Der gestän­di­ge Heh­ler – freie rich­ter­li­che Beweis­wür­di­gung und die Urteilsgründe

Wie sich der Tatrich­ter die hin­rei­chen­de Über­zeu­gung vom Vor­lie­gen der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der von ihm ange­wen­de­ten Straf­vor­schrif­ten ver­schafft, unter­liegt sei­ner frei­en rich­ter­li­chen Beweis­wür­di­gung (§ 261 StPO). In wel­chem Umfang er sie in den Urteils­grün­den mit­zu­tei­len hat, hängt von den Gege­ben­hei­ten des jewei­li­gen Fal­les ab [1].

Der gestän­di­ge Heh­ler – freie rich­ter­li­che Beweis­wür­di­gung und die Urteilsgründe

Das gilt regel­mä­ßig auch dann, wenn, wie im vor­lie­gen­den Fall, die Ver­ur­tei­lung auf Geständ­nis­sen der Ange­klag­ten beruht.

Der Tatrich­ter ist daher nicht gehin­dert, auf der Grund­la­ge der vom Täter glaub­haft ein­ge­räum­ten objek­ti­ven Tat­um­stän­de im Wege eines Indi­zschlus­ses auf das Vor­lie­gen von Umstän­den zu schlie­ßen, die außer­halb sei­ner unmit­tel­ba­ren Wahr­neh­mung liegen.

So gibt es etwa kei­nen Rechts­satz des Inhalts, Fest­stel­lun­gen zu einem Irr­tum beim Betrug könn­ten nicht auf der Grund­la­ge gestän­di­ger Anga­ben des Täters getrof­fen wer­den [2]. Ent­spre­chen­des gilt für den im vor­lie­gen­den Fall her­an­ge­zo­ge­nen Tat­be­stand der Heh­le­rei (§ 259 Abs. 1 StGB), der neben der Absicht, sich oder einen Drit­ten zu berei­chern, das Vor­lie­gen zumin­dest beding­ten Vor­sat­zes auch in Bezug auf die Vor­tat im Sin­ne des § 259 Abs. 1 StGB voraussetzt.

Ent­spre­chen­des gilt für den im vor­lie­gen­den Fall her­an­ge­zo­ge­nen Tat­be­stand der Heh­le­rei (§ 259 Abs. 1 StGB), der neben der Absicht, sich oder einen Drit­ten zu berei­chern, das Vor­lie­gen zumin­dest beding­ten Vor­sat­zes auch in Bezug auf die Vor­tat im Sin­ne des § 259 Abs. 1 StGB voraussetzt.

Die­sen Anfor­de­run­gen wird ein Urteil nicht gerecht, in des­sen Urteils­aus­füh­run­gen zu den erho­be­nen Bewei­sen ledig­lich mit­ge­teilt wird, die getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen zum Tat­ge­sche­hen beruh­ten auf den Ein­las­sun­gen der Ange­klag­ten, „die ihre jewei­li­gen Taten in Ein­zel­hei­ten glaub­haft, soweit sie Gegen­stand ihrer Wahr­neh­mung waren, gestan­den“ hät­ten. Die Ange­klag­ten hät­ten „kein Motiv, sich zu Unrecht zu belas­ten“. Dies allein ver­mag die Ver­ur­tei­lung der Ange­klag­ten wegen Heh­le­rei hier nicht zu tragen.

Zwar ist die genaue Kennt­nis des Heh­lers von der Vor­tat nicht erfor­der­lich; es genügt viel­mehr, dass die­ser sich eine straf­ba­re Hand­lung vor­stellt, die als Vor­tat für eine Heh­le­rei prin­zi­pi­ell geeig­net ist [3]. Zu den ent­spre­chen­den Vor­stel­lun­gen der Ange­klag­ten, die von den Taten berich­te­ten, soweit sie „Gegen­stand ihrer Wahr­neh­mung waren“, ver­hält sich das Urteil jedoch nicht. Dazu hät­te indes Anlass bestan­den. Nach den Fest­stel­lun­gen kauf­ten die Ange­klag­ten seit März 2013 „auch“ – d.h. nicht aus­schließ­lich – Metall zur gewinn­brin­gen­den Wei­ter­ver­äu­ße­rung an, das aus Dieb­stahls­ta­ten Drit­ter stamm­te. Bewusst wur­de ihnen dies Anfang Novem­ber 2013. Es hät­te daher der Dar­le­gung bedurft, wes­halb die Ange­klag­ten in den der Ver­ur­tei­lung zugrun­de lie­gen­den Fäl­len wuss­ten oder es zumin­dest für mög­lich hiel­ten und bil­lig­ten, dass das in die­sen Fäl­len ange­kauf­te Metall aus Dieb­stahls­ta­ten her­rühr­te, zumal die Dieb­stahl­stä­ter unbe­kannt geblie­ben sind. Da das Land­ge­richt zum Inhalt der Geständ­nis­se nichts mit­teilt, ist dem Bun­des­ge­richts­hof eine Über­prü­fung, ob die Fest­stel­lun­gen durch die Geständ­nis­se hin­rei­chend belegt wer­den, nicht möglich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2015 – 4 StR 54/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 22.05.2014 – 4 StR 430/​13, NStZ 2014, 459, Rn. 16[]
  2. BGH, Beschluss vom 04.09.2014 – 1 StR 314/​14, NStZ 2015, 98; in der Ten­denz dif­fe­ren­zie­rend BGH, Beschluss vom 17.06.2014 – 2 StR 658/​13, NStZ 2014, 644; vgl. auch BGH, Urteil vom 22.05.2014 aaO[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 10.04.2008 – 4 StR 443/​07, BGHR StGB § 259 Abs. 1 Vor­tat 9[]