Der pro­zess­un­fä­hi­ge Que­ru­lant

Mit der Fra­ge der Pro­zess­un­fä­hig­keit eines unter que­ru­la­to­risch-fana­ti­schen, nar­ziss­ti­schen und para­no­iden Zügen lei­den­den Betrof­fe­nen hat­te sich aktu­ell das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men in einer Straf­voll­stre­ckungs­sa­che zu befas­sen:

Der pro­zess­un­fä­hi­ge Que­ru­lant

Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für die Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels wie für jeden pro­zes­sua­le Wir­kun­gen aus­lö­sen­den Antrag ist die pro­zes­sua­le Hand­lungs­fä­hig­keit des­je­ni­gen, der es ein­legt [1]. Sie ist nicht not­wen­di­ger­wei­se gleich­zu­set­zen mit sei­ner Ver­hand­lungs­fä­hig­keit, die sich auf die geis­ti­ge und kör­per­li­che Fähig­keit des Ange­klag­ten bezieht, der Ver­hand­lung zu fol­gen und sich ent­spre­chend zu betei­li­gen sowie sei­ne Inter­es­sen ver­nünf­tig zu ver­tre­ten [2]. Soweit ein dem Voll­zug eines straf­ge­richt­li­chen Urteils Unter­wor­fe­ner außer­halb einer Haupt­ver­hand­lung Erklä­run­gen abgibt, die mate­ri­el­le Wir­kun­gen ent­fal­ten kön­nen, bedarf es für deren Wirk­sam­keit dage­gen sei­ner Pro­zess­fä­hig­keit, die aller­dings – ähn­lich wie die Ver­hand­lungs­fä­hig­keit – nicht sei­ne vol­le bür­ger­lich­recht­li­che Geschäfts­fä­hig­keit vor­aus­setzt, son­dern straf­ver­fah­rens­recht­li­cher Natur ist [3]. Dabei kann eine sonst bestehen­de Pro­zess­fä­hig­keit auch nur für einen gegen­ständ­lich beschränk­ten Kreis von Ange­le­gen­hei­ten aus­ge­schlos­sen sein. Für die Annah­me der Pro­zess­fä­hig­keit ist es nicht aus­rei­chend, dass der Unter­ge­brach­te sich nur der Bedeu­tung sei­ner Erklä­run­gen bewusst ist. Gemein­sa­me Min­dest­vor­aus­set­zung der zivil­recht­li­chen Geschäfts­fä­hig­keit wie auch der Wirk­sam­keit einer Pro­zess­hand­lung im Straf­ver­fah­rens­recht ist die Frei­heit des Wil­lens­ent­schlus­ses, die not­wen­di­ger­wei­se als vol­un­ta­ti­ve und emo­tio­na­le Kom­po­nen­te zu einer der Per­son ver­ant­wort­lich zure­chen­ba­ren Geis­tes­tä­tig­keit gehört [4]. Eine wirk­sa­me Pro­zess­hand­lung schei­det daher aus, wenn der Betrof­fe­ne bezo­gen auf die abge­ge­be­nen pro­zes­sua­len Erklä­run­gen im jewei­li­gen Ver­fah­rens­ab­schnitt auf­grund sei­ner Erkran­kung dau­er­haft dar­an gehin­dert ist, sei­ne Ent­schei­dun­gen von ver­nünf­ti­gen Erwä­gun­gen abhän­gig zu machen, sei­ne Wil­lens­be­tä­ti­gung viel­mehr auf einer krank­haf­ten Stö­rung der frei­en Wil­lens­bil­dung durch nicht zu kon­trol­lie­ren­de Trie­be und Vor­stel­lun­gen ähn­lich einer mecha­ni­schen Ver­knüp­fung von Ursa­che und Wir­kung zurück­zu­füh­ren ist ((vgl. BGH, NJW 1970, 1680; BGH, Beschluss vom 14.05.2002 – RiZ ® 3/​00; LSG Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 24.04.1997 – L 10 U 3372/​96).

