Der min­der schwe­re Fall – und das Tat­bild

Nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs liegt ein min­der schwe­rer Fall dann vor, wenn das gesam­te Tat­bild ein­schließ­lich aller sub­jek­ti­ven Momen­te und der Täter­per­sön­lich­keit vom Durch­schnitt der erfah­rungs­ge­mäß gewöhn­lich vor­kom­men­den Fäl­le in einem Maße abweicht, dass die Anwen­dung des Aus­nah­me­straf­rah­mens gebo­ten erscheint.

Der min­der schwe­re Fall – und das Tat­bild

Die danach erfor­der­li­che Gesamt­be­trach­tung und die Wür­di­gung aller wesent­li­chen ent­las­ten­den oder belas­ten­den Gesichts­punk­te ist – eben­so wie die Straf­zu­mes­sung im enge­ren Sin­ne – in ers­ter Linie Auf­ga­be des Tatrich­ters.

Sei­ne Wer­tung muss das Revi­si­ons­ge­richt bis zur Gren­ze des Ver­tret­ba­ren hin­neh­men. In die Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung kann es in der Regel nur ein­grei­fen, wenn die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn die ver­häng­te Stra­fe auch unter Berück­sich­ti­gung des dem Tatrich­ter ein­ge­räum­ten Ermes­sens­spiel­raums nicht mehr als gerech­ter Schuld­aus­gleich anzu­se­hen ist. Eine bis ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le ist dem Revi­si­ons­ge­richt dage­gen ver­wehrt 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Sep­tem­ber 2018 – 4 StR 135/​18

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 10.04.1987 – GSSt 1/​86, BGHSt 34, 345, 349; Urteil vom 26.05.1992 – 1 StR 796/​91; Urteil vom 23.07.1992 – 4 StR 194/​92 27 f.[]