Der nicht erreich­ba­re Man­dant – und die Fra­ge des vor­sorg­li­chen Ein­le­gens eines Rechts­mit­tels

Ein Ange­klag­ter, der die defi­ni­ti­ve Zusa­ge sei­nes Ver­tei­di­gers, ein Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen, noch nicht erhal­ten hat, kann wäh­rend des Laufs der Ein­le­gungs­frist nicht dar­auf ver­trau­en, dass dies gleich­wohl geschieht [1].

Der nicht erreich­ba­re Man­dant – und die Fra­ge des vor­sorg­li­chen Ein­le­gens eines Rechts­mit­tels

Vor die­sem Hin­ter­grund hät­te der Ver­tei­di­ger auch nicht rein vor­sorg­lich Revi­si­on ein­le­gen müs­sen, da man­gels Erreich­bar­keit der Ange­klag­ten eine defi­ni­ti­ve Klä­rung über die Rechts­mit­tel­ein­le­gung inner­halb der Rechts­mit­tel­frist nicht erfol­gen konn­te.

Gera­de weil die Fra­ge der Revi­si­ons­ein­le­gung noch offen war, war es Sache der Ange­klag­ten, dafür Sor­ge zu tra­gen, dass ihr Ver­tei­di­ger sie für eine Rück­spra­che errei­chen konn­te [2].

Dass die Ange­klag­te, der die Wochen­frist zur Ein­le­gung der Revi­si­on bekannt war, ange­nom­men haben könn­te, die­se Frist sei eine rei­ne Bedenk­zeit und umfas­se nicht zugleich die für den rein tech­ni­schen Vor­gang der Ein­le­gung des Rechts­mit­tels erfor­der­li­che Zeit­span­ne, ist weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich. Zwar war die Absen­dung des unter dem 12.03.2015 abge­fass­ten, an die Post­an­schrift der Ange­klag­ten in den Nie­der­lan­den gerich­te­ten Schrei­bens ihres Pflicht­ver­tei­di­gers mit der Auf­for­de­rung, sich zur Fra­ge der Ein­le­gung der Revi­si­on nun­mehr zu erklä­ren, im Hin­blick auf die am nächs­ten Tag ablau­fen­de Frist ersicht­lich ver­spä­tet und des­halb wenig sach­dien­lich. Das eige­ne Ver­schul­den der Ange­klag­ten wird dadurch aber nicht besei­tigt [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2015 – 4 StR 364/​15

  1. BGH, Beschluss vom 06.08.2009 – 3 StR 319/​08, NStZ-RR 2009, 375; Tsam­bi­ka­kis aaO, § 44 Rn. 41[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.09.1996 – 2 StR 426/​96, NStZ 1997, 95[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 22.08.2012 – 4 StR 299/​12[]