In Anse­hung die­ser Maß­stä­be ist bei dem Unter­ge­brach­ten eine Pro­zess­fä­hig­keit im Hin­blick auf die von ihm ein­ge­leg­ten (sofor­ti­gen) Beschwer­den und sei­ne beim Senat gestell­ten Anträ­ge nicht gege­ben.

Der in dem Erkennt­nis­ver­fah­ren vor dem Land­ge­richt Bre­men beauf­trag­te Sach­ver­stän­di­ge X. stell­te dort bereits fest, dass bei dem Unter­ge­brach­ten eine kom­bi­nier­te Per­sön­lich­keits­stö­rung mit que­ru­la­to­risch-fana­ti­schen, nar­ziss­ti­schen und para­no­iden Zügen sowie eine iso­lier­te krank­haf­te Stö­rung im Sin­ne eines Que­ru­lan­ten­wahns vor­lie­ge.

In sei­nem aktu­el­len durch den Senat ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten kommt der­sel­be Sach­ver­stän­di­ge zu dem Ergeb­nis, dass sich in dem hart­nä­cki­gen, fana­tisch-que­ru­la­to­ri­schen Ver­hal­ten des Unter­ge­brach­ten kei­ne wesent­li­che Bes­se­rung erge­ben habe. Es müs­se eher von Stei­ge­run­gen und Zuspit­zun­gen zumin­dest wäh­rend der Zeit in der Bre­mer Kli­nik gespro­chen wer­den. Der Unter­ge­brach­te han­de­le im Rah­men sei­nes Rechts­kamp­fes fast reflex­haft, ste­reo­typ und ohne Rück­sicht auf Kon­se­quen­zen. Neben allen ein­schlä­gi­gen Ein­rich­tun­gen der Bre­mer Jus­tiz sei­en Gerich­te und Ober­ge­rich­te in Köln, Frank­furt, Karls­ru­he und Straß­burg Adres­sa­ten sei­ner expan­si­ven Akti­vi­tä­ten gewor­den. Exem­pla­risch ver­weist der Sach­ver­stän­di­ge auf die allein im Jahr 2012 beim Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men ein­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren. Bis Sep­tem­ber 2012 waren dies 18 Beschwer­den und Anträ­ge. Wie bei den recht­li­chen Akti­vi­tä­ten kon­sta­tiert der Sach­ver­stän­di­ge auch in kli­nisch-the­ra­peu­ti­scher Hin­sicht kei­ne wesent­li­che Ände­rung. Unter dem Ein­fluss einer neu­ro­lep­ti­schen Behand­lung habe zwar vor­über­ge­hend eine gewis­se Ent­ak­tua­li­sie­rung der wahn­haf­ten Vor­stel­lun­gen und eine gewis­se Distan­zie­rung vom Mit­tel der Gewalt und von Mord­an­dro­hun­gen erzielt wer­den kön­nen. Mit dem recht­lich gebo­te­nen Abbruch der Behand­lung sei aller­dings auch die­se Ver­än­de­rung in den Ein­stel­lun­gen und im Ver­hal­ten des Unter­ge­brach­ten nicht auf­recht zu erhal­ten gewe­sen. Der Sach­ver­stän­di­ge stellt im Wei­te­ren fest, dass damit die psy­cho­pa­tho­lo­gi­schen Fol­gen der jahr­zehn­te­lang ein­ge­schlif­fe­nen fana­tisch-que­ru­la­to­ri­schen Fehl­ent­wick­lung fort­be­stün­den. Der