Der min­der schwe­re Fall des Tot­schlags – und die Straf­zu­mes­sung

Bei der Bemes­sung der Höhe der inner­halb des Aus­nah­me­straf­rah­mens aus § 213 StGB gefun­de­nen Stra­fe kann es zwar im Ein­zel­fall rechts­feh­ler­haft sein, wenn das Tat­ge­richt bei einer Viel­zahl von fest­ge­stell­ten Schuld­min­de­rungs­grün­den und aus­drück­lich fest­ge­stell­ten Feh­lens von Schul­d­er­hö­hungs­grün­den ohne nähe­re Begrün­dung eine deut­lich ober­halb des Min­dest­ma­ßes lie­gen­de Stra­fe ver­hängt 1.

Der min­der schwe­re Fall des Tot­schlags – und die Straf­zu­mes­sung

Aller­dings kann aus dem Feh­len expli­zi­ter Benen­nung von die Straf­zu­mes­sungs­schuld erhö­hen­den Grün­den nicht ohne Wei­te­res dar­auf geschlos­sen wer­den, sol­che lägen nach Wer­tung des Tatrich­ters nicht vor. Denn in den Urteils­grün­den muss er ledig­lich die nach sei­ner Beur­tei­lung für die Stra­fe bestim­men­den Umstän­de ange­ben (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO); eine erschöp­fen­de Auf­zäh­lung aller Straf­zu­mes­sungs­ge­sichts­punk­te ist weder gesetz­lich vor­ge­schrie­ben noch mög­lich 2.

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall: Bei der kon­kre­ten Zumes­sung der Stra­fe hat das Land­ge­richt aus­ge­führt, den bereits für die Annah­me des Aus­nah­me­straf­rah­mens aus § 213 StGB her­an­ge­zo­ge­nen Straf­mil­de­rungs­grun­des des­halb ledig­lich noch mit gerin­ge­rem Gewicht berück­sich­tigt zu haben. Das lässt Rechts­feh­ler nicht erken­nen. Die Ver­hän­gung einer Stra­fe im obe­ren Bereich des Straf­rah­mens aus § 213 StGB ist dann nicht zu bean­stan­den. Bei dem Ein­grei­fen eines – wie hier – Aus­nah­me­straf­rah­mens kann das Gewicht von zu des­sen Begrün­dung her­an­ge­zo­ge­nen Straf­mil­de­rungs­grün­den so weit rela­ti­viert sein, dass sie inner­halb die­ses Rah­mens kaum noch mil­dern­de Wir­kung zu ent­fal­ten ver­mö­gen und des­halb gegen den Täter spre­chen­de Umstän­de, ins­be­son­de­re die Schwe­re der Tat, eine Stra­fe im obe­ren Bereich des gemil­der­ten Straf­rah­mens recht­fer­ti­gen 3. Die getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen zum Tötungs­ge­sche­hen bele­gen den Schwe­re­grad der Tat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Febru­ar 2018 – 1 StR 351/​17

  1. BGH, Beschluss vom 10.05.2016 – 1 StR 119/​16, NStZ-RR 2016, 241 f. mwN[]
  2. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 24.10.2017 – 1 StR 226/​17 Rn. 14 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 21.04.1987 – 1 StR 77/​87, BGHSt 34, 355, 360[]