Der in Frank­reich inhaf­tier­te Zeu­ge – und die Auf­klä­rungs­pflicht des Gerichts

§ 244 Abs. 2 StPO gebie­tet es, von Amts wegen Beweis zu erhe­ben, wenn aus den Akten oder aus dem Stoff der Ver­hand­lung Umstän­de und Mög­lich­kei­ten bekannt oder erkenn­bar sind, die bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der Sach­la­ge begrün­de­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit der – auf Grund der bis­he­ri­gen Beweis­auf­nah­me erlang­ten – Über­zeu­gung wecken müs­sen 1.

Der in Frank­reich inhaf­tier­te Zeu­ge – und die Auf­klä­rungs­pflicht des Gerichts

Ob die vom Gericht auf Grund der ver­wen­de­ten Beweis­mit­tel gewon­ne­ne Über­zeu­gung aus­reicht oder ob zu ihrer Absi­che­rung oder Über­prü­fung wei­te­re Beweis­mit­tel her­an­zu­zie­hen sind, ist auf der Grund­la­ge von Ver­fah­rens­ab­lauf und Beweis­la­ge des Ein­zel­falls zu beur­tei­len.

Je weni­ger gesi­chert ein Beweis­ergeb­nis erscheint, des­to grö­ßer ist der Anlass für das Gericht, trotz der erlang­ten Über­zeu­gung wei­te­re erkenn­ba­re Beweis­mög­lich­kei­ten zu benut­zen 2.

Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn ein Aus­lands­zeu­ge – wie hier – Vor­gän­ge bekun­den soll, die für den Schuld­vor­wurf von zen­tra­ler Bedeu­tung sind 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juli 2016 – 2 StR 383/​15

  1. BGH, Urteil vom 09.10.2014 – 4 StR 208/​14, NStZ 2015, 36 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 19.03.2013 – 5 StR 79/​13, NStZ 2013, 725; Urteil vom 05.12 1995 – 1 StR 580/​95, StV 1996, 249, 250[]
  3. BGH, Beschluss vom 26.10.2006 – 3 StR 374/​06, NStZ 2007, 349, 351[]