Unter­ge­brach­te seit wei­ter­hin wahn­haft von der Rich­tig­keit der von ihm ein­ge­nom­me­nen Posi­ti­on über­zeugt und eben­so von einem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­wir­ken der von ihm als ver­bre­che­risch ein­ge­stuf­ten Jus­tiz­or­ga­ne. Sein Den­ken und Stre­ben sei von die­sen The­men präok­ku­piert, er ver­ab­so­lu­tie­re sei­ne ein­ge­schränk­te Welt­sicht und sei zum Ein­neh­men alter­na­ti­ver Per­spek­ti­ven nicht bereit. Ins­ge­samt fän­den sich bei dem Unter­ge­brach­ten gra­vie­ren­de psy­chi­sche Stö­run­gen mit Rele­vanz für die Lenk­bar­keit des Ver­hal­tens durch ver­nünf­ti­ge Erwä­gun­gen. Sei­ne Ein­bu­ßen beträ­fen die sozia­le Wahr­neh­mung, die affek­ti­ve Reagi­bi­li­tät, die Situa­ti­ons­be­ur­tei­lung, die Wil­lens­bil­dung, die dar­aus fol­gen­den Ent­schei­dun­gen und schließ­lich deren Umset­zung in kon­kre­tes Ver­hal­ten. Im Vor­der­grund der Stö­run­gen stün­den die wahn­haf­ten Beson­der­hei­ten des Den­kens, also die rigi­de Fest­le­gung auf die eige­ne, sub­jek­tiv über jeden Zwei­fel erha­be­ne Per­spek­ti­ve mit man­geln­der Fähig­keit zum Über­stieg in ande­re Seh­wei­sen. Das zwei­te wich­ti­ge Ele­ment sei die enorm hohe affek­ti­ve Beset­zung der Que­ru­lanz­kom­ple­xe, der zufol­ge bei die­sen The­men eine tief ein­ge­schlif­fe­ne Dis­po­si­ti­on zur fast reflek­to­ri­schen Mobi­li­sie­rung von Affek­ten des Ärgers und der Feind­se­lig­keit bestehe. Bei­de vor­ge­nann­ten Fak­to­ren hät­ten im jahr­zehn­te­lan­gen mali­gnen Ver­lauf zu einer Ver­for­mung der see­li­schen Struk­tur und des Wert­ge­fü­ges geführt, so dass alter­na­ti­ve Sti­le des gedank­li­chen und des gefühls­mä­ßi­gen Umgan­ges mit der Rea­li­tät kaum mög­lich sei­en. Die­se Eigen­schaf­ten leg­ten den Pro­ban­den aus psy­cho­pa­tho­lo­gi­scher Sicht im auf die Rechts­kom­ple­xe bezo­ge­nen Den­ken, Füh­len und Han­deln so weit­ge­hend fest, dass bei ihm in den see­li­schen Abläu­fen nicht mehr von einer frei­en Moti­vier­bar­keit gespro­chen wer­den kön­ne. Damit sei bezo­gen auf die The­men des Rechts­kamp­fes auch nicht mehr von einer frei­en Wil­lens­bil­dung wie bei einem Gesun­den aus­zu­ge­hen. Er sei in patho­lo­gi­scher Wei­se dis­po­niert, an sei­nen über Jahr­zehn­te ent­stan­de­nen Ein­stel­lun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen fest­zu­hal­ten. Sein Den­ken sei starr und ein­ge­engt, sei­ne affek­ti­ve Reagi­bi­li­tät ver­än­dert, Per­sön­lich­keits­struk­tur und Wert­ge­fü­ge ver­formt.

