Der Ruhe­stands­be­am­te – und die Bemes­sung der Frei­heits­stra­fe

Bei einem ange­klag­ten Beam­ten müs­sen die Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen erken­nen las­sen, dass das Gericht beach­tet hat, dass der Beam­te nach § 74 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LBeamtVG LSA i.V.m. § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BeamtStG mit Rechts­kraft der Ver­ur­tei­lung zu einer min­des­tens ein­jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fe sei­ne Rech­te als (Ruhe­stands-)Beam­ter und damit mög­li­cher­wei­se auch sei­ne wirt­schaft­li­che Basis ver­liert.

Der Ruhe­stands­be­am­te – und die Bemes­sung der Frei­heits­stra­fe

Die Erör­te­rung die­ser Umstän­de ist gebo­ten, da bei der Straf­zu­mes­sung nach § 46 Abs. 1 Satz 2 StGB die Wir­kun­gen zu berück­sich­ti­gen sind, die von der Stra­fe für das künf­ti­ge Leben des Ange­klag­ten zu erwar­ten sind.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zäh­len dazu als bestim­men­de Straf­zu­mes­sungs­grün­de (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO) ins­be­son­de­re auch gesetz­lich ange­ord­ne­te Fol­gen des Beam­ten­rechts, auch bei Ruhe­stands­be­am­ten [1].

Feh­len der­ar­ti­ge Erör­te­run­gen in den Urteils­grün­den, so beruht das Urteil auf die­sem Rechts­feh­ler, weil nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass das Land­ge­richt bei Berück­sich­ti­gung der beam­ten­recht­li­chen Fol­gen der Ver­ur­tei­lung trotz der an sich ange­mes­se­nen Straf­hö­he auf eine noch mil­de­re Stra­fe erkannt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Juni 2020 – 4 StR 663/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 14.12.2017 – 3 StR 544/​17, Stra­Fo 2018, 78 mwN[]