Das ver­such­te Tötungs­de­likt – im min­der schwe­ren Fall

In den Fäl­len, in denen das Gesetz – wie hier – bei einer Straf­tat einen min­der schwe­ren Fall vor­sieht und ein oder meh­re­re gesetz­li­che Mil­de­rungs­grün­de nach § 49 Abs. 1 StGB gege­ben sind, ist bei der Straf­rah­men­wahl vor­ran­gig zu prü­fen, ob ein min­der schwe­ren Fall vor­liegt.

Das ver­such­te Tötungs­de­likt – im min­der schwe­ren Fall

Ist nach einer Abwä­gung aller all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Falls abzu­leh­nen, sind bei der wei­ter­ge­hen­den Prü­fung, ob der mil­de­re Son­der­straf­rah­men zur Anwen­dung kommt, schritt­wei­se gesetz­lich ver­typ­te Straf­mil­de­rungs­grün­de zusätz­lich her­an­zu­zie­hen.

Erst wenn der Tatrich­ter danach wei­ter­hin kei­nen min­der schwe­ren Fall für gerecht­fer­tigt hält, darf er sei­ner kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung den (allein) wegen der gege­be­nen gesetz­lich ver­typ­ten Mil­de­rungs­grün­de gemil­der­ten Regel­straf­rah­men zu Grun­de legen 1.

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat­te das Land­ge­richt die­se Prü­fungs­rei­hen­fol­ge nicht beach­tet und erkenn­bar nicht erwo­gen, ob das Vor­lie­gen eines ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des allein oder zusam­men mit ande­ren Umstän­den das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Falls begrün­det. In die­sem Fall hät­te sich durch die dann mög­li­che Straf­rah­men­mil­de­rung wegen des zwei­ten ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des für den Ange­klag­ten ein güns­ti­ge­rer Straf­rah­men von drei Mona­ten bis zu sie­ben Jah­ren und sechs Mona­ten Frei­heits­stra­fe erge­ben. Nur dann, wenn die tatrich­ter­li­che Beur­tei­lung zu dem Ergeb­nis geführt hät­te, dass bei­de ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grün­de zur Begrün­dung eines sons­ti­gen min­der schwe­ren Falls im Sin­ne von § 213 StGB erfor­der­lich sind, wäre der vom Land­ge­richt zugrun­de geleg­te dop­pelt gemil­der­te Straf­rah­men des § 212 Abs. 1 StGB für den Ange­klag­ten güns­ti­ger 2.

Da die Straf­kam­mer die Ein­zel­stra­fe hier auf vier Jah­re und damit erkenn­bar (knapp) unter­halb der Hälf­te des – rechts­feh­ler­haft auf sechs Mona­te bis acht Jah­re und fünf Mona­te bestimm­ten – Straf­rah­mens fest­ge­setzt hat, kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass sie unter Beach­tung der genann­ten Prü­fungs­rei­hen­fol­ge zu einem dem Ange­klag­ten güns­ti­ge­ren Straf­rah­men gelangt und in des­sen Rah­men eine mil­de­re Frei­heits­stra­fe bestimmt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. März 2019 – 2 StR 17/​19

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 16.11.2017 – 2 StR 404/​17 – Rn. 2, juris; BGH, Beschluss vom 04.04.2017 – 3 StR 516/​16 – Rn. 6, NStZ 2017, 524; Urteil vom 09.02.2017 – 1 StR 415/​16, Rn. 13, NStZ-RR 2017, 168[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 21.11.2007 – 2 StR 449/​07 – Rn. 6, NStZ-RR 2008, 105[]
  3. vgl. Fischer, StGB, 66. Aufl., § 20 Rn. 24a f.[]