Sei­ne ver­ba­len wie schrift­li­chen Äuße­run­gen zu den in Rede ste­hen­den Rechts­kom­ple­xen sei­en weit­ge­hend ste­reo­typ und lie­ßen von der Grund­aus­rich­tung her kei­ne Fähig­keit zur Modi­fi­ka­ti­on erken­nen, selbst wenn gewis­se Modu­lie­run­gen im sprach­li­chen Aus­druck oder in der recht­li­chen Stoß­rich­tung vor­ge­nom­men wer­den. Der Grund­te­nor sei­nes Ver­hal­tens blei­be aber stets aus der krank­haf­ten Ver­for­mung des see­li­schen Gefü­ges her­aus bestimmt. Aus foren­sisch-psych­ia­tri­scher Sicht sei der Unter­ge­brach­te in Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten pro­zess­un­fä­hig im Sin­ne einer par­ti­el­len Geschäfts­un­fä­hig­keit.

Den Fest­stel­lun­gen und Schluss­fol­ge­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen schließt sich der Senat voll­um­fäng­lich an. Die­ser ist in sei­nem aus­führ­lich begrün­de­ten Gut­ach­ten erkenn­bar von zutref­fen­den Anknüp­fungs­tat­sa­chen aus­ge­gan­gen. Dem Sach­ver­stän­di­gen lagen alle Ver­fah­rens­ak­ten zu den der­zeit anhän­gi­gen Ver­fah­ren mit einer Viel­zahl von von dem Unter­ge­brach­ten ver­fass­ten Schrei­ben vor (Az.: Ws 56/​12 bis Ws 62/​12, Ws 90 bis 94/​12, Ws 100/​12, Ws 131/​12, Ws 139/​12 bis Ws 141/​12, Ws 148/​12, Ws 151/​12, Ws 156/​12 und Ws 157/​12). Die­se hat der Sach­ver­stän­di­ge detail­liert aus­ge­wer­tet.

Er hat sich für sei­ne Fest­stel­lun­gen des Wei­te­ren auf die Berich­te des Kli­ni­kums Bre­men-Ost vom 23.05.2012, 09.05.2012 und 16.10.2012 gestützt. Fer­ner lag ihm die Stel­lung­nah­me des Maß­re­gel­voll­zugs­zen­trums […] vom 11.01.2013 vor. Auf der Grund­la­ge die­ser Infor­ma­tio­nen sah sich der Sach­ver­stän­di­ge trotz der ver­wei­ger­ten per­sön­li­chen Unter­su­chung durch den Unter­ge­brach­ten aus­drück­lich in der Lage, fun­diert zu den gestell­ten Fra­gen Stel­lung zu neh­men. Die­se Annah­me sowie die von ihm in dem Gut­ach­ten getrof­fe­nen Schluss­fol­ge­run­gen sind für den Senat ohne Wei­te­res nach­voll­zieh­bar. Ins­be­son­de­re führt der Umstand, dass der Sach­ver­stän­di­ge auf­grund der Wei­ge­rung des Unter­ge­brach­ten kei­ne aktu­el­le per­sön­li­che Unter­su­chung vor­neh­men konn­te, nicht zu einem maß­geb­li­chen Defi­zit des Gut­ach­tens. Einen per­sön­li­chen Ein­druck von dem Unter­ge­brach­ten konn­te sich der Sach­ver­stän­di­ge immer­hin bereits in dem gegen den Unter­ge­brach­ten geführ­ten Aus­gangs­ver­fah­ren ver­schaf­fen.

