Der fehl­ge­schla­ge­ne Mord­ver­such – und der straf­be­frei­en­de Rück­tritt

Ein fehl­ge­schla­ge­ner Ver­such liegt vor, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder nahe­lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt oder wenn er sub­jek­tiv die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält, wobei es auf die Täter­sicht nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung ankommt (sog. Rück­tritts­ho­ri­zont).

Der fehl­ge­schla­ge­ne Mord­ver­such – und der straf­be­frei­en­de Rück­tritt

Erkennt der Täter zu die­sem Zeit­punkt oder hat er eine ent­spre­chen­de sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung dahin, dass es zur Her­bei­füh­rung des Erfol­ges eines erneu­ten Anset­zens bedürf­te, etwa mit der Fol­ge einer zeit­li­chen Zäsur und einer Unter­bre­chung des unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gangs, liegt ein Fehl­schlag vor [1].

Bei der Prü­fung des Fehl­schlags des Mord­ver­suchs ist als zutref­fen­der Zeit­punkt der­je­ni­ge der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung zugrun­de zu legen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Janu­ar 2020 – 1 StR 637/​19

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 06.12.2018 – 4 StR 260/​18 Rn. 12 mwN[]