Der erschli­che­ne Bank­kre­dit

Ein Ver­mö­gens­scha­den im Sin­ne des § 263 Abs. 1 StGB tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des Gesamt­wer­tes sei­nes Ver­mö­gens führt (Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung) 1.

Der erschli­che­ne Bank­kre­dit

Maß­geb­lich ist der Zeit­punkt der Ver­mö­gens­ver­fü­gung, also der Ver­gleich des Ver­mö­gens­wer­tes unmit­tel­bar vor und nach der Ver­fü­gung 2.Ob und in wel­chem Umfang die Hin­ga­be eines Dar­le­hens einen Ver­mö­gens­scha­den bewirkt, ist daher durch einen für den Zeit­punkt der Dar­le­hens­hin­ga­be anzu­stel­len­den Wert­ver­gleich mit dem Rück­zah­lungs­an­spruch des Dar­le­hens­gläu­bi­gers zu ermit­teln. Die Wert­hal­tig­keit des Rück­zah­lungs­an­spruchs wird dabei durch die Boni­tät des Schuld­ners und den Wert der bestell­ten Sicher­hei­ten bestimmt.

Ein Scha­den ent­steht nur, wenn die vor­ge­spie­gel­te Rück­zah­lungs­mög­lich­keit nicht besteht und auch gege­be­ne Sicher­hei­ten wert­los oder min­der­wer­tig sind. Auch bei einer ein­ge­schränk­ten oder feh­len­den finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit des Schuld­ners ent­steht dem­nach inso­weit kein Scha­den, wenn und soweit der getäusch­te Gläu­bi­ger über wert­hal­ti­ge Sicher­hei­ten ver­fügt, die sein Aus­fall­ri­si­ko abde­cken und – ohne dass der Schuld­ner dies ver­ei­teln könn­te – mit uner­heb­li­chem zeit­li­chen und finan­zi­el­len Auf­wand rea­li­sier­bar sind 3.

Ein Min­der­wert des Rück­zah­lungs­an­spruchs, etwa infol­ge einer Täu­schung über die Boni­tät, kann mit­hin durch den Wert hin­rei­chend wert­hal­ti­ger und liqui­der Sicher­hei­ten kom­pen­siert wer­den 4.

Bei Immo­bi­li­en­kre­di­ten muss daher der Wert der Rück­zah­lungs­an­sprü­che unter Berück­sich­ti­gung der Wert­hal­tig­keit der als Sicher­heit bestell­ten Grund­schul­den zum Zeit­punkt der Dar­le­hens­ge­wäh­rung ermit­teln wer­den. Nur soweit jeweils ein täu­schungs­be­ding­ter Min­der­wert des gesi­cher­ten Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruchs vor­liegt, ist die Annah­me eines Scha­dens – ohne dass es auf den tat­säch­li­chen Ver­lauf des Dar­le­hens­ver­hält­nis­ses (noch) ankommt – gerecht­fer­tigt.

Dass die Zwangs­ver­stei­ge­rung letzt­end­lich einen unter dem Ver­kehrs­wert lie­gen­den Erlös erbrach­te, belegt nicht, dass der Rück­zah­lungs­an­spruch der Spar­kas­se gegen den Kre­dit­neh­mer nicht wert­hal­tig war.

Im vor­lie­gen­den Fall war dar­über hin­aus den Urteils­grün­den auch nicht zu ent­neh­men, ob der Ange­klag­te hin­sicht­lich der Ver­mö­gens­schä­den auf­grund nicht aus­rei­chen­der Sicher­hei­ten über­haupt Tat­vor­satz (§ 16 StGB) hat­te. Denn die Ver­kehrs­wer­te der Grund­stü­cke wur­den erst ein oder zwei Jah­re nach Ein­tra­gung der Grund­schul­den und im Rah­men der Zwangs­ver­stei­ge­rung fest­ge­setzt. Das Land­ge­richt ver­hält sich nicht dazu, ob der Ange­klag­te nicht davon aus­ge­gan­gen ist, dass die Spar­kas­se durch die im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Grund­schul­den aus­rei­chend abge­si­chert war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. August 2017 – 1 StR 573/​16

  1. st. Rspr. vgl. nur BGH, Urteil vom 02.02.2016 – 1 StR 437/​15, NStZ 2016, 286 – 288 m.w.N.[]
  2. BGH, Beschluss vom 14.04.2011 – 2 StR 616/​10, NStZ 2011, 638, 639[]
  3. vgl. BGH, aaO; BGH, Beschluss vom 21.10.2008 – 3 StR 420/​08, NStZ 2009, 150[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​13, wis­tra 2013, 268 m.w.N.[]