Die Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen spie­geln sich in dem sich nach außen mani­fes­tie­ren­den Ver­hal­ten des Unter­ge­brach­ten im vor­lie­gen­den Beschwer­de­ver­fah­ren wie­der. In ihm wird deut­lich, dass bei dem Unter­ge­brach­ten das rechts­miss­bräuch­li­che Pro­zes­sie­ren durch Stel­len von Anträ­gen und Ein­le­gen von Rechts­mit­teln zum Selbst­zweck gewor­den ist. In nahe­zu allen sei­nen Schrei­ben tritt das durch die krank­haf­te Stö­rung des Que­ru­lan­ten­wahns bestimm­te streit­süch­ti­ge und beharr­li­che Bestehen auf sei­ne ver­meint­li­chen Rech­te deut­lich her­vor. Sei­ne häu­fig weit­schwei­fi­gen Schrei­ben sind in aller Regel über­frach­tet mit zahl­lo­sen Anträ­gen, die – häu­fig unter Ver­ken­nung der jewei­li­gen Zustän­dig­kei­ten und Ver­fah­rens­ord­nun­gen – eine ganz kon­kre­te Sach­be­hand­lung for­dern. Immer wie­der ver­knüpft er die­se For­de­run­gen an Amts­trä­ger mit der Andro­hung ihrer Tötung für den Fall, dass sie sei­nen Wün­schen nicht nach­kom­men. Sei­ne Aus­füh­run­gen sind dabei über­la­den mit Ver­wei­sen auf ande­re Schrei­ben und Ver­fah­ren, was zu einer Ver­schach­te­lung sämt­li­cher von ihm betrie­be­ner Ange­le­gen­hei­ten führt. Vie­len sei­ner Schrei­ben sind zahl­rei­che Anla­gen zu ande­ren von ihm initi­ier­ten Vor­gän­gen bei­gefügt, deren Rele­vanz für das kon­kre­te Ver­fah­ren sich nicht erschließt. Ins­be­son­de­re in der ste­reo­ty­pen Wie­der­ho­lung sei­ner Tötungs­ab­sich­ten für den Fall einer ihm nicht geneh­men Sach­be­hand­lung und in der kaum zu durch­drin­gen­de Ver­schach­te­lung aller Ange­le­gen­hei­ten in sei­nen Aus­füh­run­gen wird für den Senat die krank­haf­te, fana­tisch-que­ru­la­to­ri­sche Fehl­ent­wick­lung des Unter­ge­brach­ten deut­lich. Für ihn hän­gen ersicht­lich alle von ihm ange­streng­ten Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten mit­ein­an­der zusam­men. Der Umstand, dass er in die­sen Din­gen prak­tisch nie Erfol­ge hat­te, ist aus sei­ner krank­haft ver­än­der­ten Welt­sicht nicht damit zu erklä­ren, dass das Recht in der Sache nicht auf sei­ner Sei­te steht, son­dern nur durch ein sys­te­ma­ti­sches Zusam­men­wir­ken der von ihm als ver­bre­che­risch ein­ge­stuf­ten Jus­tiz­or­ga­ne, zu deren Besei­ti­gung er meint das Recht zu haben. Die­se wahn­haf­te Über­zeu­gung von der eige­nen Rich­tig­keit der von ihm ein­ge­nom­me­nen Posi­tio­nen schließt es aus, dass er in den ihn betref­fen­den Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten über­haupt in der Lage ist, alter­na­ti­ve Per­spek­ti­ven ein­zu­neh­men. Die Unfä­hig­keit, auf – viel­fach von ihm initi­ier­tes – Han­deln der Jus­tiz­or­ga­ne anders als durch wei­te­re Anträ­ge und Rechts­mit­tel zu reagie­ren, wird auch dadurch deut­lich, dass sich durch sei­ne Aus­füh­run­gen, soweit sie inhalt­lich über­haupt nach­voll­zieh­bar sind, eine unge­zü­gel­te Vor­wurfs­hal­tung gegen kon­kre­te Per­so­nen aus der Jus­tiz wie auch gegen die Insti­tu­tio­nen im All­ge­mei­nen zieht. Viel­fach ent­beh­ren die Schrei­ben der logi­schen Kon­sis­tenz und las­sen einen situa­ti­ons­un­an­ge­mes­se­nen Eifer des Ver­fas­sers bei zum Teil ver­wor­re­ner Dik­ti­on erken­nen.

