Der wegen Bedeu­tungs­lo­sig­keit abge­lehn­te Beweis­an­trag

Aus tat­säch­li­chen Grün­den bedeu­tungs­los sind Indi­z­tat­sa­chen, wenn zwi­schen ihnen und dem Gegen­stand der Urteils­fin­dung kei­ner­lei Sach­zu­sam­men­hang besteht oder wenn sie trotz eines sol­chen Zusam­men­hangs selbst im Fall ihres Erwie­sen­seins die Ent­schei­dung nicht beein­flus­sen könn­ten.

Der wegen Bedeu­tungs­lo­sig­keit abge­lehn­te Beweis­an­trag

Bei Behaup­tung einer rele­van­ten belas­ten­den Tat­sa­che durch die Staats­an­walt­schaft oder einen Neben­klä­ger muss des­halb eine bis­lang für den Ange­klag­ten posi­ti­ve Beweis­la­ge durch die begehr­te Beweis­erhe­bung umschla­gen kön­nen.

Legt der Tatrich­ter rechts­feh­ler­frei dar, dass die in dem Beweis­an­trag behaup­te­te Tat­sa­che auch dann, wenn sie durch die bean­trag­te Beweis­auf­nah­me bewie­sen wür­de, ihn nicht von der Schuld des Ange­klag­ten über­zeu­gen könn­te, ist er nicht ver­pflich­tet, den bean­trag­ten Beweis zu erhe­ben 1.

Die Ankün­di­gung einer von einem ent­spre­chen­den Vor­satz getra­ge­nen Tötungs­hand­lung ist für die Beweis­wür­di­gung hin­sicht­lich der sub­jek­ti­ven Sei­te der tat­säch­lich vor­ge­nom­me­nen, der Ankün­di­gung ent­spre­chen­den Hand­lung regel­mä­ßig von erheb­li­cher Bedeu­tung 2.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss der Beschluss, mit dem ein Beweis­an­trag wegen Bedeu­tungs­lo­sig­keit der behaup­te­ten Tat­sa­chen abge­lehnt wird, die Erwä­gun­gen anfüh­ren, aus denen der Tatrich­ter ihnen kei­ne Bedeu­tung bei­misst. Wird die Bedeu­tungs­lo­sig­keit aus tat­säch­li­chen Umstän­den gefol­gert, so müs­sen die Tat­sa­chen ange­ge­ben wer­den, aus denen sich ergibt, war­um die unter Beweis gestell­te Tat­sa­che, selbst wenn sie erwie­sen wäre, die Ent­schei­dung des Gerichts nicht beein­flus­sen könn­te. Die erfor­der­li­che Begrün­dung ent­spricht dabei grund­sätz­lich den Begrün­dungs­er­for­der­nis­sen bei der Wür­di­gung von durch die Beweis­auf­nah­me gewon­ne­nen Indi­z­tat­sa­chen in den Urteils­grün­den; sie ist auf kon­kre­te Erwä­gun­gen zu stüt­zen 3.

Geht es um den Ange­klag­ten belas­ten­de Beweis­be­haup­tun­gen, muss die Ableh­nung das gan­ze Beweis­the­ma ohne Ein­engung, Ver­kür­zung oder Unter­stel­lung erfas­sen und dar­le­gen, war­um dem Tatrich­ter die im Beweis­an­trag behaup­te­te Tat­sa­che in Ver­bin­dung mit dem bis­he­ri­gen Beweis­ergeb­nis nicht aus­rei­chen wür­de, um zu einer Ver­ur­tei­lung zu gelan­gen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Juli 2015 – 4 StR 199/​15

  1. zum Gan­zen hin­sicht­lich einer Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft: BGH, Urteil vom 26.02.2015 – 4 StR 293/​14, NStZ 2015, 355, 356 mwN[]
  2. vgl. zur Bewer­tung des Zufah­rens auf einen Fuß­gän­ger als ver­such­tes Tötungs­de­likt: BGH, Urtei­le vom 29.01.2015 – 4 StR 433/​14, NStZ 2015, 392 ff.; vom 25.10.2012 – 4 StR 346/​12, NStZ 2013, 156 ff[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.10.2013 – 3 StR 135/​13, NStZ-RR 2014, 54, 55; vom 18.03.2015 – 2 StR 462/​14 5[]
  4. zum Gan­zen: BGH, Urteil vom 26.02.2015 – 4 StR 293/​14, NStZ 2015, 355, 356; vgl. ins­be­son­de­re zu einem Beweis­an­trag des Neben­klä­gers fer­ner BGH, Urteil vom 07.04.2011 – 3 StR 497/​10, NStZ 2011, 713, 714 jeweils mwN[]