Der Ali­bi­zeu­ge – und sein anfäng­li­ches Schwei­gen

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs darf die Unglaub­wür­dig­keit eines zur Ver­wei­ge­rung des Zeug­nis­ses berech­tig­ten Zeu­gen aus Rechts­grün­den indes nicht dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass die­ser zunächst geschwie­gen und erst spä­ter sei­ne ent­las­ten­den Anga­ben gemacht hat.

Der Ali­bi­zeu­ge – und sein anfäng­li­ches Schwei­gen

Wür­de die Tat­sa­che, dass ein Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­be­rech­tig­ter von sich aus nichts zur Auf­klä­rung bei­getra­gen hat, geprüft und gewer­tet, so könn­te er von sei­nem Schwei­ge­recht nicht mehr unbe­fan­gen Gebrauch machen, weil er befürch­ten müss­te, dass dar­aus spä­ter Schlüs­se zu Las­ten des Ange­klag­ten gezo­gen wür­den 1.

Das Ver­bot, aus der Zeug­nis­ver­wei­ge­rung eines Ange­hö­ri­gen gegen den Ange­klag­ten nach­tei­li­ge Schlüs­se zu zie­hen, gilt auch dann, wenn der zur Zeug­nis­ver­wei­ge­rung Berech­tig­te über­haupt kei­ne Anga­ben macht 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Okto­ber 2015 – 3 StR 288/​15

  1. BGH, Urteil vom 02.04.1987 – 4 StR 46/​87, BGHR StPO § 52 Abs. 1 Ver­wei­ge­rung 1; Beschlüs­se vom 22.05.2001 – 3 StR 130/​01, StV 2002, 4; vom 13.08.2009 – 3 StR 168/​09, NStZ 2010, 101, 102[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 22.03.1988 – 4 StR 35/​88, BGHR StPO § 261 Aus­sa­ge­ver­hal­ten 8; vom 16.07.1991 – 1 StR 377/​91, StV 1991, 450[]