Der beson­de­re Straf­rah­men für min­der schwe­re Fäl­le – und der gesetz­lich ver­typ­te Mil­de­rungs­grund

Sieht das Gesetz einen beson­de­ren Straf­rah­men für min­der schwe­re Fäl­le vor und ist auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund gege­ben, muss bei der Straf­rah­men­wahl im Rah­men der Gesamt­wür­di­gung zunächst geprüft wer­den, ob die all­ge­mei­nen Mil­de­rungs­grün­de die Annah­me eines min­der schwe­ren Falls tra­gen.

Der beson­de­re Straf­rah­men für min­der schwe­re Fäl­le – und der gesetz­lich ver­typ­te Mil­de­rungs­grund

Ist nach einer Abwä­gung aller all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Fal­les abzu­leh­nen, so sind zusätz­lich die den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de in die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung ein­zu­be­zie­hen.

Erst wenn der Tatrich­ter die Anwen­dung des mil­de­ren Straf­rah­mens danach wei­ter­hin nicht für gerecht­fer­tigt hält, darf er sei­ner kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung den (allein) wegen des gege­be­nen gesetz­lich ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des gemil­der­ten Regel­straf­rah­men zugrun­de legen [1].

Dem wur­de in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof über­prüf­ten Fall die tatrich­ter­li­che Straf­zu­mes­sung gerecht. Das Land­ge­richt hat zunächst ohne den ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund die für und gegen den Ange­klag­ten spre­chen­den Straf­zu­mes­sungs­kri­te­ri­en gegen­über­ge­stellt.

Zwar ist dann ein aus­drück­li­ches Zwi­schen­fa­zit dahin­ge­hend unter­blie­ben, dass die­se Abwä­gung nicht zur Anwen­dung des min­der schwe­ren Falls gemäß § 29a Abs. 2 BtMG führt. Aus den sich anschlie­ßen­den Erwä­gun­gen lässt sich aber hin­rei­chend deut­lich ent­neh­men, dass das Land­ge­richt auch bei (zusätz­li­cher) Her­an­zie­hung der Straf­mil­de­rung aus § 27 Abs. 2 Satz 2 StGB nicht zum min­der schwe­ren Fall gelangt ist. Dies folgt unge­ach­tet der sehr ver­knapp­ten Dar­le­gung der Straf­zu­mes­sung aus der Abfol­ge der Erwä­gun­gen. Erst nach­dem das Land­ge­richt den ver­typ­ten Mil­de­rungs­grund aus­drück­lich ange­spro­chen hat, wird das Ergeb­nis gefun­den, die abzu­ur­tei­len­den Taten wichen wegen "der Men­ge an Pro­duk­ti­ons­stof­fen und der Vor­ge­hens­wei­se" von den erfah­rungs­ge­mäß gewöhn­lich vor­kom­men­den Fäl­len nicht in einem sol­chen Maße ab, dass die Anwen­dung des Straf­rah­mens aus § 29a Abs. 2 BtMG in Betracht kam.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Juni 2017 – 1 StR 125/​17

  1. st. Rspr.; etwa BGH, Beschlüs­se vom 07.03.2017 – 2 StR 567/​16, Rn. 6; und vom 04.04.2017 – 3 StR 516/​16, Rn. 6[]