Der in der Haupt­ver­hand­lung begrenz­te Haft­be­fehl

Die Ent­schei­dung über die Haft­fra­ge ist nicht geeig­net, die recht­li­chen Gren­zen der Haupt­ver­hand­lung zu bestim­men [1], und konn­te des­halb beim Ange­klag­ten auch kei­nen dies­be­züg­li­chen Ver­trau­ens­tat­be­stand begrün­den (§ 265 Abs. 2 Nr. 2 StPO).

Der in der Haupt­ver­hand­lung begrenz­te Haft­be­fehl

Das Gericht ist daher nach einer in der Haupt­ver­hand­lung im Anschluss an die Aus­sa­ge der Neben­klä­ge­rin erfolg­ten Begren­zung des Haft­be­fehls auf die Taten 2 und 3 nicht ver­pflich­tet, den Ange­klag­ten dar­auf hin­zu­wei­sen, dass wei­ter­hin auch eine Ver­ur­tei­lung wegen Tat 1 der Ankla­ge in Betracht kom­me. Ein Ver­stoß gegen den Grund­satz des fai­ren Ver­fah­rens bzw. § 265 StPO liegt inso­weit nicht vor.

Inso­fern liegt die Sache anders als bei einer Abwei­chung von den Grund­sät­zen der Beweis­kon­ti­nui­tät [2], weil das Land­ge­richt sich zu Inhalt und Ergeb­nis ein­zel­ner Beweis­erhe­bun­gen nicht erklärt [3] und auf­grund der unter­schied­li­chen Anfor­de­run­gen, die für den Erlass eines Haft­be­fehls und eine Ver­ur­tei­lung gel­ten [4], mit sei­ner Ent­schei­dung über die Haft­fra­ge auch sei­ne Beweis­wür­di­gung nicht offen­ge­legt hat.

Dies gilt im hier ent­schie­de­nen Fall umso mehr, als das Land­ge­richt auch im wei­te­ren Fort­gang der Haupt­ver­hand­lung von sei­nem Beweis­pro­gramm nicht abge­wi­chen ist. Eine ver­än­der­te Sach­la­ge im Sin­ne von § 265 Abs. 2 Nr. 3 StPO hat der geän­der­te Haft­be­fehl nicht her­bei­ge­führt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Juni 2020 – 6 StR 103/​20

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 20.12.1967 – 4 StR 485/​67, BGHSt 22, 29, 31; Beschluss vom 24.01.2019 – 1 StR 298/​18[]
  2. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 26.09.2018 – 2 StR 283/​18, NStZ 2019, 103 m. Anm. Schnei­der; Cef­fi­na­to, JR 2020, 6, 9[]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 09.05.2019 – 1 StR 688/​18[]
  4. vgl. zu letz­te­rer nur LR-StPO/­San­der, 26. Aufl., § 261 Rn. 7 ff., 14[]