Der fehlende Durchsuchungsbeschluss – und der hypothetische Ermittlungsverlauf

Der Hypothese eines möglichen rechtmäßigen Ermittlungsverlaufs kommt bei grober Verkennung von Bedeutung und Tragweite des Richtervorbehalts im Rahmen der Abwägungsentscheidung über ein Beweisverwertungsverbot keine Bedeutung zu.

Der fehlende Durchsuchungsbeschluss – und der hypothetische Ermittlungsverlauf

Die Annahme eines Beweisverwertungsverbots ist zumindest bei schwerwiegenden, bewussten oder willkürlichen Verfahrensverstößen, bei denen die grundrechtlichen Sicherungen planmäßig oder systematisch außer Acht gelassen worden sind, geboten1.

Dem Aspekt eines möglichen hypothetisch rechtmäßigen Ermittlungsverlaufs2 kommt bei grober Verkennung des Richtervorbehalts ohnehin keine Bedeutung zu3.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 6. Oktober 2016 – 2 StR 46/15

  1. BVerfG, Beschluss vom 12.04.2005 – 2 BvR 1027/02, BVerfGE 113, 29, 61; Beschluss vom 16.03.2006 – 2 BvR 954/02, NJW 2006, 2684, 2686; Beschluss vom 20.05.2011 – 2 BvR 2017/10, NJW 2011, 2783, 2784[]
  2. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 18.11.2003 – 1 StR 455/03, BGHR StPO § 105 Abs. 1 Durchsuchung 4[]
  3. vgl. auch BGH, Urteil vom 18.04.2007 – 5 StR 546/06, BGHSt 51, 285, 295 f.; Beschluss vom 30.08.2011 – 3 StR 210/11, BGHR StPO § 105 Abs. 1 Durchsuchung 8; Beschluss vom 21.04.2016 – 2 StR 394/15, StraFo 2010, 338[]