Die­se Ver­hal­tens­wei­sen zie­hen sich durch nahe­zu alle Schrei­ben des Unter­ge­brach­ten im vor­lie­gen­den Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren. Bereits im Zusam­men­hang mit der gegen die erst­ma­li­ge Anord­nung der Fort­dau­er der Unter­brin­gung in dem Beschluss der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer vom 13.07.2011 gerich­te­ten sofor­ti­gen Beschwer­de des Unter­ge­brach­ten stell­te er mit aus vor­he­ri­gen Schrei­ben bekann­ten, nicht nach­voll­zieh­ba­ren Argu­men­ten Straf­an­zei­ge gegen eine Rei­he von Rich­tern des Land­ge­richts, Rechts­pfle­ge­rin­nen des Amts­ge­richts und Ver­tre­tern des Kli­ni­kums […] (Schrei­ben vom 26.08.2011). Die wahn­haf­te Über­zeu­gung des Unter­ge­brach­ten, er habe es aus­schließ­lich mit einem sei­ne Rech­te bewusst ver­let­zen­den staat­li­chen Sys­tem zu tun, wird beson­ders deut­lich in sei­ner an die Gene­ral­bun­des­an­walt­schaft gerich­te­ten Straf­an­zei­ge vom 10.09.2012, in der er eine Viel­zahl von Per­so­nen Straf­ta­ten bezich­tigt, weil sie nicht die Ent­schei­dun­gen zu sei­nen Guns­ten, die er sich vor­stellt, getrof­fen haben. So rich­tet sich die Straf­an­zei­ge gegen die Vor­sit­zen­de des Peti­ti­ons­aus­schus­ses der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft, die Mit­glie­der des Rechts- und Rich­ter­wahl­aus­schus­ses der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft, den Prä­si­den­ten der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft, den Sena­tor für Jus­tiz und Ver­fas­sung, die Sena­to­rin für Bil­dung, Wis­sen­schaft und Gesund­heit und ihre ver­ant­wort­li­chen Mit­ar­bei­ter der Beschwer­de­stel­le, die Gene­rals­staats­an­wäl­tin des Lan­des Bre­men, den ehe­ma­li­gen Lei­ten­den Ober­staats­an­walt der Staats­an­walt­schaft Bre­men, zwei ehe­ma­li­ge Rechts­an­wäl­te, die den Unter­ge­brach­ten in der Ver­gan­gen­heit ver­tre­ten haben, den Sach­ver­stän­di­gen im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren, die Prä­si­den­tin des Ober­lan­des­ge­richts Bre­men, die Prä­si­den­tin des Land­ge­richts Bre­men, den Prä­si­den­ten des Amts­ge­richts Bre­men sowie gegen 20 wei­te­re Rich­te­rin­nen und Rich­ter aus ver­schie­de­nen Gerichts­bar­kei­ten der Bre­mer Jus­tiz.

In einer Viel­zahl von Schrei­ben behaup­tet er eine Mani­pu­la­ti­on des Straf­ver­fah­rens und der Unter­brin­gungs­sa­che, stellt unge­zähl­te Anträ­ge und lehnt alle mög­li­chen Rich­ter der mit sei­nen Ver­fah­ren betrau­ten Gerich­te wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit ab.

