Das Schwergewicht der Tat – oder: Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht?

Der Richter wird für die Frage, ob Erwachsenenoder Jugendstrafrecht anzuwenden ist – dies richtet sich im vorliegenden Fall entsprechend § 32 JGG danach, ob das Schwergewicht der gemäß § 154 StPO eingestellten Taten und der verfahrensgegenständlichen Tat bei Straftaten liegt, für die Jugendstrafrecht gilt1 –, eine umfassende Gesamtwürdigung aller hierfür bedeutsamen Umstände vorzunehmen haben.

Das Schwergewicht der Tat - oder: Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht?

Maßgeblich für die Bestimmung des Schwergewichts sind insoweit nicht nur die jeweiligen Auswirkungen der Taten (Umfang der jeweils verursachten Hinterziehungsbeträge), sondern insbesondere, ob sich die späteren Straftaten als in den früheren bereits angelegt darstellen, ob sie also bei Betrachtung der Persönlichkeitsentwicklung des Angeklagten ihren Ursprung im Jugendalter haben bzw. wo die “Tatwurzeln” liegen2.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 7. Februar 2019 – 1 StR 485/18

  1. vgl. hierzu OLG Düsseldorf, Beschluss vom 29.03.2016 – III3 RVs 79/16, NStZ-RR 2017, 28 f.; HKJGG/Schatz, 7. Aufl., § 32 Rn. 44; Eisenberg, JGG, 20. Aufl., § 32 Rn.20 mwN; Brunner/Dölling, JGG, 13. Aufl. § 32 Rn. 1; Drees, NStZ 1995, 481 []
  2. vgl. BGH, Urteile vom 29.11.2017 – 2 StR 460/16, NStZ 2018, 662 f. mwN; und vom 24.03.1954 – 6 StR 84/54, BGHSt 6, 6 f.; Beschluss vom 15.06.1994 – 2 StR 229/94 Rn. 15 []