Der Deal außer­halb der Haupt­ver­hand­lung – und die Mit­tei­lungs­pflicht des Gerichts

Die Infor­ma­ti­on über das wäh­rend unter­bro­che­ner Haupt­ver­hand­lung zwi­schen Gericht, Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung geführ­te Ver­stän­di­gungs­ge­spräch genügt nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen, wenn der Vor­sit­zen­de ledig­lich das Ergeb­nis, nicht aber Ver­lauf und Inhal­te des Gesprächs mit­ge­teilt hat.

Der Deal außer­halb der Haupt­ver­hand­lung – und die Mit­tei­lungs­pflicht des Gerichts

Denn mit­zu­tei­len ist bei einem sol­chen auf eine Ver­stän­di­gung außer­halb der Haupt­ver­hand­lung abzie­len­den Gespräch,

  • wer an die­sem betei­ligt war,
  • wel­che Stand­punk­te von den ein­zel­nen Gesprächs­teil­neh­mern ver­tre­ten wur­den,
  • von wel­cher Sei­te die Fra­ge einer Ver­stän­di­gung auf­ge­wor­fen wur­de und
  • ob sie bei ande­ren Gesprächs­teil­neh­mern auf Zustim­mung oder Ableh­nung gesto­ßen ist 1.

Der Bun­des­ge­richts­hof kann nicht aus­schlie­ßen, dass das Urteil auf dem Feh­len der nach § 257c Abs. 5 StPO erfor­der­li­chen Rechts­mit­tel­be­leh­rung und auf der unzu­läng­li­chen Mit­tei­lung nach § 243 Abs. 4 Satz 2 StPO beruht. Bei sol­chen erheb­li­chen Rechts­ver­stö­ßen ist regel­mä­ßig davon aus­zu­ge­hen, dass ein Ver­stän­di­gungs­ur­teil dar­auf beruht 2. Dies gilt ins­be­son­de­re auch mit Blick auf die beson­de­re Bedeu­tung der ver­letz­ten Vor­schrif­ten für die Öffent­lich­keit in der Haupt­ver­hand­lung 3.

Ein Fall, in dem aus­nahms­wei­se das Beru­hen aus­ge­schlos­sen wer­den kann, lag im hier ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs eben­falls nicht vor: Zwar ist das bema­kel­te Geständ­nis nach den Aus­füh­run­gen der Urteils­grün­de nicht in das Urteil ein­ge­flos­sen. Die Straf­kam­mer hat der Ein­las­sung des Ange­klag­ten aus­weis­lich der Urteils­grün­de nicht ein­mal indi­zi­el­le Bedeu­tung bei­gemes­sen, son­dern sie ganz außer Acht gelas­sen. Es kann jedoch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass der Ange­klag­te bei ord­nungs­ge­mä­ßer Infor­ma­ti­on über den Inhalt der Ver­stän­di­gungs­ge­sprä­che etwa noch wei­ter­ge­hen­de Beweis­an­trä­ge – z. B. die zeu­gen­schaft­li­che Ver­neh­mung sei­ner bei­den bei der kör­per­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung zuge­gen gewe­se­nen Beglei­ter – gestellt hät­te, die dazu hät­ten füh­ren kön­nen, dass das Gericht die Vor­aus­set­zun­gen des § 224 Abs. 1 Nr. 2 und 5 StGB ver­neint hät­te.

Dar­auf, dass der Ange­klag­te – wie die Revi­si­on selbst vor­trägt – von sei­nem Ver­tei­di­ger über den Inhalt des Ver­stän­di­gungs­ge­sprächs unter­rich­tet wur­de, kommt es nicht an, weil eine sol­che von Ver­ständ­nis und Wahr­neh­mung des Ver­tei­di­gers beein­fluss­te Infor­ma­ti­on die Unter­rich­tung durch das Gericht grund­sätz­lich nicht erset­zen kann 4.

Im Übri­gen weist der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin, dass es unzu­läs­sig ist, Abspra­chen über den Schuld­spruch, etwa durch die Zusa­ge des Ein­stel­lens wesent­li­cher Tat­tei­le nach § 154a StPO, zum Gegen­stand einer Ver­stän­di­gung zu machen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Okto­ber 2016 – 2 StR 367/​16

  1. BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BVR 2628/​10, 2 BvR 2883/​10 und 2 BvR 2155/​11, BVerfGE 133, 168 Rn. 85; BGH, Beschluss vom 12.07.2016 – 1 StR 136/​16, StRR 2016, Nr. 11, 89 mwN[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 15.01.2015 – 2 BvR 878/​14, NStZ 2015, 170, 171 ff.[]
  3. BVerfG, aaO; BGH, Urteil vom 23.03.2016 – 2 StR 121/​15, NStZ 2016, 688[]
  4. BGH, Urteil vom 10.07.2013 – 2 StR 195/​12, BGHSt 58, 310, 314; vom 05.06.2014 – 2 StR 381/​13, BGHSt 59, 252, 259[]