Das nicht mehr letz­te Wort des Ange­klag­ten

Jeder Wie­der­ein­tritt in die Ver­hand­lung nimmt den Aus­füh­run­gen des Ange­klag­ten die recht­li­che Bedeu­tung als Schluss­vor­trag und letz­tes Wort, so dass § 258 StPO nach jedem Wie­der­ein­tritt erneut zu beach­ten ist 1.

Das nicht mehr letz­te Wort des Ange­klag­ten

Die­se Ver­pflich­tung ent­fällt nur, wenn nach dem letz­ten Wort aus­schließ­lich Vor­gän­ge erör­tert wer­den, die auf die gericht­li­che Ent­schei­dung kei­nen Ein­fluss haben kön­nen 2.

Dies ist bei einer teil­wei­sen Ver­fah­rens­ein­stel­lung nach § 154 Abs. 2 StPO jedoch nicht der Fall.

Der auf­ge­zeig­te Ver­stoß gegen § 258 Abs. 2 StPO führt zur Auf­he­bung des Urteils zumin­dest im Straf­aus­spruch.

Die Nicht­er­tei­lung des letz­ten Wor­tes begrün­det nicht aus­nahms­los die Revi­si­on, son­dern nur inso­weit, als das Urteil dar­auf beruht 3. Im hier ent­schie­de­nen Fall konn­te der Bun­des­ge­richts­hof im Hin­blick auf die gestän­di­ge Ein­las­sung des Ange­klag­ten und die Tat­sa­che, dass sich das Pro­zess­ge­sche­hen nach Wie­der­ein­tritt in die Ver­hand­lung nur auf nach § 154 Abs. 2 StPO ein­ge­stell­te Ver­fah­rens­tei­le bezog, aus­schlie­ßen, dass der Schuld­spruch auf dem Ver­fah­rens­feh­ler beruht. Dies gilt indes nicht für den Straf­aus­spruch ein­schließ­lich der zuge­hö­ri­gen Fest­stel­lun­gen 4. Der Straf­aus­spruch bedarf daher ins­ge­samt neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Mai 2017 – 1 StR 35/​17

  1. BGH, Urteil vom 15.11.1968 – 4 StR 190/​68, BGHSt 22, 278; Beschlüs­se vom 18.09.2013 – 1 StR 380/​13, NStZ-RR 2014, 15; und vom 11.03.2014 – 5 StR 70/​14, Stra­Fo 2014, 251[]
  2. BGH, Beschluss vom 18.09.2013 – 1 StR 380/​13, NStZ-RR 2014, 15[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.05.2009 – 4 StR 51/​09, Stra­Fo 2009, 333; vom 04.06.2013 – 1 StR 193/​13, NStZ 2013, 612; und vom 18.09.2013 – 1 StR 380/​13, NStZ-RR 2014, 15[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 24.06.2014 – 3 StR 185/​14, NStZ 2015, 105[]