Der Ver­such – und sein Fehl­schlag

Fehl­ge­schla­gen ist der Ver­such, wenn der Tat­er­folg aus der Sicht des Täters mit den bereits ein­ge­setz­ten oder zur Hand lie­gen­den Mit­teln nicht mehr erreicht wer­den kann, ohne dass eine ganz neue Hand­lungs- und Kau­sal­ket­te in Gang gesetzt wer­den muss.

Der Ver­such – und sein Fehl­schlag

Daher sind zur Annah­me eines Fehl­schlags regel­mä­ßig Fest­stel­lun­gen zum ent­spre­chen­den Vor­stel­lungs­bild des Ange­klag­ten im Moment sei­nes Nicht­wei­ter­han­delns (Rück­tritts­ho­ri­zont) erfor­der­lich; feh­len in den Urteils­fest­stel­lun­gen ent­spre­chen­de Aus­füh­run­gen, die zur revi­si­ons­recht­li­chen Prü­fung des Vor­lie­gens eines frei­wil­li­gen Rück­tritts vom Ver­such im All­ge­mei­nen uner­läss­lich sind, so hält das Urteil sach­lich­recht­li­cher Nach­prü­fung in der Regel nicht stand1. Eine Aus­nah­me gilt nur dann, wenn die fest­ge­stell­te objek­ti­ve Sach­la­ge siche­re Rück­schlüs­se auf die inne­re Ein­stel­lung des Ange­klag­ten gestat­tet2.

So lag es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall jedoch nicht: Das land­ge­richt­li­che Urteil ent­hält kei­ne Aus­füh­run­gen zum maß­geb­li­chen Vor­stel­lungs­bild des Ange­klag­ten im Moment sei­nes Nicht­wei­ter­han­delns. Aus­füh­run­gen dazu waren nicht aus­nahms­wei­se ent­behr­lich: In dem ent­schei­den­den Zeit­punkt, als sich der Ange­klag­te zur Flucht wand­te, stan­den dem Geschä­dig­ten immer noch min­des­tens fünf wei­te­re mit Mes­sern bewaff­ne­te Angrei­fer gegen­über. In die­ser Situa­ti­on waren wei­te­re Mög­lich­kei­ten zur Tötung des L. T. nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen; viel­mehr war es mög­lich, dass der mit dem Schlag­stock bewaff­ne­te F. T. über­wäl­tigt oder sonst gehin­dert wer­den wür­de, sei­nem ver­letz­ten Bru­der bei­zu­ste­hen. Soll­te der Ange­klag­te in die­ser Situa­ti­on von einem unbe­en­de­ten Ver­such aus­ge­gan­gen sein – was denk­bar ist, da der Geschä­dig­te schließ­lich noch in der Lage war weg­zu­ren­nen – und die Voll­endung der Tat im unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gang mit ande­ren, ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln noch für mög­lich gehal­ten haben, käme im Zeit­punkt sei­ner Flucht ein frei­wil­li­ger Rück­tritt vom unbe­en­de­ten Ver­such nach § 24 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 StGB in Betracht3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2018 – 3 StR 451/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12 , NStZ-RR 2013, 275; Beschlüs­se vom 29.09.2011 – 3 StR 298/​11, NStZ 2012, 263, 264; vom 11.02.2003 – 4 StR 8/​03 8; Fischer, StGB, 65. Aufl., § 24 Rn. 7 mwN
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 23.06.1988 – 4 StR 266/​88, BGHR StGB § 24 Abs. 1 Satz 1 Frei­wil­lig­keit 7
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 13.11.2012 – 3 StR 411/​12 4