Der in unzutreffender Besetzung erlassene Haftbefehl

Das Beschwerdegericht kann auch dann eine eigene Sachentscheidung treffen, wenn das Landgericht einen Haftbefehl nach § 230 Abs. 2 StPO in möglicherweise unzutreffender Besetzung erlassen hat.

Der in unzutreffender Besetzung erlassene Haftbefehl

Es kann daher dahinstehen, ob das Landgericht in der Besetzung außerhalb der Hauptverhandlung nach § 30 Abs. 2 GVG für den Erlass des Haftbefehls nach § 230 Abs. 2 StPO zuständig war1. Die Beschwerdeinstanz ist bei einer Haftbeschwerde Tatsacheninstanz, das Beschwerdegericht trifft gemäß § 309 Abs. 2 StPO eine eigene Sachentscheidung. Dies gilt auch für den Fall, dass das Landgericht in unzutreffender Besetzung entschieden haben sollte. Das Oberlandesgericht ist nämlich ungeachtet der Besetzung des Spruchkörpers als Beschwerdegericht zuständig2.

Oberlandesgericht Karlsruhe, Beschluss vom 13. April 2015 – 2 Ws 126/15

  1. zum Streitstand vgl. Meyer-Goßner/Schmitt, 57. Aufl.2014, § 230 StPO, Rn. 24; KK-StPO/Gmel, 7. Aufl.2013, § 230 StPO, Rn. 17; SK-StPO/Deiters, Bd. IV, 5. Aufl.2015, § 230 StPO, Rn 25; OLG Schleswig, SchlHA 2013, 316; LG Zweibrücken, Beschluss vom 20.11.1997, 1 Qs 147/97, NStZ-RR 1998, 112; LG Gera, Beschluss vom 20.05.1996, 5 Qs 4/96, NStZ-RR 1996, 239; OLG Köln, Beschluss vom 29.06.2004, 2 Ws 328/04[]
  2. vgl. OLG Düsseldorf, Beschluss vom 22.05.2010, 3 Ws 175/10, BeckRS 2010, 18852; Meyer-Goßner/Schmitt, 57. Aufl.2014, § 309 StPO, Rn. 9[]