Der Über­brin­ger des Base­ball­schlä­gers – als Mit­tä­ter

Mit­tä­ter­schaft im Sin­ne des § 25 Abs. 2 StGB setzt einen gemein­sa­men Tatent­schluss vor­aus, auf des­sen Grund­la­ge jeder Mit­tä­ter einen objek­ti­ven Tat­bei­trag leis­ten muss.

Der Über­brin­ger des Base­ball­schlä­gers – als Mit­tä­ter

Bei der Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen, von denen nicht jede sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le ver­wirk­licht, ist Mit­tä­ter, wer sei­nen eige­nen Tat­bei­trag so in die Tat ein­fügt, dass die­ser als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Mit­tä­ter­schaft erfor­dert dabei zwar nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen selbst; aus­rei­chen kann auch ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt.

Stets muss sich die­se Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len.

Ob ein Betei­lig­ter ein so enges Ver­hält­nis zur Tat hat, hat der Tatrich­ter auf­grund einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de zu prü­fen.

Wesent­li­che Anhalts­punk­te kön­nen dabei der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Tat­er­folg, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le zur Tat­herr­schaft sein, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betrof­fe­nen abhängt [1].

Von daher begeg­ne­te im hier ent­schie­de­nen Fall die Annah­me mit­tä­ter­schaft­li­chen Han­delns des Base­ball-Schlä­ger-Besit­zers für den Bun­des­ge­richts­hof durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken. Zwar ist in dem Über­brin­gen und der Über­ga­be des als Tat­werk­zeug ver­wen­de­ten Base­ball­schlä­gers ein wesent­li­cher Tat­bei­trag zu sehen ist, der die anschlie­ßen­de Tat­aus­füh­rung durch den eigent­li­chen Täter über­haupt erst ermög­lich­te und maß­geb­lich präg­te. Zudem war der Lie­fe­rant des Base­ball-Schlä­gers am Tat­ort anwe­send. Bei­des ver­mag aber, auch unter Berück­sich­ti­gung des tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lungs­spiel­rau­mes [2], die Annah­me von Mit­tä­ter­schaft nicht zu recht­fer­ti­gen. Denn der Ange­klag­te hat weder die Tat initi­iert, noch hat er an der unmit­tel­ba­ren Tat­aus­füh­rung mit­ge­wirkt. Auf die Aus­wahl des Tat­op­fers bzw. die Art der Tat­aus­füh­rung hat­te er kei­nen Ein­fluss. Ein maß­geb­li­ches Tat­in­ter­es­se ist nicht fest­ge­stellt.

Auch eine Begrün­dung der Mit­tä­ter­schaft mit dem „gemein­sa­men Tat­plan“ erteil­te der Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall eine Absa­ge. Denn der eigent­li­che Täter hat­te im Zeit­punkt des Anru­fes beim Lie­fe­ran­ten des Schlä­gers den Tat­plan bereits gefasst und begehr­te ledig­lich die Unter­stüt­zung durch Über­ga­be des Tat­werk­zeugs.

Die Annah­me, ein wei­te­rer, die bis­he­ri­ge Tat­hand­lung ergän­zen­der, mit­tä­ter­schaft­li­cher Tat­bei­trag des Lie­fe­ran­ten habe dar­in gele­gen, sei­nen Bru­der am Tat­ort psy­chisch zu unter­stüt­zen, wird durch die Fest­stel­lun­gen eben­falls nicht getra­gen. Die psy­chi­sche Unter­stüt­zung eines Tat­ge­nos­sen setzt vor­aus, dass die Tat­be­ge­hung objek­tiv geför­dert oder erleich­tert wird und dass dies dem unter­stüt­zen­den Tat­ge­nos­sen bewusst ist [3]. Zum Beleg einer psy­chi­schen Unter­stüt­zung bedarf es genau­er Fest­stel­lun­gen, ins­be­son­de­re zur objek­tiv för­dern­den Funk­ti­on der Hand­lung sowie zu der ent­spre­chen­den Wil­lens­rich­tung des Tat­ge­nos­sen [4]. Den Fest­stel­lun­gen war im vor­lie­gen­den Fall jedoch weder zu ent­neh­men, dass die Anwe­sen­heit am Tat­ort die Tat­hand­lung sei­nes Bru­ders psy­chisch för­der­te, noch, dass der Lie­fe­rant mit einer ent­spre­chen­den Wil­lens­rich­tung am Tat­ort ver­blieb. Es ver­steht sich kei­nes­wegs von selbst, dass der Täter von dem Lie­fe­ran­ten des Schlä­gers, sei­nem jün­ge­ren Bru­der, jen­seits der Über­ga­be des Base­ball­schlä­gers eine wei­te­re Unter­stüt­zung erbe­ten hät­te. Denn der mit einem Base­ball­schlä­ger bewaff­ne­te Täter brauch­te ange­sichts des hoch­gra­dig alko­ho­li­sier­ten Opfers, der „ein leich­tes“ und „weit­ge­hend schutz­lo­ses Opfer“ war, für die geplan­te kör­per­li­che Atta­cke erkenn­bar kei­ne wei­ter­ge­hen­de Unter­stüt­zung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2017 – 2 StR 161/​17

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.2017 – 2 StR 220/​17 6; BGH, Beschlüs­se vom 23.05.2017 – 4 StR 617/​16 13; vom 22.03.2017 – 3 StR 475/​16 12; vom 02.07.2008 – 1 StR 174/​08, NStZ 2009, 25, 26; Urteil vom 17.10.2002 – 3 StR 153/​02, NStZ 2003, 253, 254[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 23.05.2017 – 4 StR 617/​16 13[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.2014 – 5 StR 2/​14, NStZ 2014, 351, 352; vom 30.04.2013 – 3 StR 85/​13, NStZ-RR 2013, 249; BGH, Beschluss vom 17.03.1995 – 2 StR 84/​95, BGHR StGB § 27 Abs. 1 Hil­fe­leis­ten 14[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.2014 – 5 StR 2/​14, NStZ 2014, 351, 352; vom 25.10.2011 – 3 StR 206/​11, NStZ 2012, 316[]