Der Ver­stän­di­gungs­vor­schlag des Gerichts – und sei­ne Beleh­rungs­pflicht

Die Vor­sit­zen­de der Straf­kam­mer muss den Ange­klag­ten nicht erst nach zustan­de gekom­me­ner Ver­stän­di­gung son­der bereits bei Unter­brei­tung des Ver­stän­di­gungs­vor­schlags über die in § 257c Abs. 4 StPO gere­gel­te Mög­lich­keit eines Ent­fal­lens der Bin­dung des Gerichts an die Ver­stän­di­gung beleh­ren.

Der Ver­stän­di­gungs­vor­schlag des Gerichts – und sei­ne Beleh­rungs­pflicht

Eine Ver­stän­di­gung ist regel­mä­ßig nur dann mit dem Grund­satz des fai­ren Ver­fah­rens zu ver­ein­ba­ren, wenn der Ange­klag­te vor ihrem Zustan­de­kom­men nach § 257c Abs. 5 StPO über deren nur ein­ge­schränk­te Bin­dungs­wir­kung für das Gericht belehrt wor­den ist 1.

Das Geständ­nis des Ange­klag­ten und damit auch das Urteil beru­hen auf dem Ver­stoß gegen die Beleh­rungs­pflicht (§ 337 Abs. 1 StPO), wenn der Ange­klag­te die ihm zur Last geleg­te Tat auf der Grund­la­ge der Ver­stän­di­gung ein­ge­räumt und die Straf­kam­mer hier­auf die Ver­ur­tei­lung gestützt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Novem­ber 2018 – 4 StR 268/​18

  1. vgl. hier­zu BVerfGE 133, 168, 237; BVerfG NStZ 2014, 721; BGH, Beschlüs­se vom 10.02.2015 – 4 StR 595/​14, NStZ 2015, 358, 359 mwN; vom 25.03.2015 – 5 StR 82/​15, NStZ-RR 2015, 225 [Ls]; vom 11.05.2016 – 1 StR 71/​16, StV 2018, 11 mwN; und vom 21.03.2017 – 5 StR 73/​17, NJW 2017, 1626 [Ls][]