Der Rechts­mit­tel­ver­zicht des Pflicht­ver­tei­di­gers

Der Rechts­mit­tel­ver­zicht ist grund­sätz­lich an die glei­che Form wie die Ein­le­gung des Rechts­mit­tels gebun­den. Er muss also zu Pro­to­koll der Geschäfts­stel­le oder schrift­lich erklärt wer­den (§ 341 Abs. 1 StPO).

Der Rechts­mit­tel­ver­zicht des Pflicht­ver­tei­di­gers

Der schrift­li­che Rechts­mit­tel­ver­zicht erfor­dert daher eine durch den Urhe­ber selbst oder eine dazu ermäch­tig­te Per­son nie­der­ge­schrie­be­ne Erklä­rung und die ein­deu­ti­ge Erkenn­bar­keit des Erklä­ren­den1.

Der in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall über die Ver­zichts­er­klä­rung des Pflicht­ver­tei­di­gers des Ange­klag­ten auf der Geschäfts­stel­le des Land­ge­richts erstell­te „Ver­merk” genügt die­sen Anfor­de­run­gen. Denn die Urkunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le hat dort nicht nur die Erklä­rung des Pflicht­ver­tei­di­gers des Ange­klag­ten nie­der­ge­schrie­ben, son­dern die­ser hat die Erklä­rung selbst – über der Jus­tiz­be­schäf­tig­ten – unter­schrie­ben. Damit bestand weder über den Inhalt der Erklä­rung noch über die Per­son des Erklä­ren­den irgend­ein Zwei­fel2.

Der Pflicht­ver­tei­di­ger des Ange­klag­ten war vor­lie­gend zur Abga­be der Ver­zichts­er­klä­rung auch ermäch­tigt (§ 302 Abs. 2 StPO).

Eine Ermäch­ti­gung zum Rechts­mit­tel­ver­zicht kann münd­lich erteilt wer­den; zu ihrem Nach­weis kann eine anwalt­li­che Erklä­rung genü­gen3. Hier hat­te der Pflicht­ver­tei­di­ger des Ange­klag­ten bei Abga­be der Ver­zichts­er­klä­rung mit­ge­teilt, „namens und im Auf­trag des Ver­ur­teil­ten” zu han­deln. An der Rich­tig­keit die­ser Erklä­rung hat der Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Zwei­fel.

Der somit wirk­sam erklär­te Rechts­mit­tel­ver­zicht kann als Pro­zess­hand­lung nicht wider­ru­fen, wegen Irr­tums ange­foch­ten oder sonst zurück­ge­nom­men wer­den. Die trotz wirk­sa­men Rechts­mit­tel­ver­zichts von einem neu­en Wahl­ver­tei­di­ger ein­ge­leg­te Revi­si­on ist daher als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. März 2016 – 4 StR 580/​15

  1. BGH, Beschluss vom 12.04.2011 – 4 StR 48/​11, Rn. 4
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 12.04.2011 – 4 StR 48/​11, Rn. 5; Beschluss vom 23.06.1983 – 1 StR 351/​83, NJW 1984, 1974 f.
  3. BGH, Beschluss vom 14.01.2003 – 4 StR 516/​02, NStZ 2004, 55