Der Spit­zel, die Wahl­licht­bild­vor­la­ge – und das Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot

Es begrün­det kein Ver­wer­tungs­ver­bot, dass dem Amts­ge­richt bei der Antrag­stel­lung gemäß § 100a StPO als ver­dachts­be­grün­den­des Beweis­mit­tel u.a. das Pro­to­koll einer Wahl­licht­bild­vor­la­ge vor­ge­legt wor­den ist, bei der die Ver­trau­ens­per­son den Ange­klag­ten als Koka­in­händ­ler erkannt haben soll, wobei die Ver­trau­ens­per­son tat­säch­lich – für das Amts­ge­richt nicht erkenn­bar – zuvor gezielt auf den Ange­klag­ten und wei­te­re Ver­däch­ti­ge ange­setzt wor­den war, sofern mit Blick auf die übri­gen vor­ge­leg­ten Beweis­mit­tel die Anord­nung nach § 100a StPO auch bei voll­stän­di­ger Dar­stel­lung des Sach­ver­halts hät­te erge­hen kön­nen.

Der Spit­zel, die Wahl­licht­bild­vor­la­ge – und das Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot

In Bezug auf die Vor­la­ge des Pro­to­kolls der Wahl­licht­bild­vor­la­ge liegt ein Ver­stoß gegen die Grund­sät­ze der Akten­wahr­heit und voll­stän­dig­keit vor. In einem rechts­staat­li­chen Ver­fah­ren muss schon der blo­ße Anschein ver­mie­den wer­den, die Ermitt­lungs­be­hör­den woll­ten den Wert eines Beweis­mit­tels erhö­hen 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Sep­tem­ber 2015 – 5 StR 312/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 11.12 2013 – 5 StR 240/​13, NStZ 2014, 277, 281[]