Der dea­len­de Mit­ar­bei­ter – und die straf­recht­li­che Geschäfts­her­ren­haf­tung

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu den Grund­sät­zen der straf­recht­li­chen Geschäfts­her­ren­haf­tung 1 kann sich aus der Stel­lung als Betriebs­in­ha­ber bzw. Vor­ge­setz­ter je nach den Umstän­den des Ein­zel­falls eine Garan­ten­pflicht zur Ver­hin­de­rung von Straf­ta­ten von Mit­ar­bei­tern erge­ben

Der dea­len­de Mit­ar­bei­ter – und die straf­recht­li­che Geschäfts­her­ren­haf­tung

Die­se beschränkt sich auf die Ver­hin­de­rung betriebs­be­zo­ge­ner Straf­ta­ten und umfasst nicht sol­che Taten, die der Mit­ar­bei­ter ledig­lich bei Gele­gen­heit sei­ner Tätig­keit im Betrieb begeht. Betriebs­be­zo­gen ist eine Tat dann, wenn sie einen inne­ren Zusam­men­hang mit der betrieb­li­chen Tätig­keit des Bege­hungs­tä­ters oder mit der Art des Betrie­bes auf­weist 2.

Dies kann auch der Fall sein, wenn der Mit­ar­bei­ter Betäu­bungs­mit­tel unter Nut­zung der Ver­kaufs- und Lager­räu­me gleich­sam in Erwei­te­rung des lega­len Geschäfts­be­trie­bes an die Laden­kund­schaft ver­kauft und die­se Geschäf­te Aus­fluss sei­ner betrieb­li­chen Tätig­keit als Ver­käu­fer im Laden­lo­kal (hier: sei­nes Bru­ders) sind, was im vor­lie­gen­den Fall auch die Ein­bin­dung von Stamm­kund­schaft in den Betäu­bungs­han­del beleg­te. Im ent­schie­de­nen Fall kam hin­zu, dass die Aus­stat­tung der Räu­me (abge­kleb­te Schei­ben) sowie die Art und Wei­se des Geschäfts­be­trie­bes (hohe Fre­quenz, kur­ze Auf­ent­halts­zei­ten) zudem das Durch­füh­ren ille­ga­ler Geschäf­te erleich­ter­ten.

Ange­sichts die­ser Umstän­de bedurf­te es für den Bun­des­ge­richts­hof kei­ner nähe­ren Erör­te­rung, ob der Geschäfts­in­ha­ber die Han­dels­ak­ti­vi­tä­ten sei­nes Bru­ders nicht sogar bewusst durch akti­ves Tun wie etwa die Über­ga­be der Laden­schlüs­sel oder sons­ti­ge Hand­lun­gen unter­stützt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Febru­ar 2018 – 5 StR 629/​17

  1. BGH, Urteil vom 20.10.2011 – 4 StR 71/​11, BGHSt 57, 42, 45 f.; ((vgl. hier­zu näher insb. Berndt, StV 2009, 689; Bül­te, NZWiSt 2012, 176; Dannecker/​Dannecker JZ 2010, 981; Fischer, StGB, 65. Aufl., § 13 Rn. 67 ff.; Kret­sch­mer, Stra­Fo 2012, 259; Kud­lich in SSW-StGB, 3. Aufl., § 13 Rn. 31 f.; Lackner/​Kühl, 28. Aufl., § 13 Rn. 14; Mansdörfer/​Trüg, StV 2012, 432; Mosbacher/​Dierlamm, NStZ 2010, 268, 269; Peter­mann, FS Schil­ler, 2014, S. 538; Roxin, FS Beul­ke, S. 239, und Straf­recht AT II, § 32 Rn. 134 ff.; Rudolphi/​Stein in SK-StGB, 9. Aufl., § 13 Rn. 35a; Schall, FS Rudol­phi, S. 267, und FS Kühl, S. 417; Schlös­ser, NZWiSt 2012, 281; Sommer/​Lindemann JuS 2015, 1057; Schü­ne­mann, wis­tra 1982, 41; Spring, Die straf­recht­li­che Geschäfts­her­ren­haf­tung – Unter­las­sungs­haf­tung betrieb­lich Vor­ge­setz­ter für Straf­ta­ten Unter­ge­be­ner, 2009, und GA 2010, 222; Stree/​Bosch in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 13 Rn. 53 f.; Wei­gend in LK, 12. Aufl., § 13 Rn. 56[]
  2. BGH, aaO, S. 46[]