Der Exzess des Mittäters

Jeder Täter haf­tet für das Han­deln eines Mit­tä­ters nur im Rah­men sei­nes eige­nen Vor­sat­zes, ist also für den tat­be­stand­li­chen Erfolg nur so weit ver­ant­wort­lich, wie sein Wil­le reicht; ein Exzess des ande­ren fällt ihm nicht zur Last.

Der Exzess des Mittäters

Aller­dings wer­den Hand­lun­gen eines ande­ren Tat­be­tei­lig­ten, mit denen nach den Umstän­den des Fal­les gerech­net wer­den muss; vom Wil­len des Mit­tä­ters umfasst, auch wenn er sich die­se nicht beson­ders vor­ge­stellt hat.

Eben­so ist er für jede Aus­füh­rungs­art einer von ihm gebil­lig­ten Straf­tat ver­ant­wort­lich, wenn er mit der Hand­lungs­wei­se sei­nes Tat­ge­nos­sen ein­ver­stan­den oder sie ihm zumin­dest gleich­gül­tig war1.

Die­sen Maß­stä­ben wird im vor­lie­gen­den, vom Bun­des­ge­richts­hof über­prüf­ten Fall die recht­li­che Wür­di­gung des fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts durch das erst­in­stanz­lich täti­ge Land­ge­richt Ber­lin2 gerecht. Ange­sichts der anlass­lo­sen Aggres­si­on des einen Täters gegen das Opfer und der anschlie­ßen­den spon­ta­nen gemein­sa­men Ver­fol­gung des Opfers liegt nicht nahe, dass sein Mit­tä­ter mit töd­li­chen Angrif­fen des ande­ren Mit­tä­ters auf den Ver­folg­ten mit­tels eines Mes­sers rech­nen muss­te. Nähe­rer Erör­te­rung bedurf­te die­se Fra­ge des­halb in den Urteils­grün­den nicht. Man­gels Kennt­nis vom Mes­ser­ein­satz kön­nen auch sei­ne spä­te­ren Trit­te nicht als Ein­ver­ständ­nis mit einem töd­li­chen Angriff oder als Gleich­gül­tig­keit inso­weit ver­stan­den wer­den. Ange­sichts die­ser beson­de­ren Umstän­de lie­gen auch die Vor­aus­set­zun­gen einer Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge nicht vor3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Janu­ar 2021 – 5 StR 288/​20

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 19.03.2013 – 5 StR 575/​12, NStZ 2013, 400; vom 14.12.2016 – 2 StR 177/​16, NStZ 2017, 272; jeweils mwN[]
  2. LG Ber­lin, Urteil vom 12.12.2019 – 234 Js 36/​19 (540 Ks) (6/​19) []
  3. vgl. dazu näher BGH, Beschlüs­se vom 05.09.2012 – 2 StR 242/​12, NStZ 2013, 280; vom 09.06.2009 – 4 StR 164/​09, NStZ 2009, 631; Urteil vom 23.06.2004 – 5 StR 15/​04, NStZ 2004, 684[]

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