Der 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs – und die Fra­ge sei­ner vor­schrifts­mä­ßi­gen Beset­zung

Der 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs ist jeden­falls nach eige­ner Ein­schät­zung der­zeit ord­nungs­ge­mäß besetzt. Dem ste­he nicht ent­ge­gen, dass er seit dem 1.11.2014 kei­nen plan­mä­ßi­gen Vor­sit­zen­den hat.

Der 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs – und die Fra­ge sei­ner vor­schrifts­mä­ßi­gen Beset­zung

Der frü­he­re Vor­sit­zen­de des 5. Straf­se­nats, Vor­sit­zen­der Rich­ter am Bun­des­ge­richts­hof a.D. Bas­dorf, ist nach Errei­chen der Alters­gren­ze zum 01.11.2014 in den Ruhe­stand getre­ten. Seit­dem ist die Stel­le vakant. Der 5. Straf­se­nat wird von Rich­ter am Bun­des­ge­richts­hof San­der als vom Prä­si­di­um bestimm­tem Ver­tre­ter (§ 21f Abs. 2 Satz 1 GVG) geführt. Dar­an hat das Prä­si­di­um des Bun­des­ge­richts­hofs bei der Auf­stel­lung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans für das Jahr 2015 (§ 21e Abs. 1 Satz 2 GVG) nichts geän­dert. Durch Beschluss des Prä­si­di­ums vom 26.03.2015 ist Rich­ter am Bun­des­ge­richts­hof Feilcke mit Wir­kung zum 09.04.2015 dem 5. Straf­se­nat zuge­wie­sen wor­den. Der Senat ist seit­her wie­der mit sie­ben Bun­des­rich­tern besetzt, von denen sechs dem Bun­des­ge­richts­hof seit mehr als fünf Jah­ren ange­hö­ren.

Auf der Grund­la­ge der hier­zu ergan­ge­nen Recht­spre­chung 1 ist der 5. Straf­se­nat – nach eige­ner Ein­schät­zung – ord­nungs­ge­mäß besetzt.

Das Ver­fah­ren zur Wie­der­be­set­zung der Stel­le des Vor­sit­zen­den Rich­ters ist im Juni 2014 mit dem Inter­es­se­be­kun­dungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den. Der Beset­zungs­vor­schlag der Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts­hofs an den Bun­des­mi­nis­ter der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz zur Neu­be­set­zung der Stel­le erfolg­te nach den erfor­der­li­chen Betei­li­gun­gen am 28.10.2014. Am 6.02.2015 teil­te der Bun­des­mi­nis­ter der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz dem Bun­des­prä­si­den­ten sei­nen Beset­zungs­vor­schlag mit. Das Ver­fah­ren konn­te jedoch nicht abge­schlos­sen wer­den, weil der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg mit Beschluss vom 12.08.2015 der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in einem Kon­kur­ren­ten­streit­ver­fah­ren durch einst­wei­li­ge Anord­nung unter­sagt hat, die beab­sich­tig­te Ernen­nung aus­zu­spre­chen, bevor über die Bewer­bung des kla­gen­den Kon­kur­ren­ten unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts eine neue Aus­wahl­ent­schei­dung getrof­fen wor­den ist 2. Im Ver­fah­ren müs­sen die grund­sätz­li­chen Vor­ga­ben des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs zum Beur­tei­lungs­we­sen nach den erfor­der­li­chen ver­wal­tungs­in­ter­nen Abstim­mun­gen umge­setzt wer­den.

Das Beför­de­rungs­ver­fah­ren ist dem­ge­mäß früh­zei­tig ein­ge­lei­tet wor­den und wird mit der gebo­te­nen Zügig­keit betrie­ben. Im Blick dar­auf lie­gen beson­de­re Umstän­de vor, die es jeden­falls der­zeit recht­fer­ti­gen, dass der 5. Straf­se­nat durch den vom Prä­si­di­um bestimm­ten stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den gelei­tet wird. Die Ein­rich­tung eines "Dop­pel­vor­sit­zes" ist im Prä­si­di­um neben ande­ren Mög­lich­kei­ten in der Sit­zung vom 15.09.2015 ein­ge­hend erör­tert wor­den. Jedoch kommt ein "Dop­pel­vor­sitz" schon auf­grund der ört­li­chen Gege­ben­hei­ten nicht in Betracht 3.

Die Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung des 5. Straf­se­nats ist im Übri­gen im Rah­men der gegen­wär­ti­gen Orga­ni­sa­ti­on jeden­falls nicht weni­ger effek­tiv gewähr­leis­tet als – mit der dadurch jeweils beding­ten Ein­ar­bei­tungs­zeit – bei Über­nah­me eines Dop­pel­vor­sit­zes durch einen Vor­sit­zen­den Rich­ter eines ande­ren Straf­se­nats oder der kurz­fris­ti­gen Über­nah­me des Vor­sit­zes des 5. Straf­se­nats durch einen sol­chen. Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de ist seit Febru­ar 2013 Mit­glied des 5. Straf­se­nats und ver­mag des­sen Recht­spre­chung sowie die anhän­gi­gen Ver­fah­ren und deren Stand des­halb zu über­bli­cken. Er lei­tet sämt­li­che Bera­tun­gen des Senats. Die Gefahr eines Diver­gie­rens der Judi­ka­tur ist fer­ner wegen der per­so­nel­len Über­schnei­dun­gen in den vor­han­de­nen drei Sitz­grup­pen denk­bar gering.

Der 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs weist abschlie­ßend auf Fol­gen­des hin: Es ist nicht zu erken­nen, wes­halb eine Über­gangs­lö­sung im vor­ge­nann­ten Sin­ne den sich aus der ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Garan­tie des gesetz­li­chen Rich­ters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) resul­tie­ren­den Anfor­de­run­gen bes­ser gerecht wer­den soll­te, als die dem – ord­nungs­ge­mäß zustan­de gekom­me­nen – Geschäfts­ver­tei­lungs­plan ent­spre­chen­de gegen­wär­ti­ge Beset­zung. Auch aus die­sem Grund bedürf­te es einer beson­de­ren Recht­fer­ti­gung, bei einem ande­ren Senat eine wie­der­um unvoll­stän­di­ge Beset­zung her­bei­zu­füh­ren, die vom Aus­gangs­punkt der Beschwer­de­füh­rer aus betrach­tet geeig­net wäre, nach gewis­sem Zeit­ab­lauf ihrer­seits zu einer geset­zes­wid­ri­gen Beset­zung zu füh­ren. Ohne­hin erscheint aller­dings schon frag­lich, ob eine vor­über­ge­hen­de Umset­zung eines Vor­sit­zen­den über­haupt zu einer Ver­hin­de­rungs­la­ge im Sin­ne des § 21f Abs. 2 GVG in des­sen ursprüng­li­chem Senat füh­ren könn­te, die zum Tätig­wer­den des stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den berech­ti­gen wür­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Novem­ber 2015 – 5 StR 420/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 26.03.2013 – 4 StR 556/​12, BGHR GVG § 21f Vor­sit­zen­der 2 mit zahl­rei­chen Nach­wei­sen[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 12.08.2015 – 4 S 1405/​15[]
  3. vgl. hier­zu und zum Gan­zen BGH, Beschluss vom 26.03.2013 – 4 StR 556/​12 aaO; zur gebo­te­nen Ein­zel­fall­prü­fung sie­he auch BGH, Urteil vom 12.03.2015 – – VII ZR 173/​13, NJW 2015, 1685 Rn. 36; jeweils mwN[]