Der Urlaub des Schöf­fen

Hat der Vor­sit­zen­de einer Straf­kam­mer einen an sich zur Mit­wir­kung an der Haupt­ver­hand­lung beru­fe­nen Haupt­schöf­fen wegen eines Urlaubs von der Dienst­leis­tung nach § 54 Abs. 1 GVG ent­bun­den, kommt im Blick auf § 54 Abs. 3 Satz 1 GVG, § 336 Satz 2 Alt. 1 StPO eine Rich­tig­keits­prü­fung über den Will­kür­maß­stab hin­aus nicht in Betracht und ist auch ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten [1].

Der Urlaub des Schöf­fen

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass bei einer Ent­bin­dung wegen Urlaubs Will­kür in aller Regel fern­liegt [2]. Zwar kön­nen etwa bei Anhalts­punk­ten, dass sich der Schöf­fe der Teil­nah­me an der Ver­hand­lung mut­wil­lig zu ent­zie­hen ver­sucht, Nach­fra­gen des Vor­sit­zen­den not­wen­dig wer­den [3].

Dafür war vor­lie­gend jedoch nichts ersicht­lich, zumal der ange­zeig­te Urlaub inner­halb der Ham­bur­ger Schul­fe­ri­en lag. Die durch den Beschwer­de­füh­rer inso­weit erho­be­nen Ein­wän­de erschöp­fen sich in blo­ßen Mut­ma­ßun­gen. Der Vor­sit­zen­de über­schritt sein pflicht­ge­mä­ßes Ermes­sen des­halb nicht dadurch, dass er den Hin­de­rungs­grund ohne wei­te­re Prü­fung zugrun­de leg­te [4]. Eine drei­ma­li­ge Unter­bre­chung des zwei­wö­chi­gen Urlaubs zwecks Anrei­se zu den in den Urlaub fal­len­den Ter­mi­nen war dem Schöf­fen nicht zumut­bar.

Die stich­wort­ar­ti­ge, den Hin­de­rungs­grund aber zutref­fend beschrei­ben­de Doku­men­ta­ti­on genüg­te dem Erfor­der­nis des § 54 Abs. 3 Satz 2 GVG. Für einen gegen­tei­li­gen Stand­punkt spricht auch nicht das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 04.02.2015 [5]. Die­se Ent­schei­dung betrifft mit der Ver­hin­de­rung aus beruf­li­chen Grün­den einen ande­ren Sach­ver­halt, an den stren­ge­re Maß­stä­be ange­legt wer­den [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. August 2015 – 5 StR 276/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 22.11.2013 – 3 StR 162/​13, BGHSt 59, 75, 79 f. Rn. 25[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 05.01.1982 – 5 StR 426/​81[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 08.12 1976 – 3 StR 363/​76, NJW 1977, 443; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl., § 54 GVG Rn. 6[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 08.12 1976 – 3 StR 363/​76, aaO mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 04.02.2015 – 2 StR 76/​14, NStZ 2015, 350, 351 f.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 08.12 1976 – 3 StR 363/​76, aaO; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, aaO[]