In sei­nen Befan­gen­heits­an­trä­gen geht es ihm ersicht­lich nicht um die Sache, d.h. um den Aus­schluss befan­ge­ner Rich­ter an der Mit­wir­kung, son­dern dar­um, in sei­nem wahn­haf­ten Kampf gegen die Jus­tiz die Ver­stri­ckung der Rich­te­rin­nen und Rich­ter in eine gegen ihn gerich­te­te Ver­schwö­rung nach­zu­wei­sen. Wie der Senat in sei­nem Beschluss vom 28.11.2011 (Az.: Ws 118/​11) bereits fest­ge­stellt hat, zeugt sei­ne reflex­haf­te Ableh­nung von Rich­tern davon, dass er sich in einer Art „Wett­streit“ u.a. mit dem Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt wähnt, in dem es ihm allei­ne dar­um geht, so lan­ge Ableh­nungs­ge­su­che gegen prak­tisch jeden mit sei­nen Fäl­len befass­ten Rich­ter zu for­mu­lie­ren, bis das Gericht beschluss­un­fä­hig ist. Dies wird beson­ders deut­lich in dem Ableh­nungs­ge­such vom 25.11.2011 gegen ver­schie­de­ne am Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt täti­ge Rich­ter. In dem Schrei­ben legt der Antrag­stel­ler den Rich­tern des 1. Straf­se­na­tes (und des 1. Zivil­se­na­tes) nahe, sich „geschla­gen zu geben“, sich für beschluss­un­fä­hig für die Straf­sa­che 7 KLs 110 Js 39994/​05 und die Straf­voll­stre­ckungs­sa­chen zu erklä­ren und dem BGH die Sache zur Ver­le­gung der Zustän­dig­keit und Bestim­mung eines Straf­se­na­tes eines ande­ren OLG anzu­tra­gen. Sei­ne wahn­haf­te Vor­stel­lung von einem Kampf mit der Jus­tiz wird auch deut­lich in einem Schrei­ben vom 15.10.2011, in dem er das Ver­fah­ren als einen „Kon­flikt zwi­schen zwei sich feind­se­lig gegen­über­ste­hen­den Par­tei­en, der Jus­tiz und dem Kli­ni­kum auf der einen und mir auf der ande­ren Sei­te“ bezeich­net, in dem er aber die Bedin­gun­gen dik­tie­re. Einem Ableh­nungs­ge­such vom 16.11.2011 gegen die „Mit­glie­der des 1. Straf­se­nats“ fügt er eine von ihm auf 54 Sei­ten ver­fass­te Beschwer­de an den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te vom 07.11.2011 bei, in der er einer Viel­zahl von Rich­tern in Bre­men und in Köln im Zusam­men­hang mit von oder gegen ihn geführ­ten Rechts­strei­tig­kei­ten Rechts­beu­gung, Will­kür, Lügen, Mani­pu­la­ti­on, Kor­rup­ti­on u.v.m. vor­wirft. So bezeich­net er die Mit­glie­der des 24. Zivil­se­nats des OLG Köln etwa als „OLG-Anar­chis­ten“ und spricht von einer „kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung von Rich­tern, Staats­an­wäl­ten, Rechts­an­wäl­ten und Gut­ach­tern“, deren „orga­ni­sa­to­ri­scher Cha­rak­ter … weit über die OLG-Bezir­ke Köln und Bre­men“ hin­aus­ge­he. Nach bekann­tem Mus­ter stellt der Unter­ge­brach­te wahl­los Gewalt­an­dro­hun­gen bis hin zur Tötung u.a. von Rich­tern in den Raum. In einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de vom 09.06.2012 spricht er von den Rich­tern der Straf­kam­mer des Land­ge­richts Bre­men als „rechts­ab­nor­men Schwei­nen“, die er sich nicht wei­ter bie­ten las­sen müs­se. Auch sei­ne zur Akte gereich­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de vom 15.05.2012 ist gespickt mit ver­wor­re­nen Theo­rien über ein gegen ihn geschmie­de­tes Jus­tiz­kom­plott und Vor­wür­fen straf­ba­ren Han­delns gegen zahl­rei­che Rich­ter, aus denen er nach wie vor sei­ne Legi­ti­ma­ti­on zieht, die Gewalt­an­wen­dung gegen Rich­ter und Staats­an­wäl­te ankün­di­gen zu dür­fen.

Der Unter­ge­brach­te ist nach die­sen Fest­stel­lun­gen auf­grund sei­ner krank­heits­be­ding­ten Pro­zess­fä­hig­keit selbst zur Rechts­mit­tel­ein­le­gung und Antrag­stel­lung nicht in der Lage. Ein Betreu­er, der dies ggf. für ihn tun könn­te, ist (noch) nicht bestellt. Der im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren bei­geord­ne­te Ver­tei­di­ger hat selbst für den Unter­ge­brach­ten kei­ne wei­te­ren Anträ­ge gestellt oder Rechts­mit­tel ein­ge­legt, ins­be­son­de­re auch nicht gegen den Beschluss des Land­ge­richts vom 22.06.2012 über die Fort­dau­er der Unter­brin­gung.

Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men, Beschluss vom 18. März 2013 – 1 Ws 90–94/12

  1. vgl. KMR-Eschel­bach, Stand: Mai 2002, vor § 226 StPO, Rn. 104; KMR-Plöd, Stand: Novem­ber 2010, § 302 StPO, Rn. 2; KK-StPO-Pfeif­fer/Han­nich, 6. Auf­la­ge, 2008, Einl. Rn. 126[]
  2. vgl. LR-Stu­cken­berg, StPO, 26. Auf­la­ge, 2008, §205, Rn. 20[]
  3. vgl. OLG Hamm, NJW 1973, 1894; s. auch BGH, Beschluss vom 03.11.1987 – 5 StR 555/​87[]
  4. vgl. Lube, MDR 2009, 63 m.w.N.[]