Der Ver­mö­gens­scha­den beim Ein­ge­hungs­be­trugs

Täuscht der Emp­fän­ger einer Sach­leis­tung bei einem Ein­ge­hungs­be­trug über sei­ne Zah­lungs­be­reit­schaft, bedarf es für die Bemes­sung des Scha­dens regel­mä­ßig kei­ner von dem ohne Wis­sens- und Wil­lens­män­gel ver­ein­bar­ten Preis abwei­chen­den Bestim­mung des Werts der Gegen­leis­tung.

Der Ver­mö­gens­scha­den beim Ein­ge­hungs­be­trugs

Liegt ein Ein­ge­hungs­be­trug vor, gilt für die Scha­dens­be­stim­mung nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass eine Gesamt­sal­die­rung vor­zu­neh­men ist. Dabei sind der Geld­wert des gegen den Täu­schen­den erwor­be­nen Anspruchs und der Geld­wert der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Der Getäusch­te ist geschä­digt, wenn sich ein Nega­tiv­sal­do zu sei­nem Nach­teil ergibt 1.

Hier­bei kommt es nicht auf eine Bestim­mung des objek­ti­ven Werts des Kauf­ge­gen­stands an. Die­ser ist in einem Fall der hier vor­lie­gen­den Art bei der erfor­der­li­chen Gesamt­sal­die­rung der Ver­mö­gens­la­ge kei­ne anzu­set­zen­de Posi­ti­on.

Aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ergibt sich nichts ande­res. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 07.12.2011 2 aus­ge­führt, dass der Ver­mö­gens­scha­den – abge­se­hen von ein­fach gela­ger­ten und ein­deu­ti­gen Fäl­len – der Höhe nach zu bezif­fern und in den Urteils­grün­den nach­voll­zieh­bar dar­zu­le­gen ist. Dabei kön­nen nor­ma­ti­ve Gesichts­punk­te bei der Bewer­tung von Schä­den eine Rol­le spie­len; sie dür­fen die wirt­schaft­li­che Betrach­tung aller­dings nicht über­la­gern oder ver­drän­gen. Mit die­ser Ent­schei­dung knüpft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an sei­ne grund­le­gen­de Ent­schei­dung zur Nach­teils­be­stim­mung bei der Untreue (§ 266 StGB) an 3, in der näher dar­ge­legt ist, wie – dort aller­dings für den Fall einer pflicht­wid­ri­gen Kre­dit­ver­ga­be – die Scha­dens­be­wer­tung vor­zu­neh­men ist.

Die Anfor­de­run­gen an die Scha­dens­fest­stel­lung sind (jeden­falls was die Fra­ge der Wert­fest­stel­lung anbe­langt) gewahrt. Es liegt schon nahe, dass der hier zu beur­tei­len­de Sach­ver­halt ein hin­sicht­lich der Scha­dens­fest­stel­lung ein­fach gela­ger­ter und ein­deu­ti­ger Fall im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Ent­schei­dung ist.

Der Ange­klag­te hat näm­lich eine Leis­tung ver­spro­chen, die er von vorn­her­ein nicht zu erbrin­gen beab­sich­tig­te, wenn­gleich er sie im Blick auf sein Ver­mö­gen – wie sich aus den Urteils­grün­den ergibt – ohne wei­te­res hät­te erbrin­gen kön­nen. Statt­des­sen hat er den Erwerb und gewinn­brin­gen­den Wei­ter­ver­kauf über eine ver­mö­gens­lo­se GmbH initi­iert. Bei einer der­ar­ti­gen Kon­stel­la­ti­on bedarf es kei­ner Schät­zung des objek­ti­ven Grund­stücks­wer­tes, die ohne sach­ver­stän­di­ge Hil­fe nicht sach­ge­recht zu tref­fen wäre.

Der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts lässt sich nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht ent­neh­men, dass grund­sätz­lich bei betrü­ge­ri­schen Hand­lun­gen im Zusam­men­hang mit dem Abschluss von Aus­tausch­ver­trä­gen es der Bestim­mung des "objek­ti­ven Werts" des Ver­trags­ge­gen­stands bedürf­te. Abge­se­hen davon, dass dies mit einem nicht hin­zu­neh­men­den Auf­wand ver­bun­den und für Fäl­le der gän­gi­gen Betrugs­kri­mi­na­li­tät auch kri­mi­nal­po­li­tisch frag­wür­dig wäre, ist eine sol­che ver­ob­jek­ti­vier­te Fest­stel­lung auch im Regel­fall nicht ver­an­lasst, zumal sol­che Wert­be­stim­mun­gen häu­fig nur schein­ge­nau sind, weil sie ihrer­seits auf Rück­schlüs­sen aus den Markt­ge­ge­ben­hei­ten beru­hen. Grund­sätz­lich legen in einem von Ange­bot und Nach­fra­ge bestimm­ten markt­wirt­schaft­li­chen Sys­tem die Ver­trags­par­tei­en den Wert des Gegen­stan­des fest. Die­se inter­sub­jek­ti­ve Wert­set­zung muss nicht des­halb in Fra­ge gestellt wer­den, weil – wie hier – eine Par­tei sich bei Ver­trags­schluss bereits vor­ge­nom­men hat, die ver­trag­lich über­nom­me­ne Ver­pflich­tung ganz oder teil­wei­se nicht zu erfül­len. Des­we­gen hat die­ser von den Par­tei­en selbst – auf der Grund­la­ge über­ein­stim­men­der, von Wil­lens- und Wis­sens­män­geln nicht beein­fluss­ter Vor­stel­lun­gen über Art und Güte des Ver­trags­ge­gen­stan­des – bestimm­te Wert grund­sätz­lich auch die Basis der Scha­dens­fest­stel­lung im Rah­men des Betru­ges zu sein. Dies wird sämt­li­che Fall­ge­stal­tun­gen betref­fen, in denen Leis­tung und Gegen­leis­tung in kei­nem augen­fäl­li­gen Miss­ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen 4.

Ein betrugs­be­ding­ter Scha­den liegt danach vor, wenn täu­schungs­be­dingt die getäusch­te Ver­trags­par­tei einen gering­er­wer­ti­gen Anspruch erhält, als sie nach den ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten Syn­al­lag­ma hät­te bean­spru­chen kön­nen. Dies wird sich frei­lich regel­mä­ßig durch einen Ver­gleich der ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten mit der täu­schungs­be­dingt erlang­ten Leis­tung fest­stel­len las­sen. Der sich dar­aus erge­ben­de Min­der­wert ist – gege­be­nen­falls mit sach­ver­stän­di­ger Hil­fe – zu bezif­fern 5. Inso­weit besteht zwar nicht beim Scha­dens­be­griff, wohl aber bei der Scha­dens­be­stim­mung ein Unter­schied zwi­schen den Straf­tat­be­stän­den des Betru­ges (§ 263 StGB) und der Untreue (§ 266 StGB). Bei der Untreue muss bewer­tet wer­den, ob und inwie­weit die pflicht­wid­ri­ge Ein­zel­hand­lung zu einem Nach­teil für das betreu­te Ver­mö­gen geführt hat. Dies kann nur in der Form eines auf objek­ti­ven Kri­te­ri­en beru­hen­den Gesamt­ver­mö­gens­ver­gleichs erfol­gen. Dage­gen liegt beim Ein­ge­hungs­be­trug regel­mä­ßig eine Bewer­tung des Ver­trags­ge­gen­stan­des durch die Ver­trags­par­tei­en vor. Hier­an kann die Scha­dens­be­stim­mung grund­sätz­lich anknüp­fen, indem nur noch bewer­tet wird, inwie­weit infol­ge der Täu­schung das ver­trag­li­che Syn­al­lag­ma ver­scho­ben wor­den ist. Die Fest­stel­lung eines vom ver­ein­bar­ten Preis abwei­chen­den "objek­ti­ven Werts" des Ver­trags­ge­gen­stands ist hier­mit nicht ver­bun­den.

Aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ergibt sich nichts Abwei­chen­des. Die vom Land­ge­richt und sämt­li­chen Pro­zess­be­tei­lig­ten in Bezug genom­me­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 14.07.2010 6 betrifft einen ande­ren Sach­ver­halt. Dort ging es um ein betrü­ge­risch ver­kauf­tes Unter­neh­men, des­sen Erwerb wirt­schaft­lich sinn­los war. Ent­spre­chen­des gilt auch für das Urteil vom 13.11.2007 7 und für den Beschluss vom 18.07.1961 8, denen eine objek­ti­ve wert­lo­se Leis­tung und das Feh­len einer zuge­si­cher­ten Eigen­schaft zugrun­de lagen. Die Täu­schungs­hand­lung bezog sich dort jeweils auf den Kauf­ge­gen­stand, nicht auf die in einer Geld­zah­lung bestehen­de Gegen­leis­tung. Ähn­li­ches gilt für Geschäf­te, die eine Risi­ko­be­wer­tung beinhal­ten. Eine sol­che Fall­kon­stel­la­ti­on lag der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zugrun­de 9. Glei­ches gilt für das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 20.12.2012 10 und den BGH, Beschluss vom 13.04.2012 11. All die­sen Fall­ge­stal­tun­gen ist gemein­sam, dass es dort um die Bewer­tung und Bezif­fe­rung des täu­schungs­be­ding­ten Risi­ko­un­gleich­ge­wichts ging. Aber auch dies setzt nicht vor­aus, dass die ver­trag­li­che Preis­ge­stal­tung an sich einer Über­prü­fung nach objek­ti­ven Wert­maß­stä­ben unter­zo­gen wer­den müss­te. Der Scha­den bestimmt sich in die­sen Fäl­len immer aus der Ver­schie­bung des syn­al­lag­ma­ti­schen Zusam­men­hangs zu Las­ten des Getäusch­ten. Eine sol­che betrags­mä­ßi­ge Bestim­mung wird dann in Abhän­gig­keit zu dem kon­kre­ten in Fra­ge ste­hen­den Risi­ko regel­mä­ßig unter sach­ver­stän­di­ger Mit­hil­fe vor­ge­nom­men wer­den 12.

Ein der­ar­ti­ges Risi­ko­ge­schäft liegt hier nicht vor: Ein Scha­den ist bei Ver­trags­schluss ein­ge­tre­ten, weil der Ange­klag­te – wor­über er getäuscht hat – inner­lich ent­schlos­sen war, die zwei­te Kom­po­nen­te des Kauf­prei­ses nicht zu erbrin­gen. Für die Scha­dens­be­stim­mung, die beim Ein­ge­hungs­be­trug bezo­gen auf den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses zu erfol­gen hat, ist des­halb allein der Betrag rele­vant, den der Ange­klag­te von vorn­her­ein nicht erbrin­gen woll­te, bis zum Gefahr­über­gang an Betriebs­kos­ten und Las­ten indes ver­trags­ge­mäß hät­te auf­brin­gen müs­sen. Dies lässt sich nach dem gewöhn­li­chen Ver­lauf der Din­ge ohne wei­te­res anhand der zu täti­gen­den Auf­wen­dun­gen schät­zen.

Die Scha­dens­be­stim­mung hat auf den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses abzu­stel­len, nicht den ent­stan­de­nen Scha­den auf­grund der nach­träg­lich ein­ge­tre­te­nen Ent­wick­lung zu ermit­teln. In der prak­ti­schen Aus­wir­kung wird sich frei­lich die bereits im Ver­trags­schluss ange­leg­te Schä­di­gung regel­mä­ßig in der wei­te­ren Ent­wick­lung tat­säch­lich kon­kre­ti­sie­ren. Des­halb begeg­net es auch kei­nen Beden­ken, wenn der Tatrich­ter – soweit kei­ne Beson­der­hei­ten in der Scha­dens­ent­wick­lung bestehen – auf den kon­kret ein­ge­tre­te­nen Scha­den abstellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. März 2013 – 5 StR 344/​12

  1. BGH, Urteil vom 20.12.2012 – 4 StR 55/​12 Rn. 35; BGH, Beschluss vom 14.04.2011 – 2 StR 616/​10, NStZ 2011, 638, 639[]
  2. BVerfG, NStZ 2012, 496, 504 f.[]
  3. BVerfGE 126, 177[]
  4. vgl. dazu auch BGH, Beschluss vom 18.07.1961 – 1 StR 606/​60, BGHSt 16, 220, 224[]
  5. Sali­ger in: Matt/​Renzikowski, StGB, 2013, § 263 Rn. 243[]
  6. BGH, Beschluss vom 14.07.2010 – 1 StR 245/​09, NStZ 2010, 700[]
  7. BGH, Urteil vom 13.11.2007 – 3 StR 462/​06, NStZ 2008, 96[]
  8. BGH, Beschluss vom 18.07.1961 – 1 StR 606/​60, BGHSt 16, 220[]
  9. BVerfG, NStZ 2012, 496Lebens­ver­si­che­rung[]
  10. BGH, Urteil vom 20.12.2012 – 4 StR 55/​12Sport­wet­ten[]
  11. BGH, Beschluss vom 13.04.2012 – 5 StR 442/​11, NJW 2012, 2370Kre­dit­be­trug[]
  12. vgl. zur Berech­nung des Wett­be­trugs­scha­dens BGH, Urteil vom 20.12.2012 – 4 StR 55/​12, Rn. 40[]