Der Papier­ab­fall eines malen­den Künst­lers

Auch wenn ein Künst­ler Papie­re aus­sor­tiert und in die Papier­ton­ne gewor­fen hat, bleibt er Eigen­tü­mer. Das Mit­neh­men der Papie­re ist Dieb­stahl.

Der Papier­ab­fall eines malen­den Künst­lers

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Ange­klag­ten wegen Dieb­stahl von Kunst­wer­ken des Köl­ner Künst­lers Ger­hard Rich­ter ver­ur­teilt und damit gleich­zei­tig die vor­her­ge­hen­den Ent­schei­dun­gen des Amts- und Land­ge­richts Köln bestä­tigt. Zu dem Dieb­stahl war es gekom­men als der Ange­klag­te den Künst­ler in Köln besucht hat­te, um ihm eine Kunst­map­pe mit diver­sen Wer­ken anzu­bie­ten. Der Ver­kauf kam nicht zustan­de. Bei dem Besuch bemerk­te der Ange­klag­te auf dem Grund­stück des Künst­lers eine umge­fal­le­ne Papier­ton­ne und dane­ben lie­gen­den Papier­ab­fall, der aus der Ton­ne her­aus­ge­fal­len war. Beim Auf­sam­meln des Mülls ent­deck­te er ins­ge­samt vier vom Künst­ler ange­fer­tig­te und von die­sem ent­sorg­te Wer­ke. In dem Glau­ben, zur Mit­nah­me des Papier­ab­falls berech­tigt zu sein, nahm er die Wer­ke mit. Spä­ter ver­such­te er, die Wer­ke vom Künst­ler signie­ren zu las­sen und über ein Auk­ti­ons­haus zu ver­kau­fen. Vom Amts- und Land­ge­richt Köln ist der Ange­klag­te des Dieb­stahls für schul­dig befun­den wor­den.

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat in sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung aus­ge­führt, die Wer­ke mit­zu­neh­men sei Dieb­stahl gewe­sen, auch wenn der Künst­ler die Papie­re aus­sor­tiert gehabt habe. Er sei wei­ter Eigen­tü­mer des aus der Papier­ton­ne her­aus­ge­fal­le­nen, aber noch auf sei­nem Grund­stück befind­li­chen Abfalls geblie­ben. Die Wer­ke hät­ten sich nach der Ver­kehrs­auf­fas­sung auch noch in sei­nem Gewahr­sam befun­den. Der Glau­be, zur Mit­nah­me des Papier­ab­falls berech­tigt gewe­sen zu sein, hin­de­re eine Bestra­fung nicht. Der Ange­klag­te habe sich in einem sog. ver­meid­ba­ren Ver­bots­irr­tum gem. § 17 S. 2 StGB befun­den. Er hät­te erken­nen kön­nen, dass auch dem­je­ni­gen, der einen Gegen­stand in die auf sei­nem Grund­stück ste­hen­de Abfall­ton­ne wirft, andau­ern­de Rech­te an dem Gegen­stand zuste­hen. Das gel­te beson­ders für Wer­ke eines berühm­ten Künst­lers.

Den Straf­aus­spruch des Land­ge­richts Köln, nach dem der Ange­klag­te zu einer Geld­stra­fe von 60 Tages­sät­zen zu je 20 Euro ver­ur­teilt wor­den ist, hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln auf­ge­ho­ben und die Sache nur zur Fest­set­zung einer neu­en Stra­fe an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Dem Land­ge­richt waren Rechts­feh­ler bei der Straf­zu­mes­sung u.a. im Hin­blick auf die Anwen­dung von § 17 S. 2 StGB (Mil­de­rung bei Ver­bots­irr­tum) unter­lau­fen.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Beschluss vom 21. April 2020 – III‑1 RVs 78/​20