Der Euro­päi­sche Haft­be­fehl vor dem EuGH

Nach einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten ist der Rah­men­be­schluss über den Euro­päi­schen Haft­be­fehl und die Über­ga­be­ver­fah­ren zwi­schen den Mit­glied­staa­ten gül­tig. Hin­ter­grund die­ses EuGH-Urteils ist eine Kla­ge der "Advo­ca­ten voor de Wereld" beim Arbi­tra­ge­hof (Bel­gi­en) auf Nich­tig­erklä­rung des bel­gi­schen Umset­zungs­ge­set­zes. Es ging ers­tens um die Fra­ge, ob der Euro­päi­sche Haft­be­fehl durch das Rechts­in­stru­ment des Über­ein­kom­mens hät­te gere­gelt wer­den müs­sen. Zwei­tens, ob die Abschaf­fung der Über­prü­fung des Vor­lie­gens der bei­der­sei­ti­gen Straf­bar­keit für bestimm­te, im Rah­men­be­schluss auf­ge­führ­te Straf­ta­ten gegen das Lega­li­täts­prin­zip in Straf­sa­chen ver­sto­ße und drit­tens, ob durch den Rah­men­be­schluss (vgl. Art. 2 Abs. 2: Auf­lis­tung der 32 Arten von Straf­ta­ten) der Grund­satz von Gleich­heit und Nicht­dis­kri­mi­nie­rung ver­letzt wer­de.

Der Euro­päi­sche Haft­be­fehl vor dem EuGH

Der EuGH hat im Ergeb­nis alle drei Fra­gen ver­neint. Ers­tens sei das Rechts­in­stru­ment des Rah­men­be­schlus­ses dem­nach mit Art. 34 des EGV ver­ein­bar, da hier­für die ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen vor­ge­le­gen haben. Zwei­tens sei der Rah­men­be­schluss nicht auf eine Anglei­chung der Tat­be­stands­merk­ma­le der frag­li­chen Stra­fen oder der ange­droh­ten Stra­fen gerich­tet. Zwar wür­de die Über­prü­fung des Vor­lie­gens der bei­der­sei­ti­gen Straf­bar­keit für bestimm­te Arten von Straf­ta­ten abge­schafft. Für die Defi­ni­ti­on der Straf­ta­ten und der ange­droh­ten Stra­fen blei­be aber das Recht des Aus­stel­lungs­staa­tes maß­geb­lich. Drit­tens durf­te der Rat auf­grund des Prin­zips der gegen­sei­ti­gen Aner­ken­nung und ange­sichts des hohen Maßes an Ver­trau­en und Soli­da­ri­tät zwi­schen den Mit­glied­staa­ten davon aus­ge­hen, dass auf­grund der Natur oder der ange­droh­ten Frei­heits­stra­fe im Höchst­maß von min­des­tens 3 Jah­ren der betrof­fe­nen Arten von Straf­ta­ten eine Recht­fer­ti­gung bestehe, nicht auf eine Über­prü­fung des Vor­lie­gens der bei­der­sei­ti­gen Straf­bar­keit zu bestehen.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Urteil vom 3. Mai 2007 – C‑303/​05