Der fehl­ge­schla­ge­ne Ver­such – und die Vor­stel­lung des Täters

Ein Ver­such ist fehl­ge­schla­gen, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder ande­ren nahe­lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt, oder wenn er sub­jek­tiv die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält.

Der fehl­ge­schla­ge­ne Ver­such – und die Vor­stel­lung des Täters

Maß­geb­lich dafür ist nicht der ursprüng­li­che Tat­plan, dem je nach Fall­ge­stal­tung allen­falls Indi­zwir­kung für den Erkennt­nis­ho­ri­zont des Täters zukom­men kann, son­dern des­sen Vor­stel­lung nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung.

Ein Fehl­schlag liegt nicht bereits dar­in, dass der Täter die Vor­stel­lung hat, er müs­se von sei­nem Tat­plan abwei­chen, um den Erfolg her­bei­zu­füh­ren. Hält er die Voll­endung der Tat im unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gang noch für mög­lich, wenn auch mit ande­ren Mit­teln, so ist der Ver­zicht auf ein Wei­ter­han­deln als frei­wil­li­ger Rück­tritt vom unbe­en­de­ten Ver­such zu bewer­ten 1.

Daher kann nicht allein in dem Umstand, dass der Täter sein Ziel mit dem in sei­nem Tat­plan vor­ge­se­he­nen Nöti­gungs­mit­tel nicht errei­chen konn­te, einen hin­rei­chen­den Grund für die Annah­me eines fehl­ge­schla­ge­nen Ver­suchs gese­hen wer­den. Denn damit bleibt offen, ob er eine Voll­endung der Tat, wenn auch mit ande­ren Mit­teln, im unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gang noch für mög­lich hielt, auf ein Wei­ter­han­deln aber frei­wil­lig ver­zich­te­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Okto­ber 2015 – 4 StR 352/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 21.04.2015 – 4 StR 92/​15, NJW 2015, 2898, 2899; Beschluss vom 15.01.2015 – 4 StR 560/​14, Rn. 6 zitiert nach juris; Beschluss vom 22.03.2012 – 4 StR 541/​11, NStZ-RR 2012, 239, 240; Beschluss vom 26.09.2006 – 4 StR 347/​06, NStZ 2007, 91[]