Der verlassene Lebensgefährte – und der Mord aus niedrigen Beweggründe

15. Mai 2018 | Strafrecht
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Beweggründe sind niedrig im Sinne von § 211 Abs. 2 StGB, wenn sie nach allgemeiner sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehen und daher besonders, d.h. in deutlich weitreichenderem Maße als bei einem Totschlag, verachtenswert sind.

Die Beurteilung erfordert eine Gesamtwürdigung aller äußeren und inneren, für die Handlungsantriebe des Täters maßgeblichen Faktoren1.

Es entspricht der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass die Tötung des Intimpartners, der sich vom Täter abwenden will, nicht zwangsläufig als durch niedrige Beweggründe motiviert bewertet werden muss2. Gerade der Umstand, dass die Trennung vom Tatopfer ausgegangen ist, darf als gegen die Niedrigkeit des Beweggrundes sprechender Umstand beurteilt werden3. Gleiches gilt im Ergebnis für eine spontane affektive Erregung4 des Täters, die aus seiner Wut über das täuschende Vorverhalten der (Ex)Partnerin und deren Reaktion in Gestalt von Grinsen und Lachen auf sein Weinen bei Offenbarung ihres intimen Verhältnisses zu einem Dritten resultierte.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 21. Februar 2018 – 1 StR 351/17

  1. st. Rspr.; etwa BGH, Urteile vom 01.03.2012 – 3 StR 425/11, NStZ 2012, 691, 692 Rn. 14; und vom 12.06.2013 – 5 StR 129/13, NStZ 2013, 524, 525 Rn. 7 mwN
  2. siehe nur BGH, Urteil vom 25.07.2006 – 5 StR 97/06, NStZ-RR 2006, 340, 342; Schneider in Münchener Kommentar zum StGB, 3. Aufl., § 211 Rn. 105 mwN
  3. vgl. BGH aaO
  4. vgl. BGH, Urteil vom 29.01.2015 – 4 StR 433/14, NStZ 2015, 392, 393

 
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