Der Dea­ler – und die nicht mit ange­klag­ten Han­dels­ge­schäf­te

Auch soweit der Ange­klag­te wegen Lie­fe­run­gen ver­ur­teilt wor­den ist, die nicht in der Ankla­ge­schrift der Staats­an­walt­schaft erwähnt sind, man­gelt es nicht an der Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung einer Ankla­ge­er­he­bung und dem­zu­fol­ge der­je­ni­gen eines Eröff­nungs­be­schlus­ses, wenn die­se zusätz­li­chen Lie­fe­run­gen mit den ange­klag­ten Lie­fe­run­gen eine natür­li­che Hand­lungs­ein­heit bil­den.

Der Dea­ler – und die nicht mit ange­klag­ten Han­dels­ge­schäf­te

Die­se – in der Ankla­ge­schrift nicht erwähn­ten – zusätz­li­chen Lie­fe­run­gen sind gleich­wohl Gegen­stand der Ankla­ge sowie des hier­auf bezo­ge­nen Eröff­nungs­be­schlus­ses des Land­ge­richts vom 16.09.2016. Sämt­li­che fest­ge­stell­ten Geschäf­te stel­len – wie dar­ge­legt – eine mate­ri­ell­recht­li­che Tat im Sin­ne einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit dar, weil der Ange­klag­te jeweils die vor­aus­ge­gan­ge­ne Lie­fe­rung anläss­lich der nächs­ten bezahl­te 1.

Eben­so sind die Geschäf­te als eine ein­heit­li­che pro­zes­sua­le Tat im Sin­ne des § 264 Abs. 1 StPO zu beur­tei­len und unter­la­gen somit ins­ge­samt der tatrich­ter­li­chen Kogni­ti­ons­pflicht 2.

In Fäl­len mate­ri­ell­recht­li­cher Ide­al­kon­kur­renz liegt grund­sätz­lich nur eine Tat im pro­zes­sua­len Sin­ne vor 3. Von die­sem Grund­satz abzu­wei­chen, besteht für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on kein Anlass 4. Ein­zel­ne Lie­fe­run­gen eines sol­chen zu einer pro­zes­sua­len Tat zusam­men­ge­fass­ten fort­wäh­ren­den Han­del­trei­bens kön­nen damit – wie hier – von der Ankla­ge­er­he­bung erfasst sein, auch wenn die Ankla­ge­schrift nicht dar­auf ein­geht.

Die frü­he­re abwei­chen­de Auf­fas­sung des 3. Straf­se­nats des Bun­des­ge­richts­hof zu den mate­ri­ell­recht­li­chen Kon­kur­ren­zen in Fäl­len wie die­sem 5, die auch zu einer ande­ren Bewer­tung der Rechts­la­ge hin­sicht­lich der Ver­fah­rens­vor­aus­set­zun­gen einer Ankla­ge­er­he­bung und eines Eröff­nungs­be­schlus­ses geführt hät­te und dem 3. Straf­se­nat daher im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren Anlass gab, die – auf sei­ne Vor­la­ge in ande­rer Sache zu tref­fen­de – Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats für Straf­sa­chen abzu­war­ten, ist durch des­sen Beschluss vom 10.07.2017 6 über­holt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Juli 2018 – 3 StR 88/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2017 – GSSt 4/​17 28 ff.[]
  2. s. hier­zu BGH, Urteil vom 26.01.2017 – 3 StR 482/​16 21[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 09.07.2015 – 3 StR 537/​14, BGHSt 60, 308, 316; LR/​Stuckenberg, StPO, 26. Aufl., § 264 Rn. 59 mwN[]
  4. s. auch BGH, Beschluss vom 09.07.2015 – 3 StR 537/​14, aaO, S. 320[]
  5. vgl. BGH, Vor­la­ge­be­schluss vom 15.11.2016 – 3 StR 236/​15 6[]
  6. BGH, Beschluss vom 10.07.2017 – GSSt 4/​17[]