Die ande­re Sei­te der Steu­er-CDs: Erpres­sung einer Lich­ten­stei­ner Bank

Das Land­ge­richt Rost­stock 1 hat den Haupt­an­ge­klag­ten wegen Erpres­sung sowie ver­such­ter Erpres­sung in zwei Fäl­len zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von fünf Jah­ren und drei Mona­ten ver­ur­teilt, zwei wei­te­re Ange­klag­te hat es wegen Bei­hil­fe zur Erpres­sung zu einer Frei­heits­stra­fe von einem Jahr und zehn Mona­ten bzw. einem Jahr und sechs Mona­ten ver­ur­teilt und deren Voll­stre­ckung jeweils zur Bewäh­rung aus­ge­setzt. Im Übri­gen hat es die Ange­klag­ten frei­ge­spro­chen.

Die ande­re Sei­te der Steu­er-CDs: Erpres­sung einer Lich­ten­stei­ner Bank

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Ros­tock gelang­te der Haupt­tä­ter im Früh­jahr 2005 in den Besitz von etwa 2.400 Kon­to­be­le­gen einer Liech­ten­stei­ner Bank betref­fend 1300 Kun­den, wobei es sich fast aus­schließ­lich um in Deutsch­land wohn­haf­te natür­li­che Per­so­nen han­del­te und deren Geld­an­la­gen zum über­wie­gen­den Teil nicht ver­steu­ert waren bzw. wer­den soll­ten. Der Haupt­an­ge­klag­te kon­tak­tier­te zunächst über einen wei­te­ren Betei­lig­ten meh­re­re Kun­den der Bank, wobei beab­sich­tigt war, von den ange­spro­che­nen Kun­den zur Ver­mei­dung einer Ver­öf­fent­li­chung der auf den Kon­to­be­le­gen ent­hal­te­nen Infor­ma­tio­nen und einer damit ver­bun­de­nen steu­er­li­chen und straf­recht­li­chen Ver­fol­gung Geld­be­trä­ge in Höhe von meh­re­ren hun­dert­tau­send Euro zu for­dern. Nach Kon­takt­auf­nah­me mit der Bank war die­se bereit, zur Ver­mei­dung der ange­kün­dig­ten Wei­ter­ga­be der Kon­to­un­ter­la­gen an die Finanz­be­hör­den eine Sum­me von ins­ge­samt 13 Mil­lio­nen Euro, zahl­bar in drei Raten gegen Rück­ga­be der Bele­ge in drei Tran­chen, zu bezah­len. Die ers­te Geld­über­ga­be erfolg­te am 31. August 2005 und die zwei­te am 29. August 2007, die drit­te Raten­zah­lung von noch 4 Mil­lio­nen Euro hät­te Ende August 2009 erfol­gen sol­len. Die bei­den wei­te­ren Ange­klag­ten unter­stütz­ten den Haupt­tä­ter bei der Beu­te­si­che­rung.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten gegen das land­ge­richt­li­che Urteil, mit denen die Ver­let­zung for­mel­len und mate­ri­el­len Rechts gel­tend gemacht wur­de, als unbe­grün­det ver­wor­fen. Die Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft betref­fend den Haupt­an­ge­klag­ten hat inso­weit Erfolg, als das Land­ge­richt von der Anord­nung der Siche­rungs­ver­wah­rung abge­se­hen hat. Über die Ver­hän­gung der Siche­rungs­ver­wah­rung muss daher neu befun­den wer­den. Die wei­ter gehen­den Revi­sio­nen der Staats­an­walt­schaft wur­den vom Bun­des­ge­richts­hof eben­falls ver­wor­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juni 2010 – 4 StR 474/​09

  1. LG Ros­tock, Urteil vom 23.01.2009 – 19 KLs 5/​08[]