Die gerichtliche Bestellung zum Pflichtverteidiger umfasst nicht die Vertretung des Angeklagten im Adhäsionsverfahren.
Seine bisherige anderlautende Rechtsprechung1 hat das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg jetzt aufgegeben.
Dem im Verfahren als Pflichtverteidiger beigeordneten Beschwerdeführer steht für seine auf das Adhäsionsverfahren bezogene Tätigkeit keine Vergütung zu, weil er nicht auch für das Adhäsionsverfahren beigeordnet wurde. Denn die Bestellung zum Pflichtverteidiger umfasst nicht auch die Tätigkeit zur Abwehr eines gegen den verteidigten Angeklagten gerichteten Adhäsionsantrages. In dieser in Rechtsprechung und Literatur allerdings umstrittenen Frage stimmt der 1. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg mit der inzwischen unter den Oberlandesgerichten vorherrschenden und „überzeugend begründeten“ Ansicht überein2. Der 1. Strafsenat des Hans. OLG hält ausdrücklich nicht mehr an der von ihm in anderem Zusammenhang geäußerten – seinerzeit zur Begründung der Ungeeignetheit eines Adhäsionsantrages zur Erledigung im Strafverfahren (§ 406 Abs. 1 S. 4 StPO) mit herangezogenen – gegenteiligen Ansicht3 fest.
Hanseatisches Oberlandesgericht Hamburg, Beschluss vom 15. April 2013 – 1 Ws 6/13
- OLG Hamburg, Beschluss vom 29.07.2005 – 1 Ws 92/05, NStZ-RR 347, 349; Anschluss an hM, u.a. OLG Hamburg, Beschluss vom 14.06.2010 – 3 Ws 73/10, BeckRS 2010, 15747; Beschluss vom 17.06.2010, 2 Ws 237/09, OLGSt StPO § 141 Nr 8[↩]
- vgl. OLG Karlsruhe StraFo 2013, 84-85; OLG Hamm [3. Strafsenat] StraFo 2013, 85-86; OLG Düsseldorf, Beschluss vom 11.04.2012 – III-1 Ws 84/12; KG, Beschluss vom 24.06.2010 – 1 Ws 22/09; OLG Hamburg [2. Strafsenat] OLGSt StPO § 141 Nr 8; OLG Hamburg [3. Strafsenat], Beschluss vom 14.06.2010 – 3 Ws 73/10 – BeckRS 2010, 15747 – beck-online; OLG Oldenburg StraFo 2010, 306-307; OLG Stuttgart, Beschluss vom06.04.2009 – 1 Ws 38/09; OLG Bamberg OLGSt StPO § 140 Nr 25; OLG Brandenburg, Beschluss vom 30.09.2008 – 1 Ws 142/08; OLG Jena, Beschluss vom 14.04.2008 – 1 Ws 51/08; OLG Celle, NStZ-RR 2008, 190-192; OLG Zweibrücken, Beschluss vom 11.09.2006 – 1 Ws 347/06; OLG München StV 2004, 38; a.A. OLG Rostock, Beschluss vom 15.06.2011 – 1 Ws 166/11; OLG Dresden, Beschluss vom 13.06.2007 – 1 Ws 155/06; OLG Köln StraFo 2005, 394-395; OLG Hamm [2. Strafsenat], Beschluss vom 31.05.2001 – 2 (s) Sbd 6 – 87/01; OLG Schleswig NStZ 1998, 101-102[↩]
- OLG Hamburg, Beschluss vom 29.07.2005, NStZ-RR 2006, 347, 349[↩]










