Der Pflicht­ver­tei­di­ger und das Adhä­si­ons­ver­fah­ren

Die gericht­li­che Bestel­lung zum Pflicht­ver­tei­di­ger umfasst nicht die Ver­tre­tung des Ange­klag­ten im Adhä­si­ons­ver­fah­ren.

Der Pflicht­ver­tei­di­ger und das Adhä­si­ons­ver­fah­ren

Sei­ne bis­he­ri­ge ander­lau­ten­de Recht­spre­chung [1] hat das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg jetzt auf­ge­ge­ben.

Dem im Ver­fah­ren als Pflicht­ver­tei­di­ger bei­geord­ne­ten Beschwer­de­füh­rer steht für sei­ne auf das Adhä­si­ons­ver­fah­ren bezo­ge­ne Tätig­keit kei­ne Ver­gü­tung zu, weil er nicht auch für das Adhä­si­ons­ver­fah­ren bei­geord­net wur­de. Denn die Bestel­lung zum Pflicht­ver­tei­di­ger umfasst nicht auch die Tätig­keit zur Abwehr eines gegen den ver­tei­dig­ten Ange­klag­ten gerich­te­ten Adhä­si­ons­an­tra­ges. In die­ser in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur aller­dings umstrit­te­nen Fra­ge stimmt der 1. Straf­se­nat des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg mit der inzwi­schen unter den Ober­lan­des­ge­rich­ten vor­herr­schen­den und "über­zeu­gend begrün­de­ten" Ansicht über­ein [2]. Der 1. Straf­se­nat des Hans. OLG hält aus­drück­lich nicht mehr an der von ihm in ande­rem Zusam­men­hang geäu­ßer­ten – sei­ner­zeit zur Begrün­dung der Unge­eig­net­heit eines Adhä­si­ons­an­tra­ges zur Erle­di­gung im Straf­ver­fah­ren (§ 406 Abs. 1 S. 4 StPO) mit her­an­ge­zo­ge­nen – gegen­tei­li­gen Ansicht [3] fest.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 15. April 2013 – 1 Ws 6/​13

  1. OLG Ham­burg, Beschluss vom 29.07.2005 – 1 Ws 92/​05, NStZ-RR 347, 349; Anschluss an hM, u.a. OLG Ham­burg, Beschluss vom 14.06.2010 – 3 Ws 73/​10, Beck­RS 2010, 15747; Beschluss vom 17.06.2010, 2 Ws 237/​09, OLGSt StPO § 141 Nr 8[]
  2. vgl. OLG Karls­ru­he Stra­Fo 2013, 84-85; OLG Hamm [3. Straf­se­nat] Stra­Fo 2013, 85 – 86; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 11.04.2012 – III‑1 Ws 84/​12; KG, Beschluss vom 24.06.2010 – 1 Ws 22/​09; OLG Ham­burg [2. Straf­se­nat] OLGSt StPO § 141 Nr 8; OLG Ham­burg [3. Straf­se­nat], Beschluss vom 14.06.2010 – 3 Ws 73/​10Beck­RS 2010, 15747 – beck-online; OLG Olden­burg Stra­Fo 2010, 306-307; OLG Stutt­gart, Beschluss vom06.04.2009 – 1 Ws 38/​09; OLG Bam­berg OLGSt StPO § 140 Nr 25; OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 30.09.2008 – 1 Ws 142/​08; OLG Jena, Beschluss vom 14.04.2008 – 1 Ws 51/​08; OLG Cel­le, NStZ-RR 2008, 190-192; OLG Zwei­brü­cken, Beschluss vom 11.09.2006 – 1 Ws 347/​06; OLG Mün­chen StV 2004, 38; a.A. OLG Ros­tock, Beschluss vom 15.06.2011 – 1 Ws 166/​11; OLG Dres­den, Beschluss vom 13.06.2007 – 1 Ws 155/​06; OLG Köln Stra­Fo 2005, 394-395; OLG Hamm [2. Straf­se­nat], Beschluss vom 31.05.2001 – 2 (s) Sbd 6 – 87/​01; OLG Schles­wig NStZ 1998, 101-102[]
  3. OLG Ham­burg, Beschluss vom 29.07.2005, NStZ-RR 2006, 347, 349[]