Die Anga­ben des Belas­tungs­zeu­gen – und die Grün­de für eine Teil­ein­stel­lung

Beru­hen meh­re­re Tat­vor­wür­fe auf den belas­ten­den Anga­ben eines Zeu­gen und stellt das Tat­ge­richt das Ver­fah­ren wegen eines Teils die­ser Vor­wür­fe nach § 154 Abs. 2 StPO ein, kann den Grün­den für die Teil­ein­stel­lung des Ver­fah­rens nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs Bedeu­tung für die Beweis­wür­di­gung zu den ver­blei­ben­den Vor­wür­fen ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Fra­ge der Glaub­haf­tig­keit der Bekun­dun­gen des Belas­tungs­zeu­gen zukom­men 1.

Die Anga­ben des Belas­tungs­zeu­gen – und die Grün­de für eine Teil­ein­stel­lung

Ist dies nach der kon­kret gege­be­nen Beweis­si­tua­ti­on der Fall, ist der Tatrich­ter aus Grün­den sach­li­chen Rechts gehal­ten, die Grün­de für die Teil­ein­stel­lung im Urteil mit­zu­tei­len und sich mit deren Beweis­be­deu­tung aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Ergibt sich die Erör­te­rungs­be­dürf­tig­keit der Grün­de für die Teil­ein­stel­lung aus den schrift­li­chen Urteils­grün­den, ist ein inso­weit gege­be­ner Erör­te­rungs­man­gel vom Revi­si­ons­ge­richt auf Sach­rü­ge hin zu beach­ten 2. Legen dage­gen die Urteils­grün­de eine Bedeu­tung der Ein­stel­lungs­grün­de für die Beweis­wür­di­gung im Übri­gen nicht nahe, muss die Revi­si­on einen von ihr behaup­te­ten Erör­te­rungs­man­gel mit der Ver­fah­rens­rüge gel­tend machen 3. Bei der nach § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO gebo­te­nen Dar­le­gung der für den behaup­te­ten Erör­te­rungs­man­gel maß­geb­li­chen Tat­sa­chen darf sich die Revi­si­on nicht auf die blo­ße Mit­tei­lung der Teil­ein­stel­lung beschrän­ken. Sie muss sich viel­mehr dazu ver­hal­ten, ob und gege­be­nen­falls wel­che Grün­de für die Ein­stel­lung in der Haupt­ver­hand­lung erör­tert wor­den sind. Erfor­der­lich ist zumin­dest der Vor­trag, dass für die Ein­stel­lung kei­ne Grün­de ange­führt wor­den sind, die für die Beweis­wür­di­gung kei­ne Bedeu­tung haben 4.

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall: Den Grün­den des ange­foch­te­nen Urteils lässt sich eine Beweis­be­deu­tung der Grün­de für die Teil­ein­stel­lung des Ver­fah­rens hin­sicht­lich des wei­te­ren Kör­per­ver­let­zungs­vor­wurfs für die der Ver­ur­tei­lung zugrun­de lie­gen­den Beweis­wür­di­gung nicht ent­neh­men. Ins­be­son­de­re bie­ten die Urteils­aus­füh­run­gen kei­nen Anhalt dafür, dass die Teil­ein­stel­lung mit der Wür­di­gung der Glaub­haf­tig­keit der Bekun­dun­gen der Neben­klä­ge­rin in Zusam­men­hang gestan­den hat. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beschwer­de­füh­rers genügt das Revi­si­ons­vor­brin­gen schließ­lich nicht den aus § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO resul­tie­ren­den Anfor­de­run­gen an eine Ver­fah­rens­rüge. Denn die Revi­si­on gibt ledig­lich die Pas­sa­ge aus den Urteils­grün­den wie­der, die im Rah­men der Pro­zess­ge­schich­te die Ver­fah­rens­ein­stel­lung als sol­che mit­teilt. Dage­gen fehlt jeg­li­ches Vor­brin­gen zum Inhalt der Erör­te­run­gen und Erklä­run­gen, die der Ver­fah­rens­ein­stel­lung in der Haupt­ver­hand­lung vor­aus­ge­gan­gen sind oder sie beglei­tet haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Febru­ar 2018 – 4 StR 346/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 29.07.1998 – 1 StR 94/​98, BGHSt 44, 153, 160; Beschlüs­se vom 30.05.2000 – 1 StR 183/​00, BGHR StPO § 154 Abs. 2 Teil­ein­stel­lung 1; vom 10.06.2008 – 5 StR 143/​08, NStZ 2008, 581 f.; vom 09.12 2008 – 5 StR 511/​08, StV 2009, 116 f.; vom 23.08.2012 – 4 StR 207/​12 Rn. 4; Urteil vom 16.04.2014 – 1 StR 516/​13 Rn.19 in NJW 2014, 1975 nicht abge­druckt[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.07.1998 – 1 StR 94/​98 aaO; Beschluss vom 24.01.2008 – 5 StR 585/​07, NStZ-RR 2008, 254, 255[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 30.05.2000 – 1 StR 183/​00 aaO; vom 10.06.2008 – 5 StR 143/​08 aaO; vom 09.12 2008 – 5 StR 511/​08 aaO; vom 23.08.2012 – 4 StR 207/​12 aaO[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 30.05.2000 – 1 StR 183/​00 aaO; Brau­se, NStZ 2007, 505, 511[]