Der nicht beschie­de­ne Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag des Ver­tei­di­gers

Grund­sätz­lich hat ein Ange­klag­ter das Recht, sich in einem Straf­ver­fah­ren von einem Rechts­an­walt sei­nes Ver­trau­ens ver­tei­di­gen zu las­sen.

Der nicht beschie­de­ne Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag des Ver­tei­di­gers

Dar­aus folgt aller­dings nicht, dass bei jeder Ver­hin­de­rung des gewähl­ten Ver­tei­di­gers eine Haupt­ver­hand­lung gegen den Ange­klag­ten nicht durch­ge­führt wer­den könn­te 1.

Die Ter­mi­nie­rung ist grund­sätz­lich Sache des Vor­sit­zen­den und steht in des­sen pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen (§ 213 StPO). Der Vor­sit­zen­de muss sich jedoch ernst­haft bemü­hen, dem Recht des Ange­klag­ten, sich von einem Rechts­an­walt sei­nes Ver­trau­ens ver­tei­di­gen zu las­sen, soweit wie mög­lich Gel­tung zu ver­schaf­fen und einem nach­voll­zieh­ba­ren Begeh­ren die­ses Ver­tei­di­gers bezüg­lich der Ter­mi­nie­rung im Rah­men der zeit­li­chen Mög­lich­kei­ten der Straf­kam­mer und ande­rer Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter sowie des Gebots der Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung Rech­nung zu tra­gen 2.

Ein der­ar­ti­ges Bemü­hen des Vor­sit­zen­den war im vor­lie­gen­den Fall weder bei der Bestim­mung der Haupt­ver­hand­lungs­ter­mi­ne nach vor­he­ri­ger Ter­min­an­fra­ge bei den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten noch hin­sicht­lich des nach­fol­gen­den Schrei­bens und des Ver­le­gungs­an­trags des Wahl­ver­tei­di­gers, der erkenn­bar das Ver­trau­en des Ange­klag­ten genoss, ersicht­lich. Eine ande­re Ter­mi­nie­rung dürf­te vor­lie­gend auch nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen gewe­sen sein, da die Straf­kam­mer mit der Haupt­ver­hand­lung am 13.05.2016 hät­te begin­nen kön­nen, die Ver­zö­ge­rung mit­hin zeit­lich nicht erheb­lich ins Gewicht gefal­len wäre.

Der Feh­ler führt zur Auf­he­bung des Urteils, weil sich nicht aus­schlie­ßen lässt, dass die Haupt­ver­hand­lung bei Anwe­sen­heit des Wahl­ver­tei­di­gers auch an den ers­ten bei­den Haupt­ver­hand­lungs­ta­gen, an denen sich die Mit­an­ge­klag­ten zur Sache geäu­ßert haben sowie Zeu­gen und Sach­ver­stän­di­ge gehört wur­den, zu einem für den Ange­klag­ten güns­ti­ge­ren Ergeb­nis geführt hät­te 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. März 2018 – 1 StR 415/​17

  1. BGH, Beschlüs­se vom 29.08.2006 – 1 StR 285/​06, NStZ 2007, 163, 164 Rn. 5; und vom 18.12 1997 – 1 StR 483/​97, NStZ 1998, 311, 312; Wes­sing in Beck­OK StPO, 29. Ed.01.01.2018, § 137 Rn. 4 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.07.2010 – 1 StR 123/​10, NStZ-RR 2010, 312, 313; vom 06.11.1991 – 4 StR 515/​91, StV 1992, 52, 53; und vom 11.09.1986 – 1 StR 472/​86, NStZ 1987, 34 f.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.10.1989 – 2 StR 352/​89, BGHSt 36, 259, 262; Beschluss vom 06.07.1999 – 1 StR 142/​99, StV 1999, 524[]