Der ver­las­se­ne Lebens­ge­fähr­te – und der Mord aus nied­ri­gen Beweg­grün­de

Beweg­grün­de sind nied­rig im Sin­ne von § 211 Abs. 2 StGB, wenn sie nach all­ge­mei­ner sitt­li­cher Wer­tung auf tiefs­ter Stu­fe ste­hen und daher beson­ders, d.h. in deut­lich weit­rei­chen­de­rem Maße als bei einem Tot­schlag, ver­ach­tens­wert sind.

Der ver­las­se­ne Lebens­ge­fähr­te – und der Mord aus nied­ri­gen Beweg­grün­de

Die Beur­tei­lung erfor­dert eine Gesamt­wür­di­gung aller äuße­ren und inne­ren, für die Hand­lungs­an­trie­be des Täters maß­geb­li­chen Fak­to­ren1.

Es ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass die Tötung des Intim­part­ners, der sich vom Täter abwen­den will, nicht zwangs­läu­fig als durch nied­ri­ge Beweg­grün­de moti­viert bewer­tet wer­den muss2. Gera­de der Umstand, dass die Tren­nung vom Tat­op­fer aus­ge­gan­gen ist, darf als gegen die Nied­rig­keit des Beweg­grun­des spre­chen­der Umstand beur­teilt wer­den3. Glei­ches gilt im Ergeb­nis für eine spon­ta­ne affek­ti­ve Erre­gung4 des Täters, die aus sei­ner Wut über das täu­schen­de Vor­ver­hal­ten der (Ex)Partnerin und deren Reak­ti­on in Gestalt von Grin­sen und Lachen auf sein Wei­nen bei Offen­ba­rung ihres inti­men Ver­hält­nis­ses zu einem Drit­ten resul­tier­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Febru­ar 2018 – 1 StR 351/​17

  1. st. Rspr.; etwa BGH, Urtei­le vom 01.03.2012 – 3 StR 425/​11, NStZ 2012, 691, 692 Rn. 14; und vom 12.06.2013 – 5 StR 129/​13, NStZ 2013, 524, 525 Rn. 7 mwN
  2. sie­he nur BGH, Urteil vom 25.07.2006 – 5 StR 97/​06, NStZ-RR 2006, 340, 342; Schnei­der in Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, 3. Aufl., § 211 Rn. 105 mwN
  3. vgl. BGH aaO
  4. vgl. BGH, Urteil vom 29.01.2015 – 4 StR 433/​14, NStZ 2015, 392, 393