Der mit­tä­ter­schaft­lich began­ge­ne Mord

Mit­tä­ter­schaft im Sin­ne des § 25 Abs. 2 StGB setzt einen gemein­sa­men – mög­li­cher­wei­se auch kon­klu­dent getrof­fe­nen – Tatent­schluss vor­aus, auf des­sen Grund­la­ge jeder Mit­tä­ter einen objek­ti­ven Tat­bei­trag leis­ten muss1. Bei einem Tötungs­de­likt muss die­ser gemein­sa­me Tatent­schluss auf die Tötung eines Men­schen durch arbeits­tei­li­ges Zusam­men­wir­ken gerich­tet sein2.

Der mit­tä­ter­schaft­lich began­ge­ne Mord

Bei Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen, von denen nicht jede sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le ver­wirk­licht, han­delt mit­tä­ter­schaft­lich, wer sei­nen eige­nen Tat­bei­trag so in die gemein­schaft­li­che Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Tun als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Mit­tä­ter­schaft erfor­dert dabei zwar nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen selbst; aus­rei­chen kann auch ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt. Stets muss sich die­se Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der auf die jewei­li­ge Tat bezo­ge­nen Tätig­keit aller darstellen.

Ob ein Betei­lig­ter ein so enges Ver­hält­nis zur Tat hat, hat der Tatrich­ter auf­grund einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de zu prü­fen. Wesent­li­che Anhalts­punk­te kön­nen dabei

  • der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Tat­er­folg,
  • der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und
  • die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le zur Tatherrschaf

sein, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen3.

Allein eine vor­he­ri­ge Kennt­nis von der von den ande­ren Ange­klag­ten geplan­ten Tötung und ihr Wil­le, die­se als gemein­sa­me anzu­se­hen, kann eine Mit­tä­ter­schaft aber nicht begrün­den4.

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Auch auf das gemein­sa­me Inter­es­se am Tat­er­folg (Anteil am Tat­erlös) kann nicht abge­stellt wer­den, wenn es sich hier­bei um die zu erwar­te­ten Erträ­ge aus einer der Tötung vor­ge­la­ger­ten Erpres­sung han­delt. Damit ist aber noch kein erheb­li­ches Eigen­in­ter­es­se an der sich anschlie­ßen­den Tötung belegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. März 2020 – 4 StR 134/​19

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.2017 – 2 StR 220/​17, NStZ 2018, 144, 145; Beschluss vom 19.02.1997 – 3 StR 21/​97, NStZ 1997, 336; jew. mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 01.03.2018 – 4 StR 399/​17, NStZ 2018, 409 Rn. 27[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.2017 – 2 StR 220/​17, NStZ 2018, 144, 145; Beschluss vom 23.05.2017 – 4 StR 617/​16 Rn. 13; Urteil vom 29.11.2007 – 4 StR 425/​07, NStZ 2008, 273; jew. mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 29.09.2015 – 3 StR 336/​15, NStZ-RR 2016, 6, 7[]

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