Der fehl­ge­schla­ge­ne Ver­such – und der Rück­tritts­ho­ri­zont

Fehl­ge­schla­gen ist ein Ver­such, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder ande­ren nahe lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt, oder wenn er sub­jek­tiv die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält. Dabei kommt es auf die Sicht des Täters nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung an (Rück­tritts­ho­ri­zont).

Der fehl­ge­schla­ge­ne Ver­such – und der Rück­tritts­ho­ri­zont

Wenn der Täter zu die­sem Zeit­punkt erkennt oder die sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung hat, dass es zur Her­bei­füh­rung des Erfolgs eines erneu­ten Anset­zens bedürf­te, liegt ein Fehl­schlag vor. Ist dies der Fall, schei­det die Annah­me eines Rück­tritts vom Ver­such nach § 24 Abs. 1 StGB aus.

Nur dann, wenn ein Fehl­schlag nicht gege­ben ist, kommt es auf die Unter­schei­dung zwi­schen unbe­en­de­tem und been­de­tem Ver­such an, die für die vom Täter zu erbrin­gen­de Rück­tritts­leis­tung gemäß § 24 Abs. 1 StGB von Bedeu­tung ist. Ent­schei­dend ist auch hier das Vor­stel­lungs­bild des Täters zum Zeit­punkt der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung.

Lässt sich den Urteils­fest­stel­lun­gen das Vor­stel­lungs­bild des Ange­klag­ten, das zur revi­si­ons­ge­richt­li­chen Prü­fung des Vor­lie­gens eines frei­wil­li­gen Rück­tritts vom Ver­such uner­läss­lich ist, nicht hin­rei­chend ent­neh­men, hält das Urteil sach­lich­recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand [1]. Ande­res gilt nur dann, wenn die fest­ge­stell­te objek­ti­ve Sach­la­ge siche­re Rück­schlüs­se auf die inne­re Ein­stel­lung des Ange­klag­ten gestat­tet [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Janu­ar 2020 – 4 StR 587/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 13.08.2015 – 4 StR 99/​15, StV 2017, 675, 676; Beschlüs­se vom 21.08.2018 – 3 StR 205/​18, NStZ 2018, 718, 720; vom 13.03.2018 – 4 StR 531/​17, NStZ 2018, 468[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.08.2015 – 4 StR 99/​15, StV 2017, 675, 676[]