Der Ver­kauf von ent­wen­de­ten Sport­schu­hen

Wer über ein Inter­net­por­tal in 631 Fäl­len Sport­ac­ces­soires und zuneh­mend auch Wan­der- und Sport­schu­he und ande­re hoch­wer­ti­ge­re Sport­ar­ti­kel unter Vor­täu­schung sei­ner Eigen­tü­merstel­lung vertreibt,muss mit einer Ver­ur­tei­lung wegen Betru­ges zu einer Frei­heits­stra­fe von einem Jahr und zehn Mona­ten zur Bewäh­rung rech­nen.

Der Ver­kauf von ent­wen­de­ten Sport­schu­hen

So hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Sport­schuh­ver­käu­fers ent­schie­den. Außer­dem ord­ne­te das Amts­ge­richt die Ein­zie­hung von 24.774,19 € an Wert­er­satz zuguns­ten des geschä­dig­ten Arbeit­ge­bers an. Der 62-jäh­ri­ge geschie­de­ne Sport­schuh­ver­käu­fer war 1980 aus Ita­li­en nach Deutsch­land ein­ge­wan­dert als aus­ge­bil­de­ter Hotel­fach­mann. Im Lau­fe sei­ner jahr­zehn­te­lan­gen Tätig­keit als Sport­schuh­ver­käu­fer eines Münch­ner Sport­han­dels­haus hat er sich eini­ges an Anse­hen und Ver­trau­en erar­bei­tet. Doch als im Jahr 2017 erheb­li­che Fehl­be­stän­de im Waren­be­stand eben­so wie augen­schein­lich deckungs­glei­che Sport­ar­ti­kel­an­ge­bo­te bei Ebay auf­fäl­lig gewor­den waren, rich­te­te sich der Ver­dacht auf­grund haus­in­ter­ner Über­wa­chungs­maß­nah­men bald gegen den Ver­ur­teil­ten. Im Fal­le von zwei Schein­käu­fen über das Inter­net konn­ten nach­fol­gend deckungs­glei­che Dieb­stäh­le des Schuh­ver­käu­fers beob­ach­tet wer­den. Dar­auf­hin fan­den poli­zei­li­che Unter­su­chun­gen statt. Im Rah­men einer gericht­lich bewil­lig­ten Durch­su­chung, die Anfang August 2017 statt­fand, ist in sei­nem Spind am Arbeits­platz wie auch in der durch­such­ten Woh­nung diver­ses Die­bes­gut ent­deckt wor­den. Vom Schuh­ver­käu­fer sind die ihm zur Last geleg­ten Taten ein­ge­räumt wor­den.

Die wei­te­ren Nach­for­schun­gen erga­ben, dass der Ver­ur­teil­te in 631 Fäl­len seit Mit­te 2013 das Die­bes­gut ver­kauft hat­te. Vor allem Sport­ac­ces­soires wie Wan­der­so­cken, aber auch Wan­der- und Sport­schu­he und ande­re hoch­wer­ti­ge­re Sport­ar­ti­kel hat er unter Vor­täu­schung sei­ner Eigen­tü­merstel­lung ver­trie­ben. Ins­ge­samt wur­de eine Sum­me von 24.774,19 € durch die betrü­ge­ri­schen Ver­käu­fe ein­ge­nom­men.

Alle Taten sind in der Haupt­ver­hand­lung ein­ge­räumt wor­den. Er hät­te gesund­heit­li­che Pro­ble­me gehabt, beson­ders unter Depres­sio­nen gelit­ten, was zu finan­zi­el­len Pro­ble­men geführt hät­te. Er habe ver­sucht, aus den Schwie­rig­kei­ten her­aus­zu­kom­men und sein Selbst­wert­ge­fühl auf­zu­put­schen. Es habe funk­tio­niert und sei immer leich­ter gewor­den. Er sei so in eine Spi­ra­le hin­ein­ge­ra­ten. Er wol­le für sei­ne Taten gera­de­ste­hen. Mit dem Sport­han­dels­haus suche er eine finan­zi­el­le Rege­lung. Zuguns­ten des frü­he­ren Arbeit­ge­bers wer­de bereits jetzt das Gehalt des wie­der in Voll­zeit als Ver­käu­fer Arbei­ten­den ober­halb der Pfän­dungs­gren­ze von 1.100 € ein­be­hal­ten.

Jeder kann in finan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten gera­ten – doch die­se Art, damit umzu­ge­hen, ist genau die fal­sche. Aber es gibt vie­le ehr­li­che und rea­lis­ti­sche Wege, sei­ne Finan­zen wie­der in Ord­nung zu brin­gen. Wer z.B. mehr Geld ver­die­nen möch­te, kann sich einen zusätz­li­chen Job suchen. Es wer­den in den ver­schie­dens­ten Berei­chen eine Viel­zahl von Arbeits­mög­lich­kei­ten ange­bo­ten. Vor­her soll­te ledig­lich abge­klärt wer­den, ob der ers­te – bzw., Voll­zeit ‑Job einer wei­te­ren Tätig­keit nicht ent­ge­gen­steht. So wäre z.B. ein Mini­job auch für den Schuh­ver­käu­fer in die­sem Fall die bes­se­re Alter­na­ti­ve gewe­sen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass im Rah­men der Straf­zu­mes­sung zuguns­ten des Ange­klag­ten des­sen voll­um­fäng­li­ches Geständ­nis und die gezeig­te Reue gewer­tet wur­den. Außer­dem ist der Ange­klag­te straf­recht­lich noch nicht in Erschei­nung getre­ten und er han­del­te aus einer finan­zi­el­len Not­la­ge her­aus.

Dage­gen spricht zulas­ten des Ange­klag­ten der Ver­trau­ens­bruch gegen­über dem Arbeit­ge­ber und der lan­ge Tat­zeit­raum.

Der nun im vor­ge­rück­ten Lebens­al­ter befind­li­che Ange­klag­te ist nicht vor­be­straft. Er geht einer gere­gel­ten Erwerbs­tä­tig­keit nach und befin­det sich in gefes­tig­ten sozia­len Ver­hält­nis­sen. Das Amts­ge­richt Mün­chen erwar­tet daher, dass sich der Ange­klag­te die Ver­ur­tei­lung zur War­nung die­nen lässt und künf­tig auch ohne Ein­wir­kung des Straf­voll­zu­ges kei­ne Straf­ta­ten mehr bege­hen wird. Aus die­sen Grün­den ist die Voll­stre­ckung die­ser Frei­heits­stra­fe zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wor­den.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 10. Dezem­ber 2018 – 836 Ls 261 Js 167888/​17