die Sache bedurf­te daher im Rechts­fol­gen­aus­spruch der neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. April 2020 – 1 StR 28/​20

  1. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 23.01.2020 – 3 StR 433/​19 Rn.20; Beschlüs­se vom 19.12.2019 – 4 StR 496/​19 Rn. 4; vom 22.05.2019 – 1 StR 79/​19 Rn. 5; und vom 24.01.2019 – 1 StR 564/​18 Rn. 7[]
  2. BGH aaO[]
  3. BGH, Urtei­le vom 23.05.2002 – 3 StR 58/​02 Rn. 8, BGHSt 47, 311, 313; und vom 23.02.1954 – 1 StR 723/​53, BGHSt 5, 